Augen sollten geschützt werden Sonnenfinsternis machte Einstein berühmt

Wer die Sonnenfinsternis am Freitag beobachten möchte, sollte nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz unbedingt darauf achten, seine Augen mit geeigneten Brillen zu schützen.
19.03.2015, 07:00
Lesedauer: 3 Min
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Sonnenfinsternis machte Einstein berühmt
Von Jürgen Wendler

Die Sonne gilt von jeher als Verkörperung der Wärme und des Lichts, und die Geschichte ist reich an Beispielen dafür, dass sie sogar als Gott verehrt wurde. So sahen die alten Ägypter in ihr den Sonnengott Re.

Anders als früher machen Sonnenfinsternisse Menschen zwar heutzutage in der Regel keine Angst mehr, aber viel beachtete Ereignisse sind sie nach wie vor – mittlerweile auch deshalb, weil sie einen Einfluss auf die Stromversorgung haben. Geschichten ranken sich viele um sie, so auch diese: Dass Albert Einstein (1879 bis 1955) zu allgemeiner Berühmtheit gelangte, hängt mit einer Sonnenfinsternis zusammen.

Bei einer Sonnenfinsternis befindet sich der Mond zwischen der Erde und dem Zentralgestirn. Dieses wird dadurch aus Sicht irdischer Beobachter teilweise oder ganz verdeckt. Astronomen sprechen von partiellen oder totalen Sonnenfinsternissen. Eine totale Sonnenfinsternis ist an einem bestimmten Ort der Erde im Durchschnitt nur etwa alle 200 Jahre zu sehen. Die Sonnenfinsternis am kommenden Freitag werden die Bewohner der Färöer, einer Inselgruppe zwischen Schottland und Island, als totale erleben können. Wie Normann Stenschke, ein Mitarbeiter des Bremer Olbers-Planetariums, erklärt, wird der Mond, der sich von rechts über die Sonnenscheibe schiebt, aus Sicht von Beobachtern im Bremer Raum lediglich 79,5 Prozent des Zentralgestirns verdecken. Die Finsternis beginnt nach seinen Angaben um 9.34 und endet um 11.54 Uhr. Auch andernorts in Deutschland werden Beobachter die Sonnenfinsternis als partielle erleben.

Keine Gefahr für Stromversorgung

Weil im Gegensatz zu vielen anderen partiellen Sonnenfinsternissen ein vergleichsweise großer Teil des Zentralgestirns verdeckt wird, haben sich Experten die Frage gestellt, was dies für die Stromversorgung bedeuten könnte. Immerhin gibt es in Deutschland inzwischen rund 1,4 Millionen Photovoltaikanlagen, die elektrischen Strom ins Netz einspeisen. Etwa 6,9 Prozent des von Verbrauchern genutzten Stroms gingen 2014 auf solche Anlagen zurück. Die Zahlen stammen aus dem Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme. Mitarbeiter dieses Instituts geben mit Blick auf die Sonnenfinsternis am Freitag Entwarnung: Das Verdecken der Sonne durch den Mond werde zwar dazu führen, dass die Leistung der Photovoltaikanlagen stark abnehme, um dann wieder deutlich zu steigen, aber dies könne durch andere Anlagen ausgeglichen werden. Konventionelle Kraftwerke und Pumpspeicherkraftwerke seien technisch in der Lage, Veränderungen der Leistung von Photovoltaikanlagen auszugleichen, betont Professor Bruno Burger. Windenergieanlagen könnten ihre Leistung – falls nötig – binnen kürzester Zeit verringern. Zu einem ähnlichen Ergebnis war Professor Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin gelangt. Sorge um die Stabilität des Stromnetzes sei aus wissenschaftlicher Sicht nicht angebracht, erklärte er.

In früheren Jahrhunderten, als elektrischer Strom noch keine Rolle spielte, verbanden Menschen mit Sonnenfinsternissen ganze andere Gedanken. Häufig wurden sie als Anlass für böse Vorahnungen und Prophezeiungen betrachtet. Das Ende der Finsternis galt oft als Beginn einer neuen Ära. Dass eine Sonnenfinsternis auch aus naturwissenschaftlicher Sicht einen Wendepunkt markieren kann, zeigt das Beispiel Albert Einsteins. „Wissenschaftliche Revolution. Neue Theorie des Universums. Newtons Vorstellung umgestürzt“ schrieb die „Times“ am 7. November 1919. Und wenige Tage später stand in der „New York Times“ zu lesen: „Lichter am Himmel alle schief“. Zeitungsartikel wie diese machten den Physiker schlagartig berühmt.

Licht wird abgelenkt

Der Hintergrund: Wenige Jahre zuvor hatte Einstein seine Allgemeine Relativitätstheorie formuliert, in der Massen, die sich aufgrund der Schwerkraft (Gravitation) anziehen, eine zentrale Rolle spielen. Bei einem einzelnen Atom handelt es sich genauso um eine Masse wie bei einem Planeten oder einem Stern. Einstein ging davon aus, dass Masse und Energie einander entsprechen, das heißt äquivalent sind. Masse kann als eine gewaltige Zusammenballung von Energie betrachtet werden. Wenn aber Masse und Energie äquivalent sind, heißt das, dass auch das Licht der Gravitation unterliegen muss. Die Lichtteilchen haben zwar keine Ruhemasse, wohl aber Energie. Der Physiker nahm an, dass das Licht weit entfernter Sterne durch das Schwerefeld der Sonne abgelenkt werden müsste. Bei einer Sonnenfinsternis im Jahr 1919 gelang es den britischen Astrophysikern Arthur Stanley Eddington und Frank Watson Dyson, die vorhergesagte Lichtablenkung tatsächlich zu messen. Weil das Licht in der Nähe großer Himmelskörper abgelenkt wird, erscheint ein Stern von einem Betrachter auf der Erde aus gegenüber seiner wahren Position leicht verschoben.

Hier: Die wichtigsten Informationen zur Sonnenfinsternis im Überblick

Wer die Sonnenfinsternis am Freitag beobachten möchte, sollte nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz unbedingt darauf achten, seine Augen mit geeigneten Brillen zu schützen. Rußgeschwärzte Gläser oder schwarze Filmstreifen reichten dazu keinesfalls aus. Wenn das Licht ungehindert ins Auge dringe, könne die Netzhaut so stark geschädigt werden, dass die Sehkraft nachlasse oder ganz verloren gehe. Geeignete Brillen sind unter anderem im Bremer Olbers-Planetarium, Werderstr. 73, erhältlich.

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