Die Holzkreationen und Bänke des Rentners Emil Poppe prägen das Ortsbild Lübberstedts „Set di dol un west vergnögt“

Lübberstedt. Viele Menschen freuen sich ihr gesamtes Arbeitsleben lang auf den Ruhestand. Endlich nicht mehr früh aufstehen müssen und die Berufskleidung an den Nagel hängen.
23.09.2018, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Kim Wengoborski

Lübberstedt. Viele Menschen freuen sich ihr gesamtes Arbeitsleben lang auf den Ruhestand. Endlich nicht mehr früh aufstehen müssen und die Berufskleidung an den Nagel hängen. Viel reisen und in den Tag hinein leben. Emil Poppe aus Lübberstedt ist bereits seit mehr als 20 Jahren in Rente. Im Winter geht er aber weiterhin täglich seiner früheren Tätigkeit nach – der Zimmerei und Tischlerei.

Um 6.30 Uhr klingelt Emil Poppes Wecker in der dunklen Jahreszeit. Ein gemeinsames Frühstück mit seiner Frau läutet den Tag ein. Anschließend geht er in die kleine Werkstatt im hinteren Teil des Gartens. Hinter dem Schuppen türmen sich große Bäume auf. Davor liegt ein Teich, dessen Wasser von einem kleinen hölzernen Wasserrad umgewälzt wird. Betrieben wird es von einer Sieben-Watt-Pumpe. „Bei einem Urlaub in Leipzig habe ich mal ein ähnliches Wasserrad gesehen und es gleich nachgebaut“, sagt Emil Poppe.

In weiteren Schuppen auf dem Grundstück stehen zahlreiche Holzgarnituren, Bänke, Tische. Außerdem der originalgetreue Nachbau einer Torfkarre. Jemand hatte ihm eine Torfkarre zum Reparieren übergeben. „Ich habe die Maße genommen und sie nachgebaut“, erzählt Poppe.

Das Zimmern ist seine Leidenschaft. Schon vor der Rente habe er sich Gedanken gemacht, wie es danach weitergehen könnte. Nach und nach hat er verschiedene gebrauchte Werkzeuge und Maschinen angeschafft. Zum Beispiel Sägen und Hobel.

Die Leidenschaft für Holz prägt nicht nur den Garten des Rentners. In ganz Lübberstedt finden sich mittlerweile Spuren seines Schaffens. Die Schilder an den Ortseingängen zum Beispiel hat er mit seinen Händen erschaffen. Auch Bänke auf dem Gelände des Mühlenvereins, die er gestiftet hat. Außerdem fertigt er jedes Jahr zum Maibaumpflanzen eine Bank aus Eiche an. Das robuste Möbelstück wird anschließend für einen guten Zweck versteigert. Der Erlös geht zum Beispiel an einen Kindergarten.

In das Holz eingravierte Sprüche wie „Set di dol un west vergnögt“ oder „Beten sitten is lang ken Fulheit“ machen die massiven Möbelstücke einzigartig. Manch eine Lübberstedter Nachbarschaft tut sich zusammen und verschenkt gemeinsam eine Bank zu einer grünen oder gar goldenen Hochzeit. Die Namen der glücklich Verheirateten und das Hochzeitsdatum verewigt Emil Poppe auf Wunsch im Holz.

Im Winter verbringt der Rentner jeden Vormittag in seiner Werkstatt. Das Mittagessen beendet sein Schaffen, der Nachmittag ist seiner Frau, Freunden und anderen Hobbys vorbehalten. „Die Arbeit hält mich jung, und ich bin immer im Kontakt mit anderen Menschen“, sagt Emil Poppe. Im Sommer erhält er meist die Bestellungen: Lübberstedter aber auch Auswärtige besuchen ihn zu Hause, bleiben auf einen kleinen Plausch und schauen sich die Holz-Kreationen an. „Normalerweise arbeite ich im Winter. Wenn es ganz dringend ist, gehe ich aber auch im Sommer in meine Werkstatt“, sagt er.

Besonders stolz ist der Rentner auf sein Insektenhotel. Den Holz-Rahmen hat er selbstverständlich selbst gebaut. Torfsoden hinter einem Zentimeterdraht sollen den kleinen Lebewesen ein Zuhause bieten. „Es sind alles meine eigene Ideen“, sagt Poppe. Ein erster Versuch sei vergangenes Jahr leider gescheitert. „Ein Specht hat sich die Insekten herausgepickt“, erinnert sich der Lübberstedter. Damals hatte er noch keinen Draht verwendet, sodass der Vogel freien Zugang hatte und das Hotel als Futterstelle betrachtete.

Der Schutz von Kleinstlebewesen hat für Emil Poppe einen hohen Stellenwert. Die Populationen zahlreicher Insektenarten sind zuletzt stark zurückgegangen, manche Arten sind bereits ausgestorben. Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft sowie Monokulturen, zum Beispiel riesige Maisfelder, machen den Tieren das Leben schwer.

In den Sommermonaten sind Insekten sehr präsent. Überall schwirrt und surrt es; die Bienen, Fliegen und ihre Verwandten suchen Futter und bekommen Nachwuchs. Im Winter hingegen verschwinden sie aus dem Sichtfeld des Menschen. Manche Insekten sterben, andere suchen sich Verstecke, in denen sie überwintern können.

Garten- und Balkonbesitzer können ihnen dabei helfen, gut in das neue Jahr zu starten. Auch wenn sie handwerklich nicht so begabt sind wie Emil Poppe. Im Internet finden sich zahlreiche Anleitungen für den Bau eines Insektenhotels. Bausätze und auch fertige Hotels erfüllen ebenso ihren Zweck. Darüber hinaus freuen sich kleine Lebewesen darüber, wenn auf den Beeten und am Wegesrand Laub liegen bleibt.

Interessierte können sich bei Emil Poppe unter Telefon 0 47 93 / 14 68 melden.

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