Milde Temperaturen stellen Einzelhandel und Tourismuswirtschaft vor Probleme Warten auf Winterwetter

Wo bleibt eigentlich der Winter? Während der Nordosten der USA vor Kälte geradezu erstarrt und Teile des öffentlichen Lebens infolge von Schnee und Frost lahmgelegt sind, sieht es in Deutschland zurzeit ganz anders aus. Viele wird es freuen, dass sie nicht frieren müssen. Einzelhandel und Tourismuswirtschaft bereitet das milde Wetter indes Sorgen.
05.01.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Lambek und Myriam Apke

Wo bleibt eigentlich der Winter? Während der Nordosten der USA vor Kälte geradezu erstarrt und Teile des öffentlichen Lebens infolge von Schnee und Frost lahmgelegt sind, sieht es in Deutschland zurzeit ganz anders aus. Viele wird es freuen, dass sie nicht frieren müssen. Einzelhandel und Tourismuswirtschaft bereitet das milde Wetter indes Sorgen.

Weiße Weihnachten? Ausgefallen. Eine frostige Silvesternacht? Auch die. Und sogar mit dem erfrischenden Januar-Spaziergang durch verschneite Winterlandschaften dürfte es in diesem Jahr nichts werden. Der Winter ist bislang ausgefallen, und laut Deutschem Wetterdienst ist ein Ende der milden Periode bislang nicht in Sicht. Entsprechend schlecht gelaunt ist der Einzelhandel, der mit Winterwaren Umsatz machen will: „Das Weihnachtsgeschäft 2013 litt sehr unter den milden Temperaturen, weil warmmachende Textilien ein wesentlicher Bestandteil davon sind, bisher aber kaum verkauft wurden“, sagt Wolfgang Brakhane, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordwest. Jacken und Mäntel und die gesamte Oberbekleidung für Damen seien viel weniger nachgefragt worden. „Damen kaufen häufig nach Lust, und wer hat schon Lust bei 12 Grad einen Wintermantel zu kaufen?“, fragt Brakhane.

Insgesamt leide derzeit der gesamte Einzelhandel: Die Händler blieben auf ihrer Ware sitzen, die Lager seien voll. Allerdings wird sich das wohl bald ändern, meint Brakhane: „Wir rechnen in diesem Jahr noch mit sehr hohen Verkaufszahlen, denn am 27. Januar beginnt der Winterschlussverkauf. Dann werden die Händler so viel Preisnachlass geben, dass es fast schon wehtut, und die Nachfrage wird stark ansteigen.“ Schließlich wolle niemand auf der Winterware einer Saison sitzen bleiben.

Im Baugewerbe indes freut man sich über die milden Temperaturen. Bedeuten sie doch, dass ohne Probleme weitergearbeitet werden kann. „Solange wir etwa fünf Grad Celsius haben, kann weiter Asphalt und Beton gegossen und gemauert werden, sodass es auf den Baustellen vorangeht“ sagt Thomas Fuchs von der Handwerkskammer Bremen. Zimmerer und Dachdecker, aber auch Maler, Elektriker und Installateure profitierten vom milden Wetter. „Wir hoffen, dass der Winter, wenn er denn kommt, sich nicht so lange hinzieht wie im vergangenen Jahr“, sagt Fuchs. 2013 hätten die lang anhaltenden Fröste bis in den April hinein das Baugewerbe stark beeinträchtigt. „Die Verluste konnten teilweise im Jahresverlauf nicht mehr ausgeglichen werden.“

Keinen Einfluss haben die derzeitigen Plusgrade auf die Bremer Tourismuswirtschaft: „Die Buchungen sind bisher normal, und wenn nicht gerade außergewöhnliches Wetter wie Eisregen herrscht, ist der Tourismus auch wenig wetterabhängig“, sagt Maike Lucas, Sprecherin der Touristikzentrale. Deutlich anders ist die Stimmung im wintersportabhängigen Harz: Dort herrschen zurzeit zwischen drei und elf Grad Celsius bei hoher Regenwahrscheinlichkeit – ungefähr das Gegenteil dessen, was Urlauber erwarten, wenn sie zur Winterfreizeit in den Harz aufbrechen. Der Winter will auch in den höheren Lagen nicht anspringen, von „Ski und Rodel gut“ ist man zurzeit in den einschlägigen Wintersportgebieten des Harzes Welten entfernt.

Eigentlich will die Tourismus-Werbung Ski- und Schlittenfahrer auf Pisten und Loipen locken. Momentan können sie indes nur damit werben, dass der Harz aus allen Richtungen gut erreichbar ist. Temperatur über null, Schneehöhe genau null – abgesehen von ein paar Zentimetern auf dem Brocken. Die Info-Seite zum Wintersport im Harz ist eindeutig: Mangels Schnee ist nicht eine der 51 Skipisten geöffnet, keine der 524 Kilometer Loipen ist gespurt, und auch von den 39 Rodelbahnen ist zurzeit auf dem Wurmberg nur eine einzige präpariert. Wintersportler, die sich in ihrer Verzweiflung aufs Wandern verlegen, werden allerdings bedient: Der allergrößte Teil der Winterwanderwege ist vorbereitet.

Eva-Christin Ramkainen, Sprecherin des Harzer Tourismusverbandes, will aber den Mut nicht verlieren: Die Wetterlage sei ähnlich der im vergangenen Jahr, erinnert sie. Dann habe man noch Schnee bis Ende April gehabt. Allerdings räumt sie ein: „Für die Liftbetreiber muss es jetzt bald losgehen mit dem Schnee.“ Berichte Seite 3

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