Spuren der Pest

Der Pesterreger konnte wahrscheinlich jahrhundertelang in Europa überdauern. Darauf deuten Bakteriengene hin, die Forscher in Skeletten aus dem 14.
15.01.2016, 00:00
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Von DPA

Der Pesterreger konnte wahrscheinlich jahrhundertelang in Europa überdauern. Darauf deuten Bakteriengene hin, die Forscher in Skeletten aus dem 14. bis 17. Jahrhundert in München und Brandenburg entdeckt haben. Von ihren Erkenntnissen berichten sie im Fachjournal „PLOS ONE“. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität und der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie in München hat Holger Scholz vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr 30 Skelette untersucht. Das Erbgut der Pestbakterien aus sechs dieser Skelette ließ sich zu Analysen verwenden. Die Ergebnisse wurden mit bereits entzifferten Erbgutinformationen aus anderen in Europa gefundenen Skeletten verglichen. Wie sich herausstellte, war der molekulare Fingerabdruck des Erregers identisch. Daraus lasse sich der Schluss ziehen, dass das Bakterium Yersinia pestis in Europa überlebt habe, erläutert der Mikrobiologe Scholz. Der Erreger musste nicht immer wieder neu eingeschleppt werden. In welchem Wirt er überlebt hat, ist allerdings nicht bekannt. „Vielleicht waren es Läuse, aber das können wir nicht nachweisen“, sagt Scholz.

Die Pest ist eine ansteckende Krankheit, der im Laufe der Jahrhunderte viele Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind. Mitte des 14. Jahrhunderts tötete diese Krankheit mehr als ein Drittel der europäischen Bevölkerung. Der Pesterreger kann verschiedene Arten von Säugetieren befallen, darunter auch Ratten. Flöhe können den Erreger von solchen Wirtstieren auf Menschen übertragen. Auch heute werden weiterhin Pestfälle gemeldet, vor allem in Afrika. Dies erklärt auch die Beteiligung der Bundeswehr an der neuen Studie. „Unsere Soldaten halten sich in Gebieten auf, in denen sie damit konfrontiert werden können“, sagt Scholz.

DPA

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