Ohne Reisen gibt es weniger zu schreiben

Was Reiseblogger in der Corona-Krise tun

Wen man nicht durch ferne Länder düsen kann, gibt es auch weniger zu berichten. Aber was machen Reiseblogger dann? Über veganes Essen schreiben, endlich das nähere Umland entdecken und mit weniger Stress leben.
30.01.2021, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Jutta Lemcke, Peggy Günther sowie Susanne Müller

Ihr schreibt über Reisen, die ja in Zeiten von Corona deutlich eingeschränkt sind. Warst ihr in den vergangenen Monaten überhaupt auf Recherchereise?

Elke Weiler: Mein Blog spiegelt zum Glück auch Lifestylethemen wider, wie Leben an der Küste oder Leben auf dem Land. Was das Reisen angeht, konnte ich in Schleswig-Holstein und Dänemark tätig sein, zumindest im Sommer waren nahe Recherchereisen möglich. Weniger zu reisen hat auf der einen Seite den Stress aus meinem Leben genommen, mich auf der anderen aber auch teilarbeitslos gemacht. Aufträge wurden zurückgezogen, Reisen gecancelt, ein Buch verschoben.

Percy Schoeler: Das Thema Reisen war im Corona-Jahr in der Tat ein Problem. Für mich speziell, da ich mich in den vergangenen Jahren stark dem Thema Kreuzfahrt gewidmet habe, und die mit Beginn der Pandemie ja komplett zum Erliegen kam und bis heute – mit wenigen Ausnahmen – noch immer dahin darbt. Was also tun, wenn man nicht zur See fahren kann? Ich bin in der näheren Umgebung geblieben und habe das getan, was ich früher schon gemacht hat: Hotels testen. Kurz nachdem man wieder nach Österreich reisen konnte, habe ich daher drei äußerst spannende Hotels in Tirol und im Salzburger Land besucht, zu denen ich dann auch entsprechende Reiseberichte veröffentlicht habe. Natürlich hat das dann auch wieder Lust auf mehr gemacht.

Anja Beckmann: Im März ging es bei mir erst einmal um Reisewarnungen und Stornierungen zu meinen Trips nach Tel Aviv, Griechenland und Hamburg. Darüber habe ich geschrieben. Mein Erfahrungsbericht wurde bislang mehr als 10.000 mal gelesen. Neben dem Reisen war leckeres Essen schon immer ein Herzensthema. In vielen Artikeln habe ich außerdem Cafés, Restaurants und Kochkurse vorgestellt. Seit 2018 bin ich Vegetarierin, seit Dezember 2019 lebe ich vegan. Das war dann mein Thema.

Wenn man in diesen Zeiten über Reisen schreibt, sollte man dann das Thema Corona in den Fokus stellen oder im Gegenteil Corona nicht oder nur am Rande erwähnen?

Antonia Kasparek: Ich finde, man kann jetzt schwer über Reisen schreiben und das Thema komplett außen vor lassen. Es muss aber nicht im Fokus stehen. Ich denke eher serviceorientiert, und möchte dem Leser neben einer schönen Geschichte auch Tipps geben, beispielsweise für die Anreise. Es hängt aber auch vom Thema ab. Meiner Meinung nach, kann man nicht über eine Flusskreuzfahrt schreiben und dabei nicht erwähnen, was sich an Bord in Bezug auf die Corona-Maßnahmen verändert hat. Damit nimmt man den Leuten ja auch die Bedenken, eine solche Reise zu unternehmen, indem man erklärt, was alles an Bord für die Sicherheit der Gäste getan wird.

Percy Schoeler: Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Auf der einen Seite sollen solche Berichte ja zeitlos sein, denn wer sich für ein Hotel oder eine Region interessiert, der kommt über Google & Co. im Zweifel auch dann noch auf den Link, wenn diese Pandemie – hoffentlich – schon lange nicht mehr aktuell ist. Auf der anderen Seite: Vieles am Reisen ist derzeit definitiv anders als sonst, vieles stellt sich anders dar, wird anders gehandhabt. Und ich glaube, Menschen suchen gerade in Zeiten wie diesen auch nach Informationen, wie sicher das Reisen ist und wie gut sie vor Ort aufgehoben sind. Von daher habe ich meine Artikel bewusst unter das Motto „Endlich wieder Reisen“ gestellt und behandle das Thema Corona – zwar nicht als wichtigsten – aber als durchaus wichtigen Punkt.

Habt ihr angesichts der Corona-Lage euer Website-Konzept überdacht oder wartest du auf bessere Zeiten?

Elke Weiler: Ich blogge nun seit zehn Jahren und überdenke genauso lange mein Konzept. Zum Reise- und Lifestyleblog kam ich, seitdem wir auf dem Land leben. Anfangs habe ich nur sporadisch gebloggt, wenn lustige Dinge passierten, die mir als Stadtkind erwähnenswert erschienen. Mit sämtlichen Veränderungen im Leben wächst ja auch die eigene Kreativität. Bei einem so persönlichen Medium wie dem Blog macht sich das unmittelbar bemerkbar. Jemand sagte über den Meerblog: In Coronazeiten thematisiere ich auch Hühner. Aber das tue ich, seitdem wir welche haben. Sie bereichern das nordfriesische Landleben ungemein. Unser Hund befüllt übrigens eine eigene Kolumne auf Meerblog – und das von Anfang an.

Anja Beckmann: Corona hat persönliche Entwicklungen beschleunigt, die sich bei mir schon länger abgezeichnet haben. Ich versuche, positiv und flexibel zu bleiben. Ich verdiene mein Geld nur über meinen Blog, den ich 2012 gegründet habe. Glücklicherweise kamen im Sommer einige Aufträge rein, von denen ich in den kommenden Monaten zehre. Einladungen ins europäische Ausland und zu einem Fernreiseziel habe ich abgelehnt. Für mich ist gerade nicht die richtige Zeit dafür. Weitere Artikel zu Reisen der vergangenen Monate schreibe ich noch. Auch werden wir sicher mit Hund zusätzliche Ausflüge hier in Nordrhein-Westfalen machen. Ansonsten möchte ich noch mehr vegane Rezepte veröffentlichen.

Was wäre jetzt – bezogen auf deine Website und die Corona-Situation – dein liebster Wunsch?

Antonia Kasparek: Leider können wir das Rad der Zeit nicht zurückdrehen, eines Morgens aufwachen und es ist wieder so, wie vor der Pandemie. Wir müssen also damit leben lernen. In puncto Hygieneregeln hat Corona ja auch eine positive Entwicklung angestoßen. Auf jeden Fall wünsche ich mir, sobald wie möglich wieder zu reisen – und zwar außerhalb von Europa. Und ich wünsche mir zudem, dass auch viele andere Leute wieder Vertrauen ins Reisen fassen und unter den gegebenen Sicherheitsvorkehrungen wieder mehr gereist wird. Tourismus bringt die Welt zusammen – und das ist so wichtig – gerade in diesen Zeiten!

Elke Weiler: Auswandern (in den Norden?), weitere Tiere adoptieren, eine Bed-and- Breakfast-Unterkunft eröffnen und nur noch über das pralle Landleben schreiben? Vielleicht habe ich vor Corona so gedacht. Genau jetzt merke ich allerdings, dass mir das Reisen sehr abgeht. Ganz aufgeben würde ich das Reisebloggen also vermutlich nie. Zurzeit lese ich mir manchmal alte Artikel durch und schwelge in Erinnerungen. Schön ist natürlich, in 2020 ganz ohne Flugscham ausgekommen zu sein. Ich wünschte mir, dass die Welt nach Corona klimabewusster agiert. Nachhaltigkeit auf Reisen ist an mein Hauptthema Slow Travel gekoppelt, und ich werde in dieser Richtung weiterarbeiten, wenn sämtliche Reisebeschränkungen wieder aufgehoben werden.

Anja Beckmann: Ich hoffe auf die Impfung, sodass Reisen wieder besser möglich und planbar wird. Denn ich liebe es, unterwegs zu sein und Neues zu entdecken. Was ich wohl auch nach Corona beibehalten werde: Vor allem in Deutschland und Europa unterwegs zu sein.

Percy Schoeler: Mein liebster Wunsch? Dass wir alle bald wieder ohne große Einschränkungen reisen dürfen. Das wünsche ich mir für uns, vor allem aber für die vielen vom Tourismus abhängigen Existenzen, die mir bei Aussagen wie „Bleiben Sie bitte zu Hause“ oder „Man kann ja auch mal ein Jahr aufs Reisen verzichten“ viel zu oft komplett ausgeblendet scheinen.

Die Gespräche führten Jutta Lemcke, Peggy Günther sowie Susanne Müller von blog-to-go.

Info

Zur Person

Anja Beckmann, Antonia Kasparek, Percy Schoeler und Elke Weiler

sind Reiseblogger. Beckmann betreibt den Blog „Travel on Toast“, als „Trolleygirl“ nimmt Kasparek ihre Leser mit auf Reisen, mit
„Luxify“ widmet sich Percy Schoeler den schönen Dingen des Lebens und bei Weiler ist der Titel des preisgekrönten „Meerblog“ auch das Motto ihres Blogs.

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