Deutsche entdecken neue Ziele in unbekannten Teilen der USA / Wohnmobilreisen sind im Aufwind

Seattle statt San Francisco

Orlando. Urlaub in Florida? Warum nicht mal die Südstaaten? Deutsche Urlauber entdecken zunehmend die Vielfalt der USA. Doch der starke Dollar könnte die Reiselust dämpfen.
27.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Philipp Laage
Seattle statt San Francisco

Die Vulkane im Blick: Ein Roadtrip durch Oregon ist ein Erlebnis.

Christian Röwekamp, dpa-tmn

Urlaub in Florida? Warum nicht mal die Südstaaten? Deutsche Urlauber entdecken zunehmend die Vielfalt der USA. Doch der starke Dollar könnte die Reiselust dämpfen. Die Staaten sind teuer geworden. Auch die Veranstalter werden bald die Preise anpassen müssen.

New York, Florida, die Nationalparks im Südwesten: Das sind die beliebtesten Reiseziele der Deutschen in den USA. Und das dürften sie bleiben. Allerdings entdecken Urlauber mittlerweile auch verstärkt Regionen, die früher vor allem etwas für Amerika-Insider waren.

„Der Nordwesten ist absolut im Aufwind“, sagte zum Beispiel Per Illian, bei Dertour und ADAC Reisen für die Region Nordamerika verantwortlich. Die Bundesstaaten Oregon und Washington seien beliebt, Seattle und Portland als Metropolen richtig populär. „Auch San Diego liegt absolut im Trend.“ Der Mittlere Westen, die Südstaaten, Texas mit seinen Ranches, die Großen Seen und Neuengland: Diese Trendregionen abseits der klassischen Routen nennt Steffen Boehnke, der sich bei Tui um das Fernreisegeschäft kümmert. „Die Nachfrage nach diesen Zielen steigt.“

Es sind diese Ziele in der zweiten Reihe, die zunehmend ins Interesse rücken: Beim Nordamerika-Spezialisten Canusa verzeichnen diese Destinationen das größte Wachstum, wie Geschäftsführer Tilo Krause-Dünow erklärte. Satte Zuwächse gibt es für North und South Carolina, die Großen Seen, Kansas und Oklahoma, Texas und den Nordwesten. Neuengland an der Ostküste sei eigentlich schon auf dem Sprung zu einem Ziel der ersten Liga. Die Begründung für den Boom ist simpel: „Urlauber, die schon ein- oder zweimal in den USA waren, wollen neue Dinge sehen“, sagte Krause-Dünow.

Wiederholer gehen von den Hauptdestinationen aus gerne „in die Fläche“, erläutert Boehnke. Von Florida aus reisen sie zum Beispiel noch nach New Orleans. „Diese Ecke wird stärker nachgefragt.“ Doch auch mancher Erstbesucher ist nicht mehr so stark auf die Verkaufsschlager New York, Florida und Kalifornien fokussiert. „Wir versuchen, die Kunden über die Klassiker auch an andere Ziele heranzuführen“, sagte Fabio Negro, Group Director für Nordamerika bei FTI.

Beim Blick auf die Reiseform zeichnet sich neben der klassischen Rundreise im Bus oder eigenen Mietwagen ein weiterer Trend ab: Urlaub mit dem Wohn- oder Campingmobil. „Die Nachfrage ist sensationell“, schwärmte Per Illian von Dertour. Campingurlaub bediene die Sehnsucht nach der Natur. Und statt wie früher einen Tagesausflug in einen Nationalpark zu machen, bleiben Reisende dort mittlerweile oft gleich mehrere Tage.

Steffen Boehnke bestätigte den Trend: „Camping-Urlaub ist ein sehr starkes Segment.“ Canusa-Chef Krause-Dünow sprach von einer „Renaissance der Wohnmobil-Reisen“. Das sei womöglich auch durch die niedrigen Spritpreise in den USA getrieben. „Da kompensieren sich die Mehrkosten durch den gestiegenen Dollar.“ Der Euro zur starken US-Währung ist ein Faktor, der den Optimismus dämpft.

Zwar haben die Veranstalter für diesen Sommer und zum Teil auch für den Winter durch Termingeschäfte günstig eingekauft und können dadurch Pakete anbieten, die für Urlauber günstiger sind als eine individuelle organisierte Reise – denn dabei zahlt der Kunde Hotel und Mietwagen mit dem bereits starken Dollar. Doch bei der Vorstellung ihrer Winterprogramme dürften dann auch die Veranstalter Preiserhöhungen ankündigen. Die Frage lautet: Werden viele Urlauber in Zukunft lieber woanders hinreisen, wenn der Dollar so bleibt? Fakt ist: Bei jedem Restaurantbesuch konnte der deutsche Tourist noch vor einigen Monaten locker 20 bis 30 Prozent abziehen: Aus 30 Dollar wurden vielleicht um die 23 Euro. Derzeit wird die Kreditkarte beinahe eins zu eins mit dem gleichen Betrag in Euro belastet – 30 Dollar werden zu satten 29 Euro. Besonders Familien mit Kindern müssen deshalb deutlich mehr Budget für Essen und alle anderen Ausgaben vor Ort einplanen.

Hans Gesk, Präsident des deutschen Visit-USA-Committees, gibt sich optimistisch: „Sie müssen sich das Produkt anschauen – dafür sind die Leute auch bereit, ein bisschen mehr zu zahlen.“ Die Katalogpreise seien in den vergangenen 20 Jahren noch nie gefallen. Das soll heißen: Steigende Preise haben Urlauber noch nie von einer Amerikareise abgehalten. „Der Urlauber lässt sich seine USA-Reise nicht nehmen, aber er plant vor Ort vielleicht anders.“ Er spart sich zum Beispiel den einen oder anderen Restaurantbesuch. Allerdings räumte auch Gesk ein, dass es bei den Gästezahlen aus Deutschland zu einer „Delle“ kommen könnte.

Die Veranstalter sind positiv gestimmt: „Die Anziehungskraft der USA findet der Kunde nirgendwo anders auf der Welt“, findet Dertour-Experte Illian. „Der starke Dollar wird eine Auswirkung haben. Aber das Preis-Leistungs-Verhältnis in den USA stimmt nach wie vor“, sagte Fabio Negro.

Bei Tui haben die USA im vergangenen Jahr um 50 Prozent zugelegt. Und in diesem Jahr wird diese Zahl nach Einschätzung von Steffen Boehnke noch getoppt. Es läuft also ausgesprochen gut, noch gibt es wenig Grund zur Sorge. Bei Canusa geht man davon aus, dass 2015 bei der Zahl aller deutschen USA-Besucher die Zwei-Millionen-Marke geknackt wird. Die Anfragen zeigten, dass die touristische Nachfrage auch für 2016 ungebrochen sei.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+