Warnstreiks an drei Flughäfen Warten statt starten in Hamburg

Die Warnstreiks des Sicherheitspersonals an drei Flughäfen in Deutschland haben die Passagiere gestern vor ein Dilemma gestellt: Umbuchen oder in die Warteschleife? Vor allem in Hamburg war viel Geduld gefragt.
09.02.2015, 21:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Markus Lorenz

Die Warnstreiks des Sicherheitspersonals an drei Flughäfen in Deutschland haben die Passagiere gestern vor ein Dilemma gestellt: Umbuchen oder in die Warteschleife? Vor allem in Hamburg war viel Geduld gefragt.

Streik-Routine haben Mitarbeiter und Kunden des Hamburgs Flughafens wahrlich genug. Doch was der 24-Stunden-Ausstand des Sicherheitspersonals gestern in Fuhlsbüttel auslöste, hat selbst die Profis mit dem ganz dicken Fell überrascht. „Das ist katastrophal. So voll habe ich die Terminals noch nie gesehen“, gestand die langjährige Airport-Sprecherin Stefanie Harder.

Das war gegen 9 Uhr, auf dem ersten Höhepunkt des Warnstreiks für höhere Löhne, zu dem die Gewerkschaft Ver.di die 400 Bediensteten der Personen- und Handgepäckkontrolle aufgerufen hatte. Ver.di-Verhandlungsleiter Peter Bremme war schon am Morgen hoch zufrieden: „Die Streikbeteiligung ist grandios. Auch die Bodenverkehrsdienste haben sich solidarisch gezeigt und mitgemacht.“ Während Bremme das sagte, herrschte in und vor den Terminals das nackte Chaos. Trotz der Ver.di-Ankündigung 24 Stunden vor Beginn der Aktion waren Tausende Reisende schon in der Nacht nach Fuhlsbüttel gekommen: solche, die von der Streikwarnung offenbar nichts mitbekommen hatten, aber auch solche, die hofften, durch rechtzeitiges Erscheinen ihre Maschine doch zu erwischen. Für die allermeisten Reisenden blieb das ein fataler Irrtum. Weil der Großteil der Mitarbeiter des zentralen Sicherheitsbereichs bereits um 0 Uhr die Arbeit niedergelegt hatte, ging selbst für Frühaufsteher kaum etwas.

Nur drei der 24 Kontrolllinien waren am Morgen geöffnet. Schnell bildeten sich quer durch beide Terminals lange Schlangen vor dem Checkpoint, aber auch vor den Info-Schaltern der Airlines. Schon um 5 Uhr twitterte der Flughafen: „Wartezeit: zwei Stunden.“ Wenig später waren es vier bis fünf. Wer es doch durch das Nadelöhr geschafft hatte, dessen Maschine war zumeist schon weg. Sprecherin Harder: „Die Fluggesellschaften können mit dem Abflug nicht lange warten.“ Den größten Teil der Starts hatten die Airlines angesichts der aussichtslosen Lage ohnehin aus dem Flugplan genommen. Am späten Nachmittag waren etwa 160 von 203 geplanten Abflügen gestrichen.

Gegen 7.30 Uhr erreichte das Chaos ein für Fuhlsbüttel beispielloses Ausmaß. Erstmals in seiner Geschichte musste Deutschlands viertgrößter Flughafen wegen Überfüllung geschlossen werden. Polizisten postierten sich vor den gläsernen Drehtüren und versperrten den Zutritt. Ein Polizeisprecher: „Aus Sicherheitsgründen war das unumgänglich.“ Für mehr als zwei Stunden durfte niemand hinein. Vor den Terminals stauten sich Passagiere mit ihrem Gepäck.

Drinnen war es warm und trocken, sonst aber kaum angenehmer. Endlosschlangen, dazwischen Kofferstapel. Airport-Mitarbeiter brachten den Gestrandeten Getränke und Stühle. Die Feuerwehr rückte mit einem Rettungscontainer an und versorgte Menschen, denen die Warterei gesundheitliche Probleme machte.

Die vage Hoffnung auf eine Entspannung der Lage zerschlug sich am Mittag. Nach dem Schichtwechsel an den Kontrollstellen waren statt mehr sogar noch weniger Mitarbeiter im Einsatz. Den Nachmittag über mussten sich die Passagiere durch eine einzige Kontrolllinie quälen. Die Folge: Gegen 16 Uhr wand sich bandwurmgleich eine Warteschlange von einem halben Kilometer durch die Abflughallen.

In Stuttgart wurden wegen des Arbeitskampfes 32 Starts und Landungen gestrichen. Ursprünglich standen für gestern 241 Verbindungen im Plan. Nach Angaben einer Sprecherin waren bis zu 12 000 Passagiere von den Einschränkungen betroffen. Bei der Kontrolle mussten Reisende tagsüber Wartezeiten von gut zwei Stunden hinnehmen, einzelne Flüge starteten erst mit etwa einer Stunde Verspätung. Nur an einem der insgesamt vier Terminals waren die Kontrollstellen geöffnet. Lediglich in Hannover hatte der Streik nach Angaben eines Flughafensprechers so gut wie keine Auswirkungen.

Der Warnstreik endete um Mitternacht. Für Dienstag erwarten die Flughäfen eine Rückkehr zur Normalität, raten aber: „Bitte früher kommen, weil mit erhöhtem Passagieraufkommen zu rechnen ist.“ Die Tarifverhandlungen für die Sicherheitsmitarbeiter werden morgen fortgesetzt.

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