Reisekolumne

Schilda, äh Bremen, lässt grüßen

Wenn einer eine Reise tut, dann braucht er einen Reisepass. Wer den in Bremen beantragen muss, braucht sehr viel Geduld und gute Nerven.
24.04.2021, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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Von Marie-Chantal Tajdel
Schilda, äh Bremen, lässt grüßen
Marie-Chantal Tajdel

Wenn ich früher einen neuen Reisepass beantragen wollte, dann bin ich zum Amt gegangen, habe eine Nummer gezogen und gewartet – meist gar nicht so lang. In der Amtsstube habe ich den Pass beantragt und nach zwei Wochen konnte ich ihn dort abholen.

Und dann bin ich nach Bremen gezogen.

Für Menschen, die nicht gebürtig aus Bremen kommen, fühlt sich das manchmal an wie ein Leben in Schilda mit bürokratischen Hürden und langen Wartezeiten, die eher an einen Witz als an die Realität erinnern.

Nun wollte ich also einen Pass beantragen. Naiv, wie ich aus meinem vorherigen Leben in anderen Bundesländern war, dachte ich, anderthalb Monate reichen locker. Tun sie in Bremen aber natürlich nicht.

Bis zur Beantragung des Reisepasses musste ich drei Wochen warten. Gedruckt wurde das Dokument immerhin innerhalb von zwei Wochen. Dann bekam ich eine Nachricht, dass ich einen Termin ausmachen solle, um mein Dokument abzuholen. Das wollte ich telefonisch erledigen. Die Dame am anderen Ende sagte das Datum. Ich: „Das ist in mehr als fünf Wochen“. Antwort: „Ja!“ Ich wiederholte die beiden Worte noch einmal und fragte sie, ob sie sich nicht vertan habe. „Nein“, sagt sie, „das dauert so lange.“

Und dann mein Fehler: Ich konnte mir ein „typisch Bremen“ nicht verkneifen. Ich fragte also noch zweimal nach dem Termin der Abholung, einfach nur, um sicher zu sein, und notierte ihn schließlich.

Ich bat dann darum, mir die Passnummer zu geben, weil ich einen Flug buchen wolle. Die Antwort, dass diese Nummer aber „nicht so gern herausgegeben werde“, hat mich sprachlos gemacht. Ok, der Pass liegt vor, die Abholung dauert fünf Wochen, aber die Nummer wird „nicht so gerne herausgegeben“. Das ist schon ein starkes Stück.

Aber, um es noch auf die Spitze zu treiben: Als ich endlich am angegebenen Termin – den ich mir ja dreimal habe bestätigen lassen – im Amt war, gab es meinen Termin nicht. Danke, liebes Bremer Amt, für nichts! Ein Glück nur, dass man im Moment eh nicht großartig verreisen und deshalb auch monatelange auf seinen Reisepass warten kann.

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