Geben und Nehmen Spenden sind nicht nur gut für das Gewissen

Weihnachten ist ein Fest des Gebens. Viele wollen dann Gutes tun und spenden. Wer sichergehen will, dass seine Spende auch ankommt, sollte aber auf ein paar Punkte achten.
02.12.2021, 17:13
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa

Berlin (dpa/tmn) - Geizig sind die meisten Bundesbürger nicht. Im Gegenteil: Von Januar bis September 2021 haben die Deutschen nach Angaben des Deutschen Spendenrates rund 3,8 Milliarden Euro gespendet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das Spendenniveau damit um etwa 14 Prozent gestiegen.

Auch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) verzeichnet eine große Spendenbereitschaft. Allein für die vom Hochwasser betroffenen Menschen im Westen Deutschlands wurden bis November insgesamt 584 Millionen Euro gespendet. Damit wurden laut DZI die Spendensummen übertroffen, die nach dem Elbehochwasser 2002 (350 Millionen Euro) und nach dem Hochwasser unter anderem in Sachsen und Bayern 2013 (158 Millionen Euro) gespendet wurden.

Checkliste kann bei Entscheidung helfen

Doch können Spenderinnen und Spender auch sicher sein, dass ihr Geld da ankommt, wo die Hilfe gebraucht wird? Ja, wenn sie das Geld nicht einfach blind geben. Wer spenden möchte, sollte die Organisationen daher im Zweifel selbst prüfen. Das DZI hat dazu eine Checkliste für sicheres Spenden erstellt.

Wichtige Fragen, die Spenderinnen und Spender sich im Vorfeld stellen sollten: Was geschieht mit meiner Spende? Wird sie wirklich für den Zweck verwendet, für den geworben wurde? Ist die Organisation gemeinnützig? Fühle ich mich gut informiert? Gibt es eine Kontaktadresse für weitere Fragen?

Ohne Druck spenden

Wichtig: Niemand sollte sich unter Druck setzen lassen, rät die Verbraucherzentrale NRW. Zielt der Werbebrief, die Anzeige in der Zeitung oder der Post in Sozialen Medien allein auf die Gefühle, ist Vorsicht geboten. Denn emotionsgeladene Texte und Mitleid erregende Fotos sind oft Kennzeichen unseriöser Werbung.

Glaubwürdig sind laut Verbraucherschützern klare, aussagekräftige Informationen und authentische Fotos mit einem erkennbaren Bezug zum jeweiligen Spendenzweck sowie transparente Einblicke in die Spendenverwertung.

Ein Zeichen für die Vertrauenswürdigkeit einer Organisation ist, ob sie als gemeinnützig anerkannt wurde. Denn das Finanzamt prüft zumindest, dass es eine zweckgerichtete Geschäftsführung gibt und wie die Mittel verwendet werden. Zu den steuerbegünstigten Organisationen gehören zum Beispiel Kirchen, Universitäten, staatliche Museen oder gemeinnützige Vereine und Stiftungen.

Geschäftsberichte bieten Einblick

Wer sich noch mehr über die Organisation oder den Verein, der die Spende bekommen soll, informieren will, kann einen Blick auf die Homepage werfen, rät der Spendenrat. Tiefere Informationen bieten Jahres- oder Geschäftsberichte. Auch Erfahrungsberichte anderer Spender können bei der Einschätzung hilfreich sein.

Orientierung bieten zudem Siegel. Bekannt ist unter anderem das Spendensiegel des DZI. Voraussetzung dafür sind unter anderem funktionierende Planung und Kontrolle, eine zweckgerichtete, wirksame und sparsame Mittelverwendung sowie sachliche und wahre Werbung.

Allerdings werden nur Organisationen geprüft, die in den beiden jüngsten abgeschlossenen Geschäftsjahren mehr als 25 000 Euro pro Jahr eingenommen haben. Zudem muss die Organisation für die jährliche Prüfung zahlen. Trägt eine Initiative das Spendensiegel nicht, heißt das also nicht automatisch, dass sie unseriös ist.

Besser ohne Zweckbindung spenden

Am besten helfen in der Regel Geldspenden ohne Zweckbindung. Sie bieten den Empfängern mehr Flexibilität, erklärt der Spendenrat. Die Zweckbindung einer Spende schränkt die Organisationen hingegen in der Regel ein, denn eine solche Spende darf nicht für andere Hilfszwecke verwendet werden. Wer seine Spende also nicht mit einem konkreten Ziel verknüpft, gibt den Empfängern die Möglichkeit, das Geld da einzusetzen, wo es am meisten gebraucht wird.

Das Gute am Geben: Spenderinnen und Spender bekommen auch etwas zurück. Denn Spenden können grundsätzlich als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Geldspenden sind - bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte - als Sonderausgaben absetzbar, erklärt die Bundessteuerberaterkammer.

Belege müssen aufbewahrt werden

Die Belege darüber müssen zwar nicht mehr der Steuererklärung beigefügt werden. Allerdings kann das Finanzamt jederzeit den Nachweis anfordern. Deshalb sollte man darauf achten, dass man eine Spendenquittung von der bedachten Organisation bekommt.

Für das Steuerjahr 2021 gibt es in vielen Fällen eine vereinfachte Nachweisführung, so zum Beispiel für Spenden zur Hilfe in Katastrophenfällen oder für Spenden bis 300 Euro an gemeinnützige Organisationen. Dem Finanzamt genügen hier zum Beispiel der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung der Bank.

© dpa-infocom, dpa:211202-99-233086/3

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