Die Ausgabestelle der Achimer Tafel in Lunsen ist für viele Kunden zum sozialen Treffpunkt geworden Rezept-Tipps gibt es inklusive

Einmal in der Woche haben Bedürftige die Möglichkeit, für einen Euro bei der Tafel in Lunsen einzukaufen. Ein Team aus 14 ehrenamtlichen Helfern kümmert sich um einen reibungslosen Ablauf.
25.01.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Elisabeth Hintze

Einmal in der Woche haben Bedürftige die Möglichkeit, für einen Euro bei der Tafel in Lunsen einzukaufen. Ein Team aus 14 ehrenamtlichen Helfern kümmert sich um einen reibungslosen Ablauf.

„Schau’n wir mal, was wir heute alles Gutes bekommen haben. Das ist jedes Mal wieder eine Überraschung. Wie eine Wundertüte.“ Inge Wetzke hebt den Deckel der blauen Kühlbox hoch: „Oh, sehr viel Wurst ist dieses Mal dabei. Leider nur wenig Joghurt.“ Macht nichts, sagt sie. Es werde schon reichen. Dafür sei von anderen Sachen umso mehr da. „Man muss eben alles so einteilen, dass jeder genug bekommt.“

Jeder – damit meint sie die Kunden, die donnerstags zwischen 15 und 16 Uhr ins Gemeindehaus nach Lunsen kommen. Denn dort befindet sich seit Mai 2010 eine Ausgabestelle der Achimer Tafel. „Wir haben ungefähr 30 Familien, die jede Woche zu uns kommen“, erzählt Inge Wetzke. Sie ist eine von 14 Ehrenamtlichen, die in Lunsen für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Wenn eine Stunde vor Öffnung der Transporter aus Achim mit den Waren ankommt, dann muss es fix gehen. Fahrer Uwe Tillmann rollt mit der Sackkarre Kiste um Kiste in das Gemeindehaus. Obst, Gemüse, Milch, Konserven, Schokolade, Blumen und Brot: alles Spenden von Supermärkten, Bäckereien und Firmen, die die Ware aussortiert haben, weil sie sie nicht mehr verkaufen können oder wollen.

Plaudern gehört dazu

„Das sind alles gute Sachen“, bekräftigt Wetzke. „Manche meinen vielleicht, es sei Abfall, aber das ist Unsinn.“ Klar, das Haltbarkeitsdatum ist schon mal abgelaufen, der Kuchen stammt vom Vortag, einige Büchsen sind eingedrückt, „aber falls irgendetwas nicht mehr in Ordnung sein sollte, wird es sofort entsorgt“. Vor der Tür des Gemeindehaus finden sich bereits eine halbe Stunde vorher die ersten Kunden ein. Wetzke: „Sobald wir hier drinnen mit dem Sortieren und Abzählen fertig sind, machen wir die Tür auch schon auf.“ Tee und Kaffee stehen im Warmen bereit, gerade im Winter sollen die Kunden nicht draußen frieren müssen. „Hier wird nicht nur eingekauft, für viele ist die Tafel außerdem ein Treffpunkt.“ Man kennt sich mittlerweile, da plaudert man auch mal über Privates. „Mir gehen einige Geschichten schon nahe“, räumt Wetzke ein. Die 67-Jährige ist im Ruhestand, und hat sich zur Mithilfe entschieden, um etwas Sinnvolles zu machen, wie sie sagt. „Früher war ich vielleicht etwas erfolgsorientiert, heute sehe ich viele Dinge anders.“ Zum Beispiel, dass ein Euro – so viel zahlt ein Erwachsener für einen Einkauf, Kinder zahlen 50 Cent – für manche viel Geld ist. „Bei Einigen wird das Geld genau abgezählt.“ Wer bei der Tafel einkaufen möchte, braucht einen Bedürftigkeitsnachweis. Dafür kann er sich dann nehmen, was er braucht.

Das Tafel-Team macht sich indessen bereit, denn nun geht es los: Nach und nach gehen die Kunden mit großen Einkaufstüten oder Körben bepackt die Tischreihen entlang. Jeder Helfer hat seinen festen Bereich. Die einen kümmern sich um Obst und Gemüse, die anderen um Brot und Kuchen, wieder andere sind für die Ausgabe von Wurst und Käse zuständig. Dann wird mit den Kunden das Gewünschte ausgesucht: „Cornflakes – mit Schoko oder normal?“ „Lieber Zucchini oder eine Aubergine?“ „Haben Sie noch genügend Kartoffeln zuhause?“ „Saft für die Kinder?“ – Die Ehrenamtlichen kennen ihre Kunden, wissen, wie groß die zu versorgende Familie ist, ob jemand gegen eine Zutat allergisch ist oder kein Schweinefleisch essen darf.

„Hier in Lunsen ist die Atmosphäre sehr entspannt“, findet Helferin Rosi Frese. „Es gibt kein Gedränge, da bleibt Zeit für Gespräche.“ Was das Ehepaar, das gerade vor ihr steht, denn mit der Roten Bete anfange, möchte sie wissen. Einen Salat vielleicht, schlägt sie vor. Die Mungobohnen müssten einweichen, bevor sie gekocht werden. Rezept-Tipps gibt’s von ihr gratis dazu.

Leider nicht gratis sei es, die Tafel am Laufen zu halten, erzählt Teamleiterin Anke Kiesel. Fixe Kosten wie Miete für die Tafel in Achim, der Kühlraum, die Versicherung und Steuer für den Transporter: „Wir können nicht kostendeckend arbeiten. Deshalb sind wir umso mehr auf Spenden angewiesen.“ Manchmal gebe es aber positive Überraschungen, zum Beispiel dass ein Landwirt anrufe, der Unmengen an Spargel abzugeben habe. Oder Erdbeeren, die er nicht mehr verkaufen kann. Oder jetzt – nach der Weihnachtszeit – gebe es sehr viel Schokolade, „auch noch die von den richtig guten Marken.“

Apropos Weihnachten: Als Dank für ihre ehrenamtliche Tätigkeit hat Thedinghausens Bürgermeister Diethelm Ehlers den Helfern einen kleinen Bonus zukommen lassen – da die Tafel bis Anfang Januar geschlossen war, kam der Weihnachtsgruß mit leichter Verspätung an. „Davon machen wir uns alle zusammen einen schönen Nachmittag“, freut sich Inge Wetzke. „Oder eine Kohltour.“

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