Bremen Wo die Straßenbahnen schlafen

Sechs große Monitore hat Peter Brandt in der Leitstelle der BSAG vor sich. Es ist 23 Uhr – Nachtschicht.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Von Jonas Völpel (Fotos) und Katharina Frohne (Text)

Sechs große Monitore hat Peter Brandt in der Leitstelle der BSAG vor sich. Es ist 23 Uhr – Nachtschicht. Auf einem der Bildschirme blinkt es grün: Der Fahrer einer Straßenbahn möchte mit ihm sprechen. Brandt funkt ihn an. Ein Ticket-Entwerter ist verstopft, gibt der Fahrer durch. Wenige Momente später meldet sich eine andere Fahrerin: Sie ist mit zwei Minuten Verspätung unterwegs, glaubt aber, die nächste Haltestelle trotzdem pünktlich zu erreichen. Immer wieder blinkt es grün und Brandt nimmt Anrufe entgegen, gibt Auskunft, sagt, was zu tun ist. „Alles, was die Busse und Straßenbahnen betrifft, kommt bei uns an“, sagt Brandt. Nicht nur mit den Fahrern steht er in Kontakt. Auch Polizei, Feuerwehr und Behörden sagen ihm, wenn der normale Verkehr gefährdet ist. Unfälle, Baustellen, Sperrungen – all das muss Brandt so schnell wie möglich wissen, um die Fahrgäste informieren zu können. Auch nachts. 24 Stunden am Tag ist die Zentrale am Flughafendamm besetzt.

Gegen Mitternacht sammeln sich vor dem Gebäude immer mehr Busse und Bahnen. Für die Fahrer endet die letzte Tour des Tages im Depot. Dort übernimmt Stefan Hennings. Er setzt sich ans Steuer einer Bahn und fährt sie in die Betriebswerkstatt. Jeder Bus und jede Bahn wird hier einmal täglich überprüft. Auch von oben und unten begutachtet Hennings die Straßenbahn; er sieht sofort, wenn etwas nicht stimmt. „Da entwickelt man einen siebten Sinn“, sagt er. Kleinere Reparaturen übernehmen er und seine Kollegen direkt selbst, größere die Servicewerkstatt nebenan. Während Hennings die Bahn durchcheckt, putzt Gabie Blanke sie von innen. Sie säubert die Fahrerkabine, fegt den Schmutz aus den geöffneten Türen und wischt feucht durch. 29 Bahnen wird sie heute Nacht reinigen. Nachdem die Bahn kontrolliert ist, fährt Hennings sie zurück auf den Hof. Dort steht sie dann für die Fahrer der Frühschicht bereit.

Wenn sie kommen, haben Peter Brandt und sein Kollege Dieter Groß Schichtende. Doch bis dahin sind es noch ein paar Stunden. In der Nacht gehe es vor allem darum, den Betriebsablauf zu überwachen, sagt Brandt. Die Busse und Bahnen fahren jetzt seltener, zwischen zwei und drei Uhr nachts stehen sie werktags ganz still. Zu tun ist trotzdem genug: Auf einer Ablage hinter Brandt stapeln sich die Mitteilungen, die die Leitstelle tagsüber per E-Mail erreicht haben. Sind für den nächsten Tag Störungen im Nahverkehr zu erwarten, müssen Umleitungen eingerichtet und Fahrplanänderungen bekannt gegeben werden. Auf einem zweiten Monitor kann Brandt dafür direkt auf die Anzeigetafeln und Lautsprecher an den Haltestellen zugreifen. Jetzt wird ein dritter Bildschirm aktiv. Er zeigt an, wenn eine Straßenbahn einen eingleisigen Streckenabschnitt passiert. Dass es dabei nicht zu Kollisionen kommen kann, ist automatisch geregelt. Trotzdem hat Brandt sicherheitshalber auch darauf ein Auge. „Wie Fluglotsen, aber für den Boden“, sagt er. Und auf dem Monitor blinkt es schon wieder grün.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+