Wissenschaftler sehen Risiken für die Nahrungsversorgung

Schädlinge wandern polwärts

London (wk). Pflanzenkrankheiten und Schädlinge haben sich seit 1960 im Schnitt fast drei Kilometer jährlich zu den Polen hin ausgebreitet. Wissenschaftler um Daniel Bebber von der englischen Universität Exeter führen dies im Fachmagazin „Nature Climate Change“ auch auf den Klimawandel zurück.
09.09.2013, 00:00
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Von WESER-KURIER

Pflanzenkrankheiten und Schädlinge haben sich seit 1960 im Schnitt fast drei Kilometer jährlich zu den Polen hin ausgebreitet. Wissenschaftler um Daniel Bebber von der englischen Universität Exeter führen dies im Fachmagazin „Nature Climate Change“ auch auf den Klimawandel zurück. Die Forscher hatten anhand publizierter Studien für mehr als 600 Krankheiten und Schädlinge analysiert, wie sich ihr Verbreitungsgebiet in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

Zunächst waren nach Darstellung der Wissenschaftler zwei Drittel der Erreger und Schädlinge nur in der nördlichen oder der südlichen Hemisphäre beobachtet worden. Ein Zehntel sei nur außerhalb, ein weiteres Zehntel nur innerhalb der Tropen zu finden gewesen. Ein halbes Jahrhundert später sei mehr als die Hälfte global verbreitet. „Von den ursprünglich auf die Tropen beschränkten Arten breiteten sich zwei Drittel aus, die meisten global”, erklärt Bebber.

Die Forschergruppe spricht von einem klaren Trend: Die überwiegende Zahl der Arten in der nördlichen Hemisphäre – etwa Pilze, Bakterien und Insekten – breite sich Richtung Nordpol aus. Fadenwürmer und Viren dagegen bewegten sich eher Richtung Äquator – warum, müsse noch untersucht werden. Die Ausbreitung gehe hauptsächlich auf den zunehmenden globalen Transport zurück, erklären die Forscher. Dass Erreger und Schädlinge sich in neuen Gebieten behaupten könnten, werde oft aber erst durch den Klimawandel ermöglicht. Mit rund 27 Kilometern je Jahrzehnt sei die Verschiebung stärker ausgeprägt als bei vielen Tieren. Dort sei ein Wert von knapp 18 Kilometern ermittelt worden.

Wie gefährlich neu eingeschleppte Erreger sein können, verdeutlichen Beispiele wie die Hungersnot in Irland in den Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts, als der Pilz Phytophtera infestans Kartoffelernten vernichtete. 1943 habe ein Schimmelpilz, der Reispflanzen befalle, in Bengalen dazu geführt, dass Hunderttausende Menschen verhungert seien, schreiben die Forscher. Derzeit gingen weltweit jährlich zehn bis 16 Prozent der Ernten verloren – an Pilze, Bakterien und Viren, aber auch Insekten oder Fadenwürmer.

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