Reisekolumne Das Auge isst (man) mit

Eigentlich will man Ekel beim Essen vermeiden, doch in bestimmten Museen oder bei bestimmten Spezialitäten fordern die Gastgeber diesen etwas heraus. Und dafür muss man gar nicht weit fahren.
07.08.2021, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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Das Auge isst (man) mit
Von Marie-Chantal Tajdel

Wenn ich Ihnen bei sommerlich warmen Temperaturen ein Glas Apfelsaft anbieten würde, würden Sie vermutlich beherzt zugreifen und es austrinken. Ganz anders sieht es aus, wenn ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Apfelsaft in einem Urinbecher anbieten würde. Obwohl es nur Apfelsaft ist, würden Sie den Becher ablehnen, weil sie sich ekeln. Das haben Wissenschaftler in unterschiedlichen Studien herausgefunden. Urin und Apfelsaft sehen sich einfach zu ähnlich. Da kann der Urinbecher noch so steril sein.

Warum ich Sie mit diesen Ekelbildern belästige? Weil Ekel ein so grundlegendes, menschliches Gefühl ist, dass er es jetzt ins Museum geschafft hat. In Berlin stellt das „Disgusting Food Museum“ Exponate aus, die bei uns Brechreiz hervorrufen. In anderen Regionen dieser Erde werden sie allerdings als kulinarische Leckerbissen gehandelt: Reptilienaugensuppe, Euterschnitzel, Bullenpenis, Kuhblut, getrocknete Fledermäuse und gegrillter Hund lassen den Menschen in bestimmten Regionen das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Bevor Sie nun denken, ekelhafte Speisen gibt es nur in ganz abgelegenen Regionen dieser Erde, muss ich widersprechen: Oder haben sie noch nie von dem Käse auf Sardinien gehört, in dem sich Maden tummeln oder von der schwedischen Spezialität ­Surströmming? Das ist ein monatelang vergorener Fisch, der nicht nur unerträglich riechen – ich habe ihn allerdings noch nie probiert und kann nicht sagen, ob es stimmt – , sondern auch Fliegen anziehen soll. Aber die Schweden lieben diese Spezialität nun mal. Angeblich soll der Fisch salzig schmecken

Wenn Sie ganz tapfer sind, besuchen Sie das Ekel-Museum in Berlin. Und wer wirklich tapfer ist, bedient sich an der Bar mit Kostproben. Die muss man dann ja nicht wirklich essen, sondern kann sie getrost als Urlaubsmitbringsel an unbeliebte Nachbarn, Kollegen oder Freunde verschenken. Wohl bekommt’s!

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