Test der Bremer Verbraucherzentrale

Schlechte Noten für Apotheken

Bremen. „Was ist zu tun, wenn ein siebenjähriges Kind nach der Schule immer erschöpft und lustlos ist?“ Mit dieser Frage hat die Verbraucherzentrale Bremen Testpersonen in 18 Bremer und zwei Bremerhavener Apotheken geschickt. Die Frauen gaben sich als Tante eines Grundschulkindes aus, das seit Längerem an solchen Beschwerden leidet.
13.06.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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„Was ist zu tun, wenn ein siebenjähriges Kind nach der Schule immer erschöpft und lustlos ist?“ Mit dieser Frage hat die Verbraucherzentrale Bremen Testpersonen in 18 Bremer und zwei Bremerhavener Apotheken geschickt. Die Frauen gaben sich als Tante eines Grundschulkindes aus, das seit Längerem an solchen Beschwerden leidet. Das Ergebnis der Untersuchung: „Ernüchternd und enttäuschend“, wie Gertraud Huisinga von der Verbraucherzentrale betont. „Elf Apotheken wollten Präparate zur Nahrungsergänzung verkaufen, darunter teilweise sehr teure Produkte mit bis zu 40 Euro.“

In sieben dieser Apotheken habe es lediglich das Verkaufsgespräch gegeben, aber keine Nachfragen, in welcher Situation sich das Kind befinde, so die Beraterin. „Weder, ob das Kind gerade Stress in der Schule hat, wie lange diese Erschöpfung bereits besteht oder wie die Ernährungsweise ist.“ Nur in neun der 20 Apotheken sei den Kundinnen zu einem Arztbesuch geraten worden. „Wenn bei diesem Problem mehr als die Hälfte der aufgesuchten Apotheken Präparate verkaufen will, die bis zu 40 Euro kosten sollten, sieht das nach unserer Auffassung eher nach Geschäftemacherei als nach einer guten Beratung aus“, sagt Annabel Oelmann, Vorstand der Bremer Verbraucherzentrale.

Keine Belege für Wirksamkeit

Für Erschöpfung und Lustlosigkeit bei Kindern könne es viele Gründe geben, zum Beispiel Überforderung, Mobbing oder Stress in der Schule. „Auf jeden Fall muss immer der Ursache auf den Grund gegangen werden“, fordert Huisinga. Auch ein möglicher Mangel aufgrund der Ernährungsweise könne der Grund sein, allerdings müsse dies von einem Arzt abgeklärt werden. Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht einfach auf Verdacht gegeben werden, „weil sie gerade bei Kindern schädlich sein können“, so die Expertin. Eisen-Präparate könnten etwa zu Verstopfung führen, Inhaltsstoffe zudem Allergien auslösen. Huisinga: „Um einen Mangel festzustellen, kann ein Arzt eine Blutuntersuchung vornehmen. Darauf sollte in den Apotheken hingewiesen werden.“

Zudem sei bei vielen Nahrungsergänzungsmitteln die Wirkung nicht nachgewiesen. Als Beispiel nennt die Ernährungsberaterin Präparate mit Omega-3-Fettsäuren, die auch als „Klugstoff“ für Kinder beworben würden. Sie sollen günstige Effekte auf das Gehirn haben, die Denkleistung und Konzentrationsfähigkeit bei Kindern steigern. „Es gibt keine wissenschaftlichen Nachweise für die angebliche Wirkung dieser Präparate“, so Huisinga.

Auch die Stiftung Warentest hat 2013 zwölf solcher „Klugstoff“-Präparate analysiert – und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Produkte „wenig geeignet“ seien und es kaum Belege für den Nutzen gebe. Die Bremer Expertin empfiehlt, den Bedarf an Vitaminen und anderen Mineralstoffen über die Nahrung zu decken. Kinder benötigten Gemüse, Obst, Getreideprodukte, Reis und Kartoffeln, sie lieferten Ballaststoffe und Vitamine. Milch und Milchprodukte enthielten Kalzium für den Knochenaufbau; Fleisch, Wurst, Fisch oder Eier lieferten Eiweiß und Nährstoffe wie Eisen.

Die Verbraucherzentrale bietet eine Beratung zu kindgerechter Ernährung an, sie ist dienstags von 10 bis 13 Uhr und donnerstags von 14 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 0421/1607754 erreichbar.

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