Reisekolumne Manhattans unsichtbarer Zaun

Eine unsichtbare Grenze aus Nylon: Der Eruv zeigt Juden in Manhattan, wo sie sich am Sabbat aufhalten sollen.
14.08.2021, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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Manhattans unsichtbarer Zaun
Von Marie-Chantal Tajdel

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich in New York war. Damals bin ich unter anderem durch Manhattan spaziert und habe einen Nylonfaden entdeckt, der von einem Laternenmast zum anderen gespannt war. Der Faden war zwar fast unsichtbar, aber er erleichtert das Leben vieler orthodoxer Juden in New York.

Die Schnur ist zwar keine Landesgrenze, hat aber eine ganz ähnliche Funktion. Gläubige Juden sollten sich am Sabbat innerhalb dieser Grenze aufhalten. Genannt wird der Sabbatzaun Eruv. Die Regeln rund um die Grenze sind – wie sollten es auch anders sein  – kompliziert. Kurz gesagt: Ein Jude darf am Sabbat auf einem öffentlichen Platz keine Gegenstände tragen. Aber im privaten Raum ist das sehr wohl erlaubt. Die Regel geht 2000 Jahre zurück. Wenn es regnet, dürfte ein orthodoxer Jude also keinen Regenschirm bei sich tragen.

Rabbis hatten schließlich die Idee, ein Gebiet einzugrenzen, früher mit Zäunen oder Mauern, heute mit Nylonschnüren oder Drähten. Damit das so bleibt und der Eruv ungebrochen ist, wird er deshalb jeden Donnerstag überprüft und dann repariert.

Mittlerweile gibt es in Nordamerika schätzungsweise 200 Eruvs. Entstanden sind sie übrigens auf Drängen der jüdischen Frauen, denn die hätten am Sabbat nicht mit einem Kinderwagen vor die Tür gehen können. Das geht jetzt, auch wenn es regnet.

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