Wissenschaftler skizzieren Folgen der globalen Erwärmung

Sorge um arme Länder

Potsdam·Bremerhaven. Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren so oft vor den Folgen der globalen Erwärmung gewarnt, dass ihre Aussagen bei vielen Menschen inzwischen kaum noch Beachtung finden. An der großen Bedeutung des Themas hat sich allerdings nichts geändert, wie ein jetzt von der Weltbank veröffentlichter Bericht des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung unterstreicht.
25.11.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Sorge um arme Länder
Von Jürgen Wendler

Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren so oft vor den Folgen der globalen Erwärmung gewarnt, dass ihre Aussagen bei vielen Menschen inzwischen kaum noch Beachtung finden. An der großen Bedeutung des Themas hat sich allerdings nichts geändert, wie ein jetzt von der Weltbank veröffentlichter Bericht des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung unterstreicht. Warum die Hoffnung, dass sich die Erwärmung mithilfe des sogenannten Geo-Engineerings eindämmen lassen könnte, möglicherweise trügerisch ist, hat kürzlich eine im Fachjournal „Nature Geoscience“ veröffentlichte Studie einer internationalen Forschergruppe um Ian Salter vom Alfred-Wegener-Institut verdeutlicht.

Wenn die Temperatur steigt, kann dies eine ganze Reihe von Folgen nach sich ziehen. So kann es häufiger Hitzewellen geben, die zu Ernterückgängen führen – was wiederum Auswirkungen auf die menschliche Ernährung und Gesundheit haben kann. Wie Professor Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung erklärt, werden die Folgen der globalen Erwärmung in den nächsten Jahrzehnten wahrscheinlich vor allem die treffen, die am wenigsten zum Treibhausgasausstoß beigetragen haben, nämlich die Armen in Entwicklungsländern. Schon bei einer Erwärmung um eineinhalb bis zwei Grad Celsius können nach Darstellung der Forscher Korallen in der Karibik Probleme bekommen. Intakte Korallenriffe seien aber nicht nur für die Fischerei und den Tourismus wichtig, sondern auch als Küstenschutz. In den Anden rechnen die Experten damit, dass Wasser zu bestimmten Zeiten des Jahres knapp werden wird. Steigende Lebensmittelpreise und extreme Wetterverhältnisse könnten das Leben der Menschen erschweren.

Hinter dem Schlagwort Geo-Engineering verbergen sich Ideen für Eingriffe in natürliche Abläufe. Erörtert wird zum Beispiel die Möglichkeit, die Menge an Sonnenstrahlung, die die Erdoberfläche erreicht, mithilfe von winzigen Teilchen in der Atmosphäre zu verringern. Diese sollen Strahlung reflektieren. Eine andere Idee sieht vor, das Südpolarmeer mit Eisen zu düngen, um so das Algenwachstum zu fördern. Der Hintergrund: Algen verarbeiten das Treibhausgas Kohlendioxid, das aus der Atmosphäre ins Meer gelangt. Die Überreste der Algen, so die Hoffnung, könnten mit dem gespeicherten Kohlenstoff in die Tiefe sinken. Die Gruppe um Salter hat jedoch bei Untersuchungen vor den südöstlich von Afrika gelegenen Crozetinseln festgestellt, dass sich unter dem Einfluss von Eisen, das dort auf natürlichem Wege ins Meer gelangt, auch Meeresbewohner vermehren, die Kalkschalen bilden. Bei der Bildung dieser Schalen wird Kohlendioxid freigesetzt. Das heißt: Es gelangen wesentlich geringere Mengen davon in die Tiefsee als bislang angenommen. Die Studie zeigt laut Salter, wie komplex die Zusammenhänge sind.

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