Naturschutzbund rät: Starkregen in Verdunstungsteichen zwischenspeichern

Schöner Schutz: Mulden oder Teiche

Bremen. Wenn es gewittert, hat Bremen ein Problem mit den Wassermassen, die in wahren Sturzbächen vom Himmel fallen und Keller und Tunnel fluten, teilt der Naturschutzbund (Nabu) mit. Die Prognosen zum Klimawandel besage, dass solche Starkregen regelmäßig und sogar noch häufiger drohen.
14.07.2016, 00:00
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Von Solveig Rixmann
Schöner Schutz: Mulden oder Teiche

Bei Starkregen gibt es in vielen Ortsteilen in Bremen große Probleme.

Frank Thomas Koch

Bremen. Wenn es gewittert, hat Bremen ein Problem mit den Wassermassen, die in wahren Sturzbächen vom Himmel fallen und Keller und Tunnel fluten, teilt der Naturschutzbund (Nabu) mit. Die Prognosen zum Klimawandel besage, dass solche Starkregen regelmäßig und sogar noch häufiger drohen. Der Nabu ruft daher als Gegenmittel zum verstärkten Teichbau in Gärten auf. Wenn Teiche nur mit Regenwasser gespeist werden, seien sie in Summe eine wertvolle Entlastung für die Kanalisation. Und nebenbei profitiere die Natur von diesen sogenannten Verdunstungsteichen, die im Sommer ruhig auch einmal trocken fallen könnten.

Gewitter haben in Bremen wieder ganze Straßenzüge unter Wasser gesetzt. Große Bereiche der Stadt sind auf Flusslehm oder Torfschichten gebaut, dort kann das Wasser nur schwer versickern. „Offene Gartenbeete statt gepflasterter Flächen halten zwar schon einige Liter zurück, besser geeignet für Bremer Verhältnisse sind Verdunstungsteiche“, erklärt Nabu-Geschäftsführer Sönke Hofmann. Statt die Fluten so schnell abzuleiten und damit das Problem zu verlagern, sollte es in vielen privaten Tümpeln zwischengespeichert werden.

„Wer einen genügend großen Garten hat und sein Regenwasser in sanften Mulden sammelt, schafft hochinteressante Lebensräume für Amphibien und Insekten“, betont der Naturschützer. Den spezialisierten Arten mache es auch nichts aus, wenn das „Sumpfbeet“ im Hochsommer austrocknet. Eine spezielle Abdichtung oder Folie brauche solch ein Tümpel in der Regel nicht. „Da reicht ein Spaten – und los geht‘s.“ Schon ein knietiefer Tümpel mit der Fläche eines Gartenpavillons schlucke das Ergebnis eines 25 Liter-Starkregens auf einem 200 Quadratmeter großen Dach, informiert der Nabu. Natürlich sollte ein Verdunstungs-Tümpel ein zur Dachfläche passendes Volumen haben. „Als Faustzahl reichen 100 Liter pro Quadratmeter Dach“, rechnet Hofmann vor. Danach steht das Wasser einige Wochen im Tümpel, aber es geht auch einiges in die Atmosphäre. „An einem warmen Tag mit Wind können bis zu 15 Liter pro Quadratmeter Teichfläche verdunsten. Das kühlt dann auch das trockene Stadtklima herunter“, erklärt der Nabu. Durch den Klimawandel würden künftig nicht nur Starkregen sondern auch Hitzeperioden zunehmen.

„Man kann die Mulden mit Brunnenkresse, Schwertlilie, Wasserdost, Kalmus und noch vielem mehr bepflanzen“, empfiehlt Sönke Hofmann, „dann hat man etwas fürs Auge, für die Bienen und Heilpflanzen sind auch dabei.“ Fische seien in solchen Teichen tabu, sie können das Trockenfallen im Gegensatz zu vielen Insekten nicht überstehen. Frösche und Kröten seien dagegen an solche Gewässer sogar speziell angepasst.

Wer einen fischfreien Teich beobachte, werde erstaunt sein, wie vielfältig das Leben darin ist. „Da jagen Libellen in der Luft und Ruderwanzen an der Wasseroberfläche und vor den Kieferzangen der Gelbrandkäferlarve kann man auch ohne Lupe Angst bekommen“, schwärmt der gelernte Förster. Mit Fischen tritt schnell eine Artenverarmung im Teich ein.

Interessierten Gartenbesitzern schickt der Nabu, Vahrer Feldweg 185, 28309 Bremen, für fünf Euro auch sein Teich-Infopaket mit Broschüren zur Teichanlage und den Bewohnern zu. Auf seinem Gelände in Sebaldsbrück hat der Nabu mehrere Sumpfbeete und auch einen Verdunstungsteich angelegt. Weitere Informationen zum Nabu Bremen gibt es unter www.NABU-Bremen.de im Internet.

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