Wie Urlauber seriöse von kriminellen Taxifahrern unterscheiden können

Sicher zum Ziel

Berlin. Als die Rezeptionistin über ihr Privathandy den angeblichen Taxifahrer anrief, hätte Kundri Böhmer-Bauer zumindest skeptisch werden können. Warum benutzte die Frau nicht das normale Telefon in der Lobby? Als im Wagen auf der Rückbank noch ein zweiter Mann saß, hätten spätestens alle Alarmglocken läuten müssen.
12.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Philipp Laage

Als die Rezeptionistin über ihr Privathandy den angeblichen Taxifahrer anrief, hätte Kundri Böhmer-Bauer zumindest skeptisch werden können. Warum benutzte die Frau nicht das normale Telefon in der Lobby? Als im Wagen auf der Rückbank noch ein zweiter Mann saß, hätten spätestens alle Alarmglocken läuten müssen. Doch die erfahrene Reisende ignorierte die Warnzeichen, stieg nicht sofort wieder aus. Die Fahrt durch die tansanische Hauptstadt Daressalam begann und endete bei einem Friedhof, wo weitere Männer warteten: bewaffnete Räuber. Böhmer-Bauer wurde das Opfer einer Express-Entführung. Die Frau vom Hotel, der angebliche Taxifahrer und die anderen Männer steckten unter einer Decke.

Die Gefahr von Überfällen, bei denen falsche Taxis involviert sind, besteht natürlich nicht nur in Tansania. Das Auswärtige Amt in Berlin weist in seinen Sicherheitshinweisen für viele Länder auf das Risiko von Taxifahrten hin. Für das beliebte Urlaubsland Thailand erklärt das Auswärtige Amt etwa: „Die Gefahr von Betrugsversuchen unter Mitwirkung von Taxi- und Tuk-Tuk-Fahrern ist hoch.“ Denn nicht immer geht es um Raub. Auch die Fahrt zu einem vermeintlichen Cousin, wo Touristen zum Kauf von Billigsouvenirs genötigt werden, oder ein völlig überteuerter Fahrpreis können die Urlaubsfreude vermiesen. Das Risiko, an einen betrügerischen oder gefährlichen Taxifahrer zu geraten, lässt sich mit ein paar Sicherheitsregeln deutlich mindern.

So sollten Urlauber stets nur lizenzierte Taxis nehmen. Die Lizenz befindet sich meist vorne im Wagen mit Passbild am Spiegel oder hinter der Scheibe. Reisende erkennen daran, ob es sich um ein legales Taxi handelt. Die Papiere sehen in jedem Land anders aus und können ebenfalls falsch sein. Deshalb rät Böhmer-Bauer, sich vor der Reise oder in der Unterkunft darüber zu informieren, welche Firmen lizenziert sind und wie die Lizenzen aussehen.

Zudem arbeiten die meisten seriösen Hotels und Hostels mit anerkannten Taxiunternehmen oder persönlich bekannten Fahrern zusammen. Es ist viel sicherer, sich von den Hotel-Mitarbeitern ein Taxi rufen zu lassen, als auf der Straße irgendein Taxi oder Fahrzeug anzuhalten. Allerdings kommen Reisende oft nicht umhin, sich an Bahnhöfen oder öffentlichen Plätzen ein Taxi zu suchen. „Niemals sollte man sich dann von einem Taxifahrer aussuchen lassen“, rät Böhmer-Bauer. „Im besten Fall zahlt man den Ausländerbonus.“ Im schlechtesten Fall wird man beraubt. Es sei besser, sich selbst einen Fahrer zu suchen und einen Festpreis auszuhandeln.

Wenn schon ein weiterer Mitfahrer im Wagen sitzt oder irgendwann zusteigt, sollten Reisende das Taxi verlassen. Es könnte sich um einen Komplizen des Fahrers handeln. Ein weiterer Tipp: Oft lohnt es, am Flughafen ein Prepaid-Taxi zu reservieren. Denn an Flughäfen ist die Gefahr falscher Taxis besonders hoch, weil der Weg vom Airport in die Stadt das Nadelöhr für alle Reisenden ist. Bei Prepaid-Taxis bucht der Kunde am Schalter im Flughafen ein Taxi, zahlt dort und bekommt eine Nummer und ein bestimmtes Auto zugewiesen. Alternativ bieten Unterkünfte eigene Shuttle-Dienste an.

Eine Alternative zum Taxi kann in manchen Ländern der Fahrservice Uber sein. Dabei rufen angemeldete Mitglieder per App einen bei dem Unternehmen registrierten Fahrer. Der Kunde sieht in der Applikation Namen und Gesicht, schon wenn das Fahrzeug zu ihm unterwegs ist. Der Preis wird automatisch ermittelt und vom Konto abgebucht, Bargeld wird nicht benötigt. Angeboten wird der Dienst zum Beispiel in Rio de Janeiro, Kairo, Nairobi oder Kapstadt. Es sind Städte, in denen das Taxi anders als in Deutschland für viele ein Alltagsfortbewegungsmittel ist.

Die Ethnologin Kundri Böhmer-Bauer sagt, sie habe damals in Daressalam – neben all den Alarmzeichen – eine wichtige Regel missachtet: immer auf das Bauchgefühl hören. „Man sollte nicht zu vertrauensselig sein“, sagt sie. „Lieber einmal zu oft misstrauisch als einmal zu gutgläubig.“

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