Der Kneipp-Verein Oyten setzt seit über 20 Jahren auf das Gesundheitskonzept von Sebastian Kneipp Storchengang bringt Kreislauf in Schwung

Oyten. Wasser, Bewegung, Ernährung, Kräuter, Lebensrhythmus: Auf diesen fünf Themenbereichen basiert das Gesundheitskonzept von Sebastian Kneipp (1821-1897), das auch im 1994 gegründeten Kneipp-Verein Oyten (der zunächst den Namen Kneipp-Reha-Gruppe Oyten trug) tagtäglich mit Leben gefüllt wird.
17.09.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Andreas Kreutzer

Oyten. Wasser, Bewegung, Ernährung, Kräuter, Lebensrhythmus: Auf diesen fünf Themenbereichen basiert das Gesundheitskonzept von Sebastian Kneipp (1821-1897), das auch im 1994 gegründeten Kneipp-Verein Oyten (der zunächst den Namen Kneipp-Reha-Gruppe Oyten trug) tagtäglich mit Leben gefüllt wird.

Kneipp (1821-1897), der von Beruf Pfarrer gewesen ist, habe ein Behandlungsverfahren entwickelt, das unter anderem durch seine Wasseranwendungen, wie die sogenannten Kneipp-Güsse oder das Wassertreten, bekannt geworden sei, berichtet die Vereinsvorsitzende Jutta Cramer. Sie ist seit dem Jahr 2010 auf ihrem Posten und bereits seit 1998 im Verein.

Die größte Veränderung, die sie mit angestoßen und dann umgesetzt habe, sei die Umstrukturierung ihrer Angebote hin zum Rehabilitations-Sport gewesen. Seit dem hielten sie zahlreiche Kurse für Personen ab, die mit einer ärztlichen Verordnung kämen, so die 69-Jährige, die wie auch die anderen Übungsleiter ihre Arbeit ehrenamtlich ausübt. Diese Umstrukturierung sei zwar mit erheblichem bürokratischen Aufwand verbunden, trage aber mit zur Finanzierung des Vereins bei und sei zu einem wichtigen Standbein geworden.

Momentan zähle der Verein 124 Mitglieder, viele Gründungsmitglieder seien nicht mehr dabei. Das Durchschnittsalter liege zwar noch immer bei 65 Jahren – gerade an den Kursen im Reha-Bereich nähmen vermehrt Personen teil, die schon in den Achtzigern seien – doch dank Angeboten wie Qigong oder auch Yoga sei es gelungen, auch jüngere Menschen weit vor dem Rentenalter für ihren Verein zu begeistern.

Neben den Kneippschen Güssen und dem Wassertreten, bei dem man im Storchengang durch etwa 20 bis 30 Zentimeter tiefes Wasser schreite, was insbesondere die Durchblutung fördere und den Kreislauf anrege, sei auch der Rat zu häufigem Barfußlaufen ein wichtiger Bestandteil der Lehre. „Auf diese Weise kann man die Welt sinnlich begreifen und Dinge bewusst wahrnehmen.“ Je nach Bodenbeschaffenheit werde dabei die Fußmuskulatur unterschiedlich belastet und gereizt.

Um bewusste Wahrnehmung gehe es bei Kneipp grundsätzlich, „es gibt so viele einfache Dinge, die man ohne Probleme in seinen Alltag integrieren und dadurch sein Wohlbefinden steigern könnte“. Wer sich nur wenige Minuten Zeit nehme und sich aktiv dem Alltagsstress entziehe, sei auf dem richtigen Weg hin zu einer gesünderen Lebensführung.

„In den letzten Jahren hat da insgesamt eine Bewusstseinsänderung stattgefunden, viele Dinge wie beispielsweise Fieberwickel, die man früher gemacht hat und die lange in Vergessenheit geraten waren, werden nun wieder empfohlen und praktiziert“, erzählt Jutta Cramer.

Leide jemand zum Beispiel an Schlaflosigkeit, könne man, ganz im Kneippschen Sinne, versuchen, einen nassen Strumpf anzuziehen, den man wiederum warm einwickele - „durch die Verdunstungswärme, die entsteht, fällt es einem leichter, sich zu entspannen“.

Sie selbst befülle morgens zum Beispiel stets einen Eimer mit kaltem Wasser, in den sie ihre Füße halte. „Wenn man dann im Storchengang Wasser tritt, bringt das den Kreislauf ordentlich in Schwung, verscheucht jede Müdigkeit und verschafft mir Kraft für den Tag.“ Außerdem werde so auf lange Sicht das Immunsystem gestärkt.

Praktiziereman dieselbe Übung direkt vor dem Schlafengehen und ziehe danach, wie es auch morgens geschehen sollte, direkt im Anschluss warme Socken an, habe es den gegenteiligen Effekt, „es hat eine beruhigende Wirkung und entspannt“. Wichtig dabei sei, sowohl morgens als auch abends, dass man vor dem Wassertreten warme Hände und Füße habe.

Welche Übungen es sind, die für eine bestimmte Person am geeignetsten und zudem in den Tagesablauf integrierbar wären, ermittelten sie, wenn jemand das erste Mal zu ihnen komme, in einem intensiven persönlichen Gespräch. Im Rahmen einer mehrstündigen Einführungsveranstaltung würden neue Mitglieder mit den Kneippschen Wirkprinzipien vertraut gemacht.

So sei es nach Kneipp beispielsweise oftmals ratsam, seine Ernährung hin zu einer vielseitigen Vollwertkost umzustellen. Viele verschiedene Obst- und Gemüsesorten sowie andere frische Lebensmittel, die schonend und mit wenig Fett zubereitet werden, spielten dabei eine große Rolle.

Ebenfalls von Bedeutung sei der Einsatz von Heilkräutern, deren pflanzliche Wirkstoffe nicht als Ersatz für herkömmliche Mittel aus der Schulmedizin gesehen werden, sondern sich als ergänzende Maßnahme verstehen. Diese Heilkräuter könnten sowohl innerlich, in Form von Säften oder Tees, als auch äußerlich als Salben und Öle oder auch als Zusätze von Bädern oder Wickel eingesetzt werden, erläutert Jutta Cramer.

Empfehlungen zu den verschiedensten Formen von Bewegung rundeten die Philosophie Kneipps ab. Es seien kräftigende Sportarten wie Wandern, Radfahren, Schwimmen oder auch Nordic Walking, die gut geeignet seien, um die Beweglichkeit zu fördern, ohne dass die Gelenke zu stark belastet würden.

„Prinzipiell geht es bei Kneipp um das richtige Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung, Belastung und Entlastung. Stimmt in diesen Bereichen das Verhältnis, können wir die Grundlage für körperliche, seelische und geistige Gesundheit schaffen. Es geht um eine bewusst gestaltete Lebensführung und um Achtsamkeit, die man sich selbst gegenüber an den Tag legt.“

Für 39 Euro, so hoch der Mitgliedsbeitrag, könne man so viele Kurse wie gewünscht belegen. Neben Yoga- und Qigong-Kursen, die bei der Stressbewältigung helfen könnten, gebe es besagte Rehabilitationskurse im Wasser. Diese Kurse fänden in einem angemieteten Schwimmbad und Therapiebecken statt.

Explizit für Berufstätige, die neue Kraft für den stressigen Alltag schöpfen wollten, habe man das Mentale Aktivierungstraining, kurz MAT, konzipiert, das von einer externen Referentin abgehalten werde. So sei es für viele Menschen zwar inzwischen selbstverständlich geworden, ihren Körper regelmäßig zu trainieren, „aber auch unser Gehirn braucht immer wieder neue Herausforderungen, um fit zu bleiben“.

Mit eigens entwickelten und einfach durchzuführenden Übungen würden die Voraussetzungen geschaffen, wieder schneller und konzentrierter denken, leichter lernen und besser etwas behalten zu können. „Danach kann man mit einer guten Portion Gelassenheit in seinen Alltag zurückkehren und die Anforderungen meistern.“

„Neben neuen Mitgliedern, die bei uns herzlich willkommen sind, würden wir uns auch sehr über zusätzliche Räumlichkeiten freuen.“ Zu oft könnten Kurse nur deswegen nicht stattfinden, weil es am entsprechenden Veranstaltungsort fehle.

Wer mehr über den Kneipp-Verein Oyten erfahren möchte, kann sich im Internet auf der Seite www.kneipp-verein-oyten.de informieren oder den Verein jeweils montags in der Zeit von 17 Uhr bis 18.30 Uhr sowie mittwochs zwischen 11 Uhr und 12 Uhr telefonisch unter der Rufnummer 0 42 07 / 80 44 59 erreichen.

Außerdem stehe die Vorsitzende bei Fragen per E-Mail unter der Adresse jutta@kneipp-verein-oyten.de zur Verfügung.

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