ITB Unbekannter Nachbar: In Polen ist viel zu entdecken

Berlin. Polen liegt gleich nebenan, dennoch ist es für viele Deutsche ein unbekanntes Land. Die meisten Touristen bereisen eine Handvoll Städte, die Ostsee und die Masuren. Dabei gibt es noch viel mehr zu entdecken, gerade im Osten jenseits von Warschau.
08.04.2011, 10:31
Lesedauer: 2 Min
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Berlin. Polen liegt gleich nebenan, dennoch ist es für viele Deutsche ein unbekanntes Land. Die meisten Touristen bereisen eine Handvoll Städte, die Ostsee und die Masuren. Dabei gibt es noch viel mehr zu entdecken, gerade im Osten jenseits von Warschau.

Polen ist unser größter östlicher Nachbar - und jedes Jahr reisen 4,5 Millionen Deutsche dorthin. Dennoch sind viele Teile des Landes weitgehend unbekannt. Deutsche Touristen konzentrieren sich auf die Ostseeküste, die Masuren und Städte wie Warschau und Krakau (Kraków). "Es gibt sicher keinen Landstrich, wo noch kein deutscher Tourist gewesen ist", sagt Jan Wawrzyniak, der Direktor des Polnischen Fremdenverkehrsamtes. "Aber es gibt noch viele unentdeckte Landstriche." Viele dieser Regionen haben sich bei der Reisemesse ITB in Berlin vorgestellt, deren Partnerland Polen in diesem Jahr war.

Touristen sind bequem. Sie besuchen das, was sie schon kennen und was leicht erreichbar ist. Davon profitieren die Regionen nahe der Grenze: Der Landkreis Jelenia Góra zum Beispiel mit seiner gleichnamigen Kreisstadt, die von Görlitz in Sachsen nur gut 60 Kilometer entfernt ist. Die Mehrzahl der Touristen, rund 60 Prozent, kommen aus Deutschland, sagt Landrat Jacek Wlodyga. Längst haben auch jüngere Gäste die Region im Riesengebirge entdeckt, zum Snowboarden zum Beispiel oder zum Downhill-Fahren im Sommer.

In manche Region kommen aber nur selten ausländische Touristen. "Alles, was hinter Warschau liegt, ist kaum bekannt", hat Magdalena Korzeniowska beobachtet. Dabei gibt es dort viel zu sehen. "Lublin zum Beispiel ist noch unentdeckt", sagt die Sprecherin des Fremdenverkehrsamtes. Die Stadt, die vor dem Zweiten Weltkrieg als "jüdisches Oxford" galt, hatte die größte jüdische Gemeinde Polens und war berühmt für ihre gelehrten Rabbiner.

Schon in der frühen Neuzeit war sie ein multikultureller Handelsplatz. Und auch heute noch ist die ostpolnische Metropole eine Reise wert. Lubelskie heißt die Region um sie herum, die zugleich eine der 16 Woiwodschaften Polens ist. In ihr liegt zum Beispiel die Stadt Zamosc, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehört.

Ein Stück weiter südlich liegt die Woiwodschaft Podkarpackie - die Vorkarpaten, die nun endgültig nicht mehr gefährdet sind, vom Massentourismus bedroht zu werden. In den Wäldern ist die Chance, auf Luchse oder Wölfe zu treffen, genauso hoch wie die für eine Begegnung mit deutschen Urlaubern. Auch Podlaskie dürfte eine Region sein, von der viele Deutsche noch nicht gehört haben. Sie liegt im Nordosten, an der Grenze zu Weißrussland. "Wir sind zusammen mit Masuren die grüne Lunge Polens", sagt Bozena Pogorzelska vom Marschallamt der Woiwodschaft. "Es gibt bei uns viele Seen, viel Grün, viel Natur."

Podlaskie gilt als Paradies für Ornithologen: Rund 300 Vogelarten brüten dort im Frühjahr. Und rekordverdächtig ist: Es gibt gleich vier Nationalparks - darunter den "letzten Urwald Europas", der zum Weltnaturerbe der Unesco gehört. Dort leben noch rund 470 Wisente in freier Wildbahn, außerdem Elche und Wölfe.

Das unbekannte Polen hat aber auch ganz andere Seiten, ziemlich schicke: "Polen ist auch ein Ziel für Luxusurlaub", sagt Magdalena Korzeniowska. An der Ostseeküste zum Beispiel gibt es die Möglichkeit dazu: "Zoppot hat ein Sheraton, Danzig ein Hilton." Und viele Hotels haben auch in punkto Wellness viel zu bieten.

Und Jan Wawrzyniak wird nicht müde zu betonen, dass es unbekannte Seiten Polens gibt, an die viele Deutsche noch weniger denken als an die Urwälder im wilden Osten: Warschau zum Beispiel habe längst den Anschluss gefunden an die internationale Szene, was Konzerte und Clubs angeht. Jugendliche interessieren sich dort oft weniger für die Kulturdenkmäler als für die Möglichkeiten, die Nacht durchzutanzen und sich von den DJs ordentlich eins auf die Ohren geben zu lassen. (dpa/tmn)

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