Überwintern im Süden Verlockung Langzeiturlaub - und die Fallstricke

Der Kälte und den hohen Energiekosten entfliehen: Das klingt verlockend und entsprechend werben Reiseveranstalter vermehrt mit Langzeiturlaubsangeboten. Doch wie attraktiv ist das wirklich?
09.11.2022, 15:37
Lesedauer: 4 Min
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Von dpa

Grauer Himmel, täglich wird es früher dunkel und kälter. Gleichzeitig sind die Heiz- und Stromkosten hoch. Alldem möchte man doch am liebsten entfliehen.

Und plötzlich flattert dann noch ein Angebot ins Haus: Reiseanbieter werben für Langzeiturlaub im Winter. „Überwintern unter Palmen“ oder „Schreibtisch mit Meerblick“ lauten die verlockenden Überschriften, die sich nicht nur an Rentner und Aussteiger auf Zeit, sondern gezielt auch an Menschen im Homeoffice richten.

Da spielt der ein oder andere schon mit dem Gedanken: Könnte man nicht einfach im warmen Süden überwintern? So verlockend das auf den ersten Blick erscheint: Da sind einige Dinge zu bedenken.

Veranstalter locken mit Rabatten

Da sind zunächst einmal die Kosten: Natürlich sind die vergleichsweise günstigen Preise in der Nebensaison reizvoll. Reiseanbieter werben für Langzeiturlaub in Ferienzielen, in denen es auch im Winter mild ist, und locken zugleich mit Rabatten und teils mit speziell aufs mobile Arbeiten ausgelegten Hotelzimmern.

Bequem sind diese Pauschalreisen ohne Frage. Aber selbst mit Rabatt haben die ausgedehnten Ferien immer noch ihren Preis: Je nach Angebot muss man für drei Wochen in einer Hotelanlage im Süden gut und gerne 600 bis 1500 Euro rechnen - pro Person, versteht sich.

Alternativ können Urlauber auf die Suche nach einem Apartment oder Ferienhaus gehen. Auch Privatvermieter geben bei längerer Mietdauer gern Rabatte. Ein Nachteil: Die Domizile sind oft auf Sommerurlauber ausgerichtet. Man sollte prüfen, ob sie eine Heizung haben, wenn das Wetter am Reiseziel auch mal ungemütlicher werden kann. Und: Zur Miete kommen noch die Kosten für Anreise und Verpflegung.

Tavernen zu, Temperaturen kühler als erwartet

Stichwort Wetter: Die meisten im Winter beliebten Ferienziele bieten ein mildes Klima, wenn es in Deutschland kalt, nass und grau ist. Doch die Temperaturen, die man vielleicht aus dem Sommerurlaub gewöhnt ist, kann man an vielen dieser Ziele nicht erwarten.

In der Nebensaison ist an beliebten Urlaubsorten zudem meist deutlich weniger Betrieb. Deswegen könnte vor Ort einiges an Gastronomie- und Freizeitangeboten geschlossen sein. Im Zweifel sollte man sich dazu direkt beim Veranstalter oder Vermieter vor der Buchung schlau machen. Oder man fragt beim regionalen Tourismusverband nach.

Weniger Energiekosten in Abwesenheit

Wer glaubt, er spare mit einem langen Urlaub im Süden alle Energiekosten zu Hause, sitzt möglicherweise einem Irrglauben auf. Zum einen wird bei Mietwohnungen meist ein Teil der Heizkosten per Wohnfläche und nicht nach Verbrauch abgerechnet. Zum anderen: Stellt man etwa die Heizung komplett ab, droht schlimmstenfalls Schimmel in der Wohnung, warnt das Umweltbundesamt (UBA).

Allerdings kann die Heizung bei längerer Abwesenheit von mehreren Wochen demnach deutlich gedrosselt werden: Eine Grundtemperatur von etwa 10 Grad, aber mindestens 5 Grad sollte dabei in den Räumen eingehalten werden, rät das UBA. Lüften (lassen) ist auch dann wichtig, besonders wenn man viele Pflanzen in den Wohnräumen hat. Sonst kann sich Schimmel bilden.

Der Gesamtverband der Versicherer warnt in unbeheizten Häusern indes vor Frostschäden an Wasserrohren. Selbst die Frostschutzeinstellung am Heizkörper (Frostwächter genannt) hilft dagegen nur bedingt.

Sparpotenzial mit Blick auf die Energiekosten hat man bei längerer Abwesenheit vor allem im Warmwasser- und Stromverbrauch.

Untervermieten? Das geht nicht ohne weiteres

Damit sich Einbrecher das Haus nicht als Ziel ausgucken, raten Fachleute etwa dazu, mit einer Zeitschaltuhr regelmäßig abends Licht einzuschalten, um das Haus bewohnt aussehen zu lassen. Eine Liste mit Tipps hat zum Beispiel die Einbruchschutz-Initiative „Nicht bei mir“ zusammengestellt. (www.nicht-bei-mir.de/tipps/richtig-verhalten)

Der beste Schutz ist, wenn die Wohnung tatsächlich bewohnt wird. Warum also nicht gleich untervermieten? Dafür braucht man jedoch die Zustimmung des Vermieters - unabhängig vom Zeitraum, über den man die Wohnung untervermietet, erläutert der Berliner Mieterverein.

Vor der Workation stehen einige Fragen

Bleibt noch die Frage nach der Workation-Option: Arbeit (englisch = work) mit Urlaub (englisch = vacation) verknüpfen, das klingt doch wahrlich verlockend. Doch vorher gilt es einige Fragen zu klären, erinnert die Arbeitnehmerkammer Bremen. Unter anderem: Erlaubt der Arbeitgeber das Arbeiten vom Ausland aus? Ist eine Arbeits- oder Aufenthaltsgenehmigung nötig, zum Beispiel außerhalb der EU? Bin ich sozialversichert und im Ausland steuerpflichtig (ab 183 Tagen)?

Eine ruhige und klimatisierte Umgebung und ein bequemer Arbeitsplatz sollten auf jeden Fall gegeben sein. An vielen Traumzielen im Ausland finden sich inzwischen Coworking-Spaces für Menschen auf Workation. Oder man hat eben ein entsprechend ausgestattetes Hotelzimmer.

Fazit: Ob man dort arbeitet oder nicht - wirklich Geld sparen lässt sich mit Langzeitaufenthalten im Ausland eher nicht. Wer das bei den Angeboten im Hinterkopf hat und realistisch plant, kann aber guten Gewissens eine Auszeit vom deutschen Winter ins Auge fassen.

Info

12 Prozent haben schon an Urlaubsort gearbeitet

Workation ist durch Corona keine komplette Nische mehr. Einer YouGov-Umfrage zufolge haben 12 Prozent der Deutschen schon einmal an einem Urlaubsort im Homeoffice gearbeitet. Bei den jüngeren Menschen war der Anteil höher: Bei den 25- bis 34-Jährigen gab gut jeder und jede Fünfte (21 Prozent) an, bereits Workation gemacht zu haben. Unter den Befragten ab 55 Jahren lag der Anteil bei 6 Prozent.

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