Syke – Damals und Heute Von Korn und Menschen

Wer heute im Erdgeschoss der Wassermühle Barrien steht und nach oben auf die dicken Eichenbalken blickt, erlebt Geschichte zum Anfassen. Denn die Mühle ist nicht nur eines der bekanntesten Gebäude in Syke, sondern auch eines der ältesten.
11.08.2017, 00:00
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Von Hendrik Jürgens

Wer heute im Erdgeschoss der Wassermühle Barrien steht und nach oben auf die dicken Eichenbalken blickt, erlebt Geschichte zum Anfassen. Denn die Mühle ist nicht nur eines der bekanntesten Gebäude in Syke, sondern auch eines der ältesten.

Die erste schriftliche Erwähnung der Mühle datiert auf das Jahr 1345: Die Gebrüder Harbart und Alart Klenck verkauften ihren Betrieb „im Kerkdorpe tho Beringen“ an den Grafen von Hoya. Bis zum Aussterben des Grafenhauses 1582 blieb die Mühle in dessen Besitz. Nachfolger waren die Herzöge von Braunschweig-­Lüneburg. Zu jener Zeit verfügte die Wassermühle über zwei Wasserräder und zwei Mahlsteine. Eine 1966 entdeckte Innenschrift zeigt, dass die Mühle 1723 grundlegend erneuert wurde.

Im Jahr 1850 erwarb der Süstedter Müller Wilhelm ­Niebuhr die Wassermühle und ließ sie mit einer effizienteren Antriebstechnik ausstatten. Die zwei Wasserräder ersetzte er durch ein großes Rad, das von nun an die beiden Mahlsteine antrieb. Die letzten Müller hießen Heinrich Hattesohl und Friedrich ­Urbrock. Sie waren bis 1971 aktiv.

Zwei Jahre später erwarben die Ehepaare Palm und Bartel die Mühle als Wohnhaus und renovierten sie. 1979 kaufte das Ehepaar Bartel zudem das angrenzende Fachwerkgebäude, das Müllerhaus. ­Christiane Palm eröffnete 1985 das Mühlen-Café. Zudem nutzt seit 1990 der Verein Kulturinitiative Rüttelschuh die Mühle für Veranstaltungen aller Art.

Heute ist die Wassermühle ein geschütztes Denkmal der technischen Kulturgeschichte sowie des früheren Gemeindelebens. So war die Mühle einst mehr als nur eine Arbeitsstätte. Sie war Jahrhunderte lang ein beliebter Treffpunkt für die Menschen aus der Umgebung. Sie brachten Korn und holten Mehl sowie Futter für die Tiere, badeten in einer Vertiefung hinter dem Wasserrad oder liefen im Winter Schlittschuh auf dem Mühlenteich.

Von dem historischen Mühlenbetrieb zeugen nach wie vor etliche Teile, wie die Mahlwerke, die Mühlsteine oder der sogenannte Rüttelschuh. Auch zahlreiche Gerätschaften, die zum Handwerkszeug eines Müllers gehörten, sind noch vorhanden. Kaum eine Wassermühle in Norddeutschland ist so vollständig erhalten. Besucher können daher die Getreideverarbeitung exakt nachvollziehen.

1999 erhielt die Mühle ein neues Wasserrad – nach altem Vorbild, aber aus wetterfestem Baustahl gefertigt. Dreht sich das Rad heute, entsteht Strom. Studenten der Hochschule ­Bremen entwickelten auf Basis der alten Mühlentechnik eine Anlage, die je nach Wassermenge bis zu zweieinhalb Kilowatt erzeugt.

Den ständigen Betrieb des Cafés stellte Palm 2015 ein. Doch wer in dem historischen Bauwerk bei Kaffee, Tee und Kuchen zusammensitzen möchte, kann dies nach wie vor tun. Seit dem vergangenen Jahr öffnet der Förderverein Historisches Wasserkraftwerk Wassermühle Barrien an jedem dritten Sonntag im Monat die Mühle für Besichtigungen – und zum Kaffeetrinken. Wer das rustikale und romantische Ambiente schätzt, kann sich in der Mühle sogar trauen lassen.

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