Aumund

Siedlergemeinschaft auf Törn mit altem Krabbenkutter Orion

Aumund. Erst einmal muss die Maschine geölt werden. Ist sie doch bereits 56 Jahre alt.
08.10.2017, 00:00
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Siedlergemeinschaft auf Törn mit altem Krabbenkutter Orion

In so rustikaler Umgebung schmeckt eine Erbsensuppe immer.

Aumund. Erst einmal muss die Maschine geölt werden. Ist sie doch bereits 56 Jahre alt. Mir ihren sechs Zylindern und 120 PS ist sie zuständig für den Antrieb der Orion, ein ebenso alter Krabbenkutter, der heute als Privatschiff von Ulf Tetens eine kleine Gruppe aufnimmt für eine Mini-Tour nach Elsfleth. Gut gelaunt geht es an Bord, natürlich nicht ohne ausreichende Verpflegung.

Nach einer kurzen Einweisung durch Ulf Tetens heißt es: „Leinen los!“ Langsam hebt sich die Fußgängerbrücke des Vegesacker Hafens; die Orion tuckert in die Weser. 18 Meter lang ist sie über alles, 4,2 Meter breit, hat einen Tiefgang von 1,4 Meter. „Mit ihren 70 Quadratmetern Segelfläche kann sie ihre 27 to auch ohne Motor vorantreiben“, berichtet Tetens. Jetzt aber dreht sich die Maschine mit 550 Umdrehungen pro Minute und bringt die Orion auf 6,9 Knoten (für die Landratten: das sind 12,8 km/h). Die Orion hatte früher als Krabbenkutter in der Nordsee und als Hamenkutter auf der Weser gearbeitet. Hamenkutter liegen still in einer Strömung, setzen Stellnetze aus. Da die nicht über den Boden schleifen, ist diese Fischfangmethode sehr umweltschonend.

Seit 1989 ist die Orion im Besitz von Ulf Tetens. „Die Orion war bereits einmal für fünf Jahre als Traditionsschiff anerkannt, leider wurde dies wieder aufgehoben, weil es angeblich noch genügend solcher Schiffe gibt“, klagt er. So muss er das Schiff ohne die Einnahmen, die bei einem Traditionsschiff möglich wären, in Schuss halten. Unterstützt wird er von Friedhelm Gierling, der Ulf Tetens vor etwa zehn Jahren im Vegesacker Hafen kennenlernte. “Mit einem solchen Holzschiff hat man immer etwas zu tun“, erklären die beiden. Drei bis vier Tage die Woche sind sie im Hafen, um auszubessern, zu pflegen oder zu erneuern.

Jetzt aber ist der alte Krabbenkutter wieder auf Fahrt. Teilnehmer des Gesprächs- und Geschichtskreises der Siedlergemeinschaft Aumund 1, die Ulf Tetens gut kennen, hatten zu einer Ausfahrt angeregt, und schnell hatten sich 15 Mitfahrer eingefunden, die den gemütlichen Törn ein Stück die Weser abwärts mitmachen wollten.

Langsam ziehen die Nordbremer Werften vorbei, die Fährlinien werden gekreuzt, die Superjacht am Kai der Lürssen-Werft bewundert. Schnell, eigentlich trotz der gemütlichen Geschwindigkeit zu schnell, wird das Huntesperrwerk passiert. Noch ein kleines Stück die Hunte aufwärts, dann wird angelegt zur Mittagspause. Eine leckere Erbsensuppe hat Ulf Tetens vorbereitet, Bier schmeckt natürlich auch gut dazu.

Leider muss bald schon wieder die Flut ausgenutzt werden, die mit auflaufendem Wasser die Maschine der Orion unterstützt auf dem Heimweg nach Vegesack. Hier hat leider die Hafenbrücke einen technischen Defekt, sodass die Gäste über den Anleger bei der Signalstation von Bord gehen müssen. Das aber kann den Spaß an der tollen Fahrt nicht trüben – eine Tour, die jedem Wasser- und Schiffsbegeisterten nur empfohlen werden kann. Bei Interesse: 0178/ 962 54 52 oder info@orion-vegesack.de.

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