Advent in Göteborg: Tradition und Moderne in den einzelnen Stadtteilen der Hauptstadt Wo sich die Wichtel stärken

In der Adventszeit ist Göteborg zwei- geteilt: Die Amüsiermeilen erinnern an Las Vegas – mit Achterbahn, Lichtinsze-nierung und einer Schlacht am Büfett. Aber es gibt auch ruhige Ecken mit viel Tradition, Rentieren und natürlich Santa.
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Von Andrea Mayer

In der Adventszeit ist Göteborg zwei-

geteilt: Die Amüsiermeilen erinnern an Las Vegas – mit Achterbahn, Lichtinsze-nierung und einer Schlacht am Büfett. Aber es gibt auch ruhige Ecken mit viel Tradition, Rentieren und natürlich Santa.

In Göteborg rasten in diesen Wochen die Wichtel des Weihnachts-

mannes. Kleine Wesen kochen ihm zur

Stärkung den Reisbrei Julgröt und setzen sich an den warmen Ofen, wo sie ein wenig von der harten Arbeit verschnaufen. Dort, das ist in einem der vielen kleinen Betriebshäuser des Herrenhauses Gunnebo im

Umland der zweitgrößten schwedischen Stadt. Fragt ein Mensch nach der Speise, bekommt er aber auch eine Portion von der herzlichen Frau mit den roten Backen und der Zipfelmütze auf dem Kopf aufgetischt.

Auf dem Anwesen Gunnebo findet einer der beliebtesten Weihnachtsmärkte Göteborgs statt: In den kleinen roten Häusern der romantischen Gartenanlage werden im Advent Basteleien, traditionelle schwedische Dekorationen und Leckereien verkauft. Menschenmengen drängen sich

zwischen den Verkaufsständen. Der Besuch auf Gunnebo ist überaus besinnlich – aber nicht unbedingt repräsentativ für die Adventszeit in Göteborg, das quasi das Las

Vegas unter den Weihnachtsstädten ist.

Fast ein Dutzend Märkte zieren seit Mitte November die Stadt. Es gibt sie in allen Stilen und für alle Zielgruppen, aber vor allem für die Amüsiersüchtigen. Sie zieht es, wie auch Familien mit Kindern, nach Liseberg, zu dem großen Freizeitpark mitten in Göteborg. Dort findet sich dem Tourismusbüro zufolge der größte Weihnachtsmarkt Skandinaviens (bis 23. Dezember, nicht durchgehend geöffnet).

Es ist ein Lichterspektakel: Die Umrisse fast aller Bäume sind mit Lämpchen nachgezogen, knapp fünf Millionen Lichter blinken an Ästen und Gebäuden. Menschentrauben drängen sich an den Abenden und Wochenenden durch die Gassen mit ihren rund 70 Imbissbuden und Hütten mit Kunsthandwerk aus allen Teilen Schwedens. Es duftet nach Marzipan, Ingwerplätzchen und Glögg, dem traditionellen Glühwein.

Rentiere ziehen Schlitten durch die Gassen. Im Hintergrund fahren die Gondeln über die große Achterbahn. Vereinzelt hört man zwischen den Weihnachtsmelodien vergnügtes Kreischen aus den Karussells. Und natürlich schaut Santa Claus höchstpersönlich vorbei.

Am schönsten sind aber die ruhigeren Ecken der Amüsiermeile: Dort bereiten die Sami, die Ureinwohner Lapplands, marinierten Hering zu, braten Rentier und

bieten getrocknetes Fleisch aller Art an. Wem es draußen in der skandinavischen Winternacht zu kalt ist, der findet auch einen warmen Platz in einem der mit Fell bedeckten Zelte.

Das Highlight 2015 soll ein neuer – traditioneller – Bereich werden, inspiriert von den 30er- und 40er-Jahren. Die Weihnachtsmärkte in Schweden sind ein relativ neues Phänomen: Erst in den vergangenen Jahren entstanden sie, dafür aber in großer Zahl, Tendenz steigend, berichtet Eva Lehmann vom Tourismusbüro Göteborg.

Mitten im Weihnachts-Vegas von Göteborg steht das Restaurant „Hamn-

krogen“. Dort gibt es wie in fast allen Restaurants der Stadt zur Adventszeit spezielle Büfett-Angebote, die Julbord heißen. „Eigentlich jeder geht in der Adventszeit ins Restaurant“, erzählt Fremdenführerin Anne-Marie Deresiewicz. Ohne Reservierungen hat man kaum eine Chance auf einen Tisch. „Firmenfeiern, Familientreffen oder einfach nur ein Abend mit Freunden heißt im Dezember: Wir gehen zum

Julbord.“ Und das bedeutet vor allem eine kulinarische Reise durch mehrere Gänge, vor allem mit Fisch in unterschiedlichsten Variationen.

Der erste Gang besteht vor allem aus

Sill: Hering in unzähligen Macharten. Ein-

gelegt in Curry, Senf, Sahne, Zwiebeln und vielem mehr. Danach folgen noch weitere kalte Gänge mit anderen Fischen und

Meeresfrüchten. Anschließend wird der Teller mit Sülze, Pastete und Aufschnitt von Rentier und Elch gefüllt. Auch

dabei gehören unzählige Töpfe mit Soßen

dazu. Doch das waren nur die Vorspeisen. Zu den warmen Hauptgerichten gehören natürlich die Fleischbällchen Köttbullar, aber auch Braten, Schweinerippchen und noch mehr Fischgerichte und Beilagen. Für das Dessert ist dann nur noch wenig Platz.

Göteborg ist dank seiner Lage an der Nordsee für hervorragende Fischspeisen bekannt. Lachs, Hering, Makrele, Kabeljau, Steinbutt, Seehecht und Weißfisch stehen auf den Speiseplänen und liegen in den diversen Fischhallen der Stadt. Sandwiches mit einem wahren Berg von Krabben sind als Snack beliebt.

Zur Weihnachtszeit ist Göteborg außerdem ein beliebtes Shopping-Ziel. Der

2013 erstmals veranstaltete Weihnachts-Designmarkt à la London setzt hier an: Von der britischen Shoppingmetropole inspiriert, finden Mode- und Stilbewusste ungewöhnliche Geschenke, Kleidung und Accessoires von mehr als 50 Designern aus Göteborg. Ähnliche Veranstaltungen und Kunstmärkte mit modernem Touch finden sich an Wochenenden überall in der Stadt.

Ganz anders ist es in Haga. Der Stadtteil mit Häusern vornehmlich aus dem frühen 19. Jahrhundert ist bekannt für seine kleinen Cafés, winzigen Secondhand-Boutiquen, Dekoläden und Antiquitätenshops – perfekt für Liebhaber der typisch deutschen Weihnachtsmärkte in kleinen Altstädten. Dort gibt es einen Weihnachtsmarkt vor allem mit Selbstgemachtem und Kunsthandwerk, Ingwerschnaps und

Safranbrötchen – bis zum 21. Dezember,

jedoch nur am Wochenende.

Aber Göteborg wäre eben nicht Göteborg zur Weihnachtszeit, wenn es nicht noch mit einer großen Lichterschau aufwarten würde: Die Stadt schmückt sich dann auf einer drei Kilometer langen Strecke vom Hafen bis zum Vergnügungspark Liseberg und entlang der Prachtstraße Avenyn mit Lichtern nach einem Konzept von Stadtarchitekten und Lichtdesignern (bis 11. Januar). Besonders in dieser Zeit hat der Besucher das Gefühl, in einer europäischen

Variante von Las Vegas zu sein.

Info: Die Fluggesellschaft Ryanair fliegt ab Bremen dreimal wöchentlich nach Göteborg.

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