ITB Urlaub bei Nachbarn: Polens touristisches Potenzial

Berlin. Polen gehört zu Deutschlands größten Nachbarn - und damit zu den buchstäblich naheliegenden Urlaubszielen. In diesem Jahr ist es das Partnerland der Reisemesse ITB in Berlin.
08.03.2011, 11:30
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Berlin. Polen gehört zu Deutschlands größten Nachbarn - und damit zu den buchstäblich naheliegenden Urlaubszielen. In diesem Jahr ist es das Partnerland der Reisemesse ITB in Berlin.

In der Hauptstadt arbeitet auch Jan Wawrzyniak, der Leiter des Polnischen Fremdenverkehrsamtes in Deutschland. Er ist sich sicher, dass das Interesse an seinem Land wächst - erst recht, wenn Polen zusammen mit der Ukraine 2012 Gastgeber der Fußball-EM sein wird, wie Wawrzyniak zum Start der ITB (9. bis 13. März) sagte.

Interessieren sich die Deutschen überhaupt für Polen?

Wawrzyniak: Es gibt eine Umfrage von 2008, da hat ein Drittel gesagt, sie waren schon da, ein Drittel, sie wollen mal hin und das letzte Drittel 'Polen interessiert mich nicht'. Das heißt, das Potenzial ist noch groß, und ich glaube, das Interesse an Polen wird noch steigen, auch durch die Europameisterschaft.

Welche Bedeutung hat denn die EM im kommenden Jahr?

Wir erwarten, dass schon 2012 rund 500 000 Touristen mehr kommen werden als sonst. Und im Jahr danach gibt es vielleicht noch einmal einen positiven Effekt. Die EM lenkt sicher etwas Aufmerksamkeit auf Polen.

Wie viele Deutsche kommen jetzt schon?

Vergangenes Jahr hatte Polen rund 4,5 Millionen Besucher aus Deutschland, etwa so viel wie auch 2009. Die Deutschen sind damit die größte Gruppe ausländischer Touristen. Aus Deutschland kommen sogar mehr Gäste als aus allen anderen EU-Ländern zusammengenommen. Dazu kommen viele Tagestouristen, vor allem aus Ostdeutschland. Und damit meine ich nicht die, die nur kurz zum Tanken über die Grenze fahren.

Kommen die "Heimwehtouristen" noch?

Ja, es gibt noch Deutsche, die zum Beispiel dorthin fahren, wo sie geboren wurden. Aber sie sind jetzt meistens in einem Alter, in dem sie nicht mehr alleine reisen. Sie bringen ihre Kinder und oft auch ihre Enkel mit. Die lernen Polen bei einer solchen Reise kennen und kommen dann wieder oder fahren in eine andere Region. Der "Heinwehtourismus" hat deshalb einen sehr positiven Effekt.

Interessieren sich auch junge Deutsche für Polen?

Klar, wenn man jung ist und man steht vor der Entscheidung, nach Polen oder in die USA zu reisen, werden sich viele für die USA entscheiden. Aber es kommen auch immer mehr Jüngere für einen "City-Break" nach Warschau, Poznan oder Krakau. Die gehen dort zu Konzerten, in die Clubs oder shoppen. Für sie ist Warschau genauso interessant wie Berlin.

Schreckt die schwierige deutsch-polnische Geschichte noch manche ab?

Nein, das ist für die meisten Deutschen kein Hindernis, in Polen Urlaub zu machen. Es ist eine Geschichte, die man nicht vergessen darf und die man nicht vergisst.

Sind Polenwitze eigentlich schlecht für den Tourismus?

Nein, das glaube ich nicht. Dass es solche Witze gibt, hält niemanden davon ab, nach Polen zu fahren. Es gibt diese Stereotype, dass in Polen Autos geklaut werden oder die polnische Küche besonders fett ist. Und wer sich davon beeindrucken lässt und dann doch nach Polen fährt, ist nur umso angenehmer überrascht. Dann ist der positive Aha-Effekt noch größer. (dpa/tmn)

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