Bremerhaven Seemannsclub macht Seeleute mit Fahrrädern mobil

Bremerhaven. Der Bremerhavener Seemannsclub tut viel, damit sich Seeleute während des Landgangs wohlfühlen. Für Touren in die City wurden nun Räder angeschafft.
03.07.2015, 00:00
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Von Janet Binder

Der Bremerhavener Seemannsclub tut viel, damit sich Seeleute während des Landgangs wohlfühlen. Für Touren in die City wurden nun Räder angeschafft. Das ohnehin schon große Angebot hat dem Klub kürzlich den Titel der weltweit besten Einrichtung für Seeleute eingebracht.

Maximo Talacan ist häufig in Bremerhaven. Der Filipino ist Seemann auf dem Containerschiff „Stefan Sibum“, das regelmäßig im Überseehafen Station macht. Seine freie Zeit nutzt der 42-Jährige gerne, um mit Kollegen in der Stadt einen Hamburger zu essen oder im Supermarkt einzukaufen. Das ist für ihn allerdings meist ein teurer Spaß. Denn eine Busverbindung gibt es nicht, und das Taxi kostet hin und zurück 24 Euro. Deshalb freut er sich, dass es nun eine Alternative gibt: Er kann kostenlos mit dem Fahrrad in die City fahren. Möglich macht das der Seemannsclub Welcome. „Eine gute Idee“, sagt Talacan.

Vier blaue Fahrräder samt Unterstand hat der Seemannsclub, der zur Deutschen Seemannsmission Bremerhaven gehört, für den Verleih angeschafft. „Wir bringen die Seeleute auch schon mal kostenlos mit unserem Fahrdienst in die Stadt“, sagt Seemannsdiakon Thomas Reinhold. Doch meist sei dafür keine Zeit. Da er selbst immer mit dem Rad unterwegs ist, lag es für ihn nahe, Räder anzuschaffen. Finanziert wurde das Angebot über Spenden, die Wartung übernimmt ein professioneller Radverleiher.

Die Leihräder sind nur ein Service von vielen, die der Klub, der mitten im Überseehafen liegt, für Matrosen bereithält. Zum Angebot gehören kostenloses Surfen im Internet, Billard, Tischtennis, ein Sportplatz sowie Getränke, Schokolade und SIM-Karten fürs Handy zum Selbstkostenpreis. Auch die regelmäßigen Partys sind bei den Besuchern beliebt. Dafür gab es kürzlich eine Auszeichnung. Der Club wurde zusammen mit dem Seemannsheim in der Stadt vom internationalen Seefahrer-Netzwerk ISWAN als weltweit beste Einrichtung für Seeleute gekürt. „Darüber freuen wir uns sehr, weil das Lob von den Seeleuten selbst kommt“, sagt Reinhold.

80 Seeleute aus aller Welt kommen täglich in den 300 Quadratmeter großen Klub, knapp 30 000 sind es im Jahr. „Die sind froh, wenn sie einfach mal was anderes sehen“, begründet Reinhold. „Teilweise haben sie Verträge von neun bis zwölf Monaten auf einem Schiff.“ Manch einer geht schnurstracks aufs Sportfeld und reagiert sich mit Ballspielen ab, wenn sie in den Klub kommen. Andere suchen Zuflucht im Raum der Stille, der bewusst auf religiöse Zeichen verzichtet. „Hier werden Stoßgebete ausgestoßen“, sagt Diakon Reinhold. Der Eintrag eines Seemannes ins Gästebuch spricht Bände: „Lieber Gott, ich möchte in der Lotterie gewinnen. Ich weiß, dass du das tun kannst. Scheiß auf das Arbeiten auf Scheißbooten. Danke.“ Vielen reiche es schon, im Klub zu verschnaufen und nett versorgt zu werden, sagt Reinhold. Doch wer zwei Monate am Stück auf einem Schiff war, der wolle auch mal raus, ein Eis essen, „einfach mal ein anderes Gesicht sehen“.

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