Knochen liefern Aufschluss über Ernährung ausgestorbener Tiere

Riesenvogel war Vegetarier

Bonn (wk). Der ausgestorbene Riesenvogel Gastornis war so groß wie ein Mensch und besaß einen mächtigen Schnabel. Ein Furcht einflößender Fleischfresser war er aber vermutlich nicht, wie Forscher um Thomas Tütken von der Universität Bonn jetzt erklären.
30.08.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von WESER-KURIER

Bonn. Der ausgestorbene Riesenvogel Gastornis war so groß wie ein Mensch und besaß einen mächtigen Schnabel. Ein Furcht einflößender Fleischfresser war er aber vermutlich nicht, wie Forscher um Thomas Tütken von der Universität Bonn jetzt erklären. Nach ihrer Ansicht handelte es sich bei den flugunfähigen Riesenvögeln um Vegetarier. Die Tiere lebten vor etwa 56 bis 40 Millionen Jahren in Europa und Nordamerika. Zu ihren Erkenntnissen gelangten die Wissenschaftler bei der Untersuchung fossiler Vogelknochen aus den Braunkohleschichten des ehemaligen Tagebaus im Geiseltal in Sachsen-Anhalt.

Der Riesenvogel Gastornis konnte eine Größe von bis zu zwei Metern erreichen. Wegen seines mächtigen Schnabels und seiner Größe hatten viele Wissenschaftler ihn für einen Fleischfresser gehalten. „Man nimmt an, dass Gastornis seinen riesigen Schnabel genutzt hat, um seine Beutetiere zu ergreifen und deren Knochen zu brechen. Diese Annahme beruht auf biomechanischen Berechnungen seiner Beißkräfte“, erklärt Tütken.

Der Vogel hat nach Darstellung des Bonner Wissenschaftlers zu einer Zeit gelebt, als die Dinosaurier längst ausgestorben waren; sie verschwanden vor etwa 65 Millionen Jahren. Die Säugetiere seien noch vergleichsweise klein gewesen. Sie hätten sich damals noch in einem frühen Stadium ihrer Evolution befunden. „Daher wurde angenommen, dass Gastornis zu jener Zeit der Topräuber unter den Landtieren war“, erläutert Tütken. Andererseits seien aber auch Zweifel laut geworden, dass Gastornis sich angesichts seiner Körpergröße und seiner kurzen Beinknochen schnell habe fortbewegen können. Mit anderen Worten: Für ihn wäre es schwierig gewesen, Jagd auf Säugetiere zu machen.

Um zu ermitteln, ob die Vögel überwiegend tierische oder pflanzliche Nahrung nutzten, untersuchten die Forscher um Tütken unterschiedliche Varianten des Elements Kalzium, sogenannte Isotope, in den fossilen Knochen. Leichte Kalziumisotope reicherten sich in Knochen und Zähnen an, erklärt Tütken. Bei Gastornis lägen die Werte ähnlich wie bei pflanzenfressenden Säugetieren und Dinosauriern – und nicht wie bei Fleischfressern.

In einem nächsten Schritt sollen Knochen von Urpferdchen und Raubtieren analysiert werden, die gemeinsam mit Gastornis im Geiseltal vorkamen. „Dies wird uns die notwendigen Vergleichsdaten liefern, um endgültig klären zu können, was diese riesigen Vögel gefressen haben“, erläutert Tütken.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+