Forschungszentrum DFKI eröffnet Testbecken im Technologiepark / Fassungsvermögen von 3,4 Millionen Litern Roboter auf Tauchgang

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz hat gestern die europaweit einzigartige Testanlage für Unterwasserroboter eröffnet. In dem 3,4 Millionen Liter fassenden Salzwasserbecken sollen neue Robotik-Technologien erprobt und bis zur Marktreife entwickelt werden. Tauchroboter sind unter anderem für den Wartungseinsatz von Offshore-Windanlagen vorgesehen. Von den Forschungsergebnissen soll auch die Weltraum-Robotik profitieren.
29.04.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Roboter auf Tauchgang
Von Peter Hanuschke

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz hat gestern die europaweit einzigartige Testanlage für Unterwasserroboter eröffnet. In dem 3,4 Millionen Liter fassenden Salzwasserbecken sollen neue Robotik-Technologien erprobt und bis zur Marktreife entwickelt werden. Tauchroboter sind unter anderem für den Wartungseinsatz von Offshore-Windanlagen vorgesehen. Von den Forschungsergebnissen soll auch die Weltraum-Robotik profitieren.

Nicht nur der Bau von Offshore-Windanlagen ist derzeit noch extrem teuer, sondern auch deren Wartung ist sehr kosten- und zeitintensiv sowie gefährlich. Deshalb sollen diese Arbeiten statt von Tauchern künftig von Robotern übernommen werden. Wie diese technisch anspruchsvollen Wartungsarbeiten oder das Aufspüren von Schäden an Pipelines, das Entdecken von Bodenschätzen in der Tiefsee funktionieren sollen, das können die Mitarbeiter am Bremer Standort des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) seit gestern unter realitätsnahen Bedingungen in der neuen Maritimen Explorationshalle testen.

Ein paar Palmen und ein paar Fenster und schon hätte Bremen ein neues Hallenbad in unmittelbarer Nähe des sanierungsbedürftigen Unibads. Das Volumen ist in etwa das Gleiche – allerdings geht es im 23 Meter langen und 19 Meter breiten Becken in der gestern im Technologiepark eröffneten Explorationshalle mit acht Metern vor allem in die Tiefe. Und auch die Anlagen im Tauchbecken bereiten kein Badevergnügen: Unten am Boden ist eine Pipeline installiert, an der Wand sind Pumpensysteme einer Offshore-Gas-Förderanlage und das Fundament einer Offshore-Windanlage angebracht; mittendrin bewegen sich schon die ersten Tauchroboter.

Es geht beim DFKI – der Hauptstandort ist in Saarbrücken – nicht darum, technisch hoch komplizierte Geräte nur des Forschens wegen zu entwickeln. Beim DFKI geht es vor allem darum, neue Technologien bis zur Marktreife zu bringen. Was die Arbeits-Tauchroboter angeht, soll das in fünf Jahren der Fall sein. Im nächsten Jahr sollen erste Tauchroboter sogar schon vor Brasilien bei Offshore-Anlagen zum Einsatz kommen. Das DFKI steht bei der Robotik-Entwicklung nicht erst am Anfang. Außerdem verfügt das Forschungszentrum – zu den Gesellschaftern gehören unter anderem Firmen wie BMW, Airbus oder Microsoft – bereits seit 2010 im Technologiepark über eine Weltraum-Explorationshalle. Dort werden Roboter für Einsätze im All entwickelt und getestet. Die Anwendungsfelder in der Tiefsee und im Weltraum haben eines gemeinsam: Sowohl unter Wasser als auch im Weltraum herrschen extreme Bedingungen, die spezielle Herausforderungen an autonom handelnde Roboter stellen, darunter Schwerelosigkeit, eingeschränkte Kommunikations- und Sichtmöglichkeiten. Ziel der Bremer Wissenschaftler ist es, Erkenntnisse aus der Weltraumtechnik, die sie bereits seit 2006 intensiv erforschen, in maritime Technologien zu übertragen. „Das neue Salzwasserbecken ergänzt unsere vorhandenen Labore zu einer einmaligen Forschungsinfrastruktur“, sagt Frank Kirchner, Leiter des DFKI-Robotics-Innovation- Centers.

Rund 3,65 Millionen Euro wurden aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und aus Mitteln des Landes Bremen für den Neubau zur Verfügung gestellt. Das DFKI kofinanzierte vier Millionen Euro.„Bei der Meeresforschung ist Bremen im Ländervergleich Spitze“, sagte gestern Uwe Beckmeyer, Maritimer Koordinator der Bundesregierung. Ein wichtiger Standortvorteil sei die praxisnahe Wissenschaft und die Verzahnung zwischen den verschiedenen Instituten, Universitäten sowie der Wirtschaft. „Die Maritime Explorationshalle des DFKI Bremen wird dazu einen wichtigen Beitrag leisten.“ Die Bremer Wissenschaftssenatorin Professor Eva Quante-Brandt wertete den Ausbau des DFKI als gute Investition in Bremens Forschungslandschaft: „Mit dieser europaweit einzigartigen Testanlage ist das DFKI Vorreiter in der Forschung zu maritimen Technologien. Wir investieren in eine Forschungsinfrastruktur, die den Technologiestandort Deutschland für die Zukunft stärkt.“

Forscher Kirchner ist überzeugt, dass die Industrienationen, die nicht in Robotik also in die Entwicklung künstlicher Intelligenz investieren, es in diesem Jahrhundert schwer haben werden, sowohl im wissenschaftlichen als auch in wirtschaftlichen Bereichen weiterhin eine führende Rolle einzunehmen. Und noch ein Grund für die Weiterentwicklung von Tiefsee-Robotik: „Wir wissen heute mehr über die Oberfläche des Mars als über die Oberfläche unserer Meere, die 75 Prozent unserer Erde bedecken“, so Wolfgang Wahlster, Vorsitzender der DFKI-Gesamtgeschäftsführung.

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