Reizvolles Urlaubsziel in Asien: Südkorea

Zwischen Hunde-Cafés, Kimchi und Mönchen

Südkorea hat sich zu einem Land zwischen Hightech und Tradition entwickelt.
26.05.2020, 12:24
Lesedauer: 6 Min
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Von Joachim Hauck
Zwischen Hunde-Cafés, Kimchi und Mönchen

Südkorea war noch vor einigen Jahrzehnten bitterarm und gilt heute als Land von Hightech und Innovation. Doch Tradition spielt auch eine Rolle, wie die Wunschzettel, die vor einem Tempel angebracht sind.

Joachim Hauck

Es ist wohl eines der sichersten Länder, in das Touristen reisen können, sobald die Corona-Beschränkungen aufgehoben sind: Südkorea, das anfangs hart von Covid-19 getroffen wurde, in der Krise jedoch schnell und effektiv reagiert und das Virus weit früher als andere Staaten in den Griff bekommen hat.

Hightech und die Disziplin der Menschen haben Südkorea nicht nur zum Vorbild in Sachen Corona-Bekämpfung gemacht. Längst ist das Land, das noch vor wenigen Jahrzehnten zu den ärmsten der Welt gehörte, zu einem der erfolgreichsten asiatischen Tigerstaaten geworden. Konzerne wie Hyundai, Samsung und LG kennt auch in Europa jedes Kind, das Reiseland Korea indes ist hierzulande eher unbekannt. Gerade mal 120.000 deutsche Gäste zog es 2018 auf die Halbinsel zwischen dem Gelben und dem Japanischen Meer – ein Klacks gegen 15 Millionen Touristen aus den asiatischen Nachbarländern, die Korea schon lange als reizvolles Urlaubsziel entdeckt haben.

Byeong-Cheol Gang, der gern deutsche Besucher durch sein Land führt und sich von seinen Gästen angesichts unaussprechlicher koreanischer Namen lieber gleich „Charlie“ nennen lässt, kennt die unterschiedlichen Vorlieben der Korea-Urlauber: „Chinesen und Japaner kommen vor allem zum Shoppen, sie kaufen wie die Verrückten Klamotten, Mobiltelefone und Modeschmuck.“ Europäer reisen zur Freude von Charlie vor allem viel durchs Land. Eher selten zu den schönen Badestränden der Ferieninsel Jejudo, weil Korea nur zum Baden viel zu schade wäre. Weit häufiger geht es in die Zentren der reichen Kultur des Landes, die in einem krassen, gleichwohl reizvollen Gegensatz zum Korea unserer Tage steht. Alte Königspaläste vor Wolkenkratzern und buddhistische Tempel neben achtspurigen Schnellstraßen – spannender kann ein Nebeneinander von Alt und Neu, von Tradition und Moderne kaum sein.

Chinesen und Japaner kommen zum Shoppen nach Südkorea, Europäer, um die Kultur kennenzulernen. Sie besuchen dann auch das Kloster in Beopjusa.

Chinesen und Japaner kommen zum Shoppen nach
Südkorea, Europäer, um die Kultur kennenzulernen. Sie besuchen dann auch das Kloster in Beopjusa.

Foto: Joachim Hauck

Die Tradition – das ist zum Beispiel die prächtige Residenz Gyeongbokgung der alten koreanischen Herrscher. Täglich gegen 10 Uhr geht im „Palast der Strahlenden Glückseligkeit“ ein aufwendig-farbenprächtiger Wachwechsel der Garde über die Bühne. Besucher, die sich in ein klassisches Kostüm werfen, das in den Läden ringsum gemietet werden kann, zahlen für das Spektakel kein Eintrittsgeld. Sie dürfen damit auch durch die verwinkelten Gassen des nahen Bukchon Hanok bummeln, das einst königlichen Hofbeamten als vornehmes Refugium diente. In ihre Villen sind wohlhabende Koreaner eingezogen, die nicht immer ihre reine Freude daran haben, weil das traumhaft schöne Viertel oft von lärmenden Touristen heimgesucht und geradezu überrannt wird.

Tradition – das sind zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie das alte Fort Suwon Hwaseong in Suwon bei Seoul oder die Stadt Gyeongju, die als Zentrum der mächtigen Silla-Dynastie nicht zufällig das Nationalmuseum Koreas und den grandiosen Bulguksa Tempel beherbergt. Solche Highlights sind in jedem Reiseführer zu finden – um Geheimtipps abseits der Touristenpfade zu entdecken, braucht es Guides wie Charlie. Der bringt seine Gäste in Seoul beispielsweise zu Meister Kum Bak Yeon, der in seiner Werkstatt traditionelle Gewänder herstellt und ins Korea House, das Theater, Tänze und Musik aus vergangenen Jahrhunderten pflegt. In Busan geht es mit Charlie zur Reiswein-Meisterin Dana Kim, die gemeinsam mit ihren Besuchern Makgeolli, eine milde koreanische Schnapsspezialität, braut.

Gut geeignet für fortgeschrittene Korea-Reisende ist das Programm „templestay“, das Touristen am buddhistischen Klosterleben teilnehmen lässt. Im Tempel von Beopjusa zum Beispiel nehmen die Mönche für etwa
50 Euro pro Tag Besucher auf. Die Gäste stehen morgens um 3 Uhr zum ersten Gebet mit den Mönchen auf, decken mit ihnen den Tisch und waschen Geschirr ab, spätestens um 21 Uhr löschen sie das Licht in ihrer Kammer. Geschlafen wird auf einfachen Matratzen auf dem Boden; statt Fleisch gibt es Gemüse, statt Bier nur Wasser und Tee.

Hunderttausende, meist Koreaner, sind jedes Jahr beim „templestay“ dabei. „Sie genießen die Zeit bei uns,“ sagt Mönch Jl-O, „und freuen sich, dass sie hier endlich mal zur Ruhe kommen.“ Wie wichtig und schwierig das in Südkorea ist, weiß O nur zu gut – schließlich ist der Mittvierziger vor Jahren ins Kloster eingetreten, weil ihm der Job als Kameramann beim Fernsehen zu stressig war.

Auf dem Markt Namdaemun in Seoul können Gäste jede Menge südkoreanische Köstlichkeiten probieren.

Auf dem Markt Namdaemun in Seoul können Gäste jede Menge südkoreanische Köstlichkeiten probieren.

Foto: Joachim Hauck

Das moderne Korea – das sind Hightech, Wolkenkratzer mit Büros, Hotels, Restaurants und teuren Appartements. Sich im Land zu bewegen, ist einfach und komfortabel: Das Netz von Bussen und Bahnen steht dem europäischer Städte in nichts nach. Die Autobahnen sind besser in Schuss, die Hochgeschwindigkeitszüge schneller und pünktlicher als in Deutschland. Südkorea mischt nicht nur wirtschaftlich ziemlich weit vorne mit: Boygroups wie BTS bringen Teenager in aller Welt zum Kreischen, der Film „Parasite“, made in Korea, hat in den USA gerade vier Oscars eingeheimst.

In ihrer eher knappen Freizeit gehen Koreaner liebend gern gut essen, singen in Karaokebars, führen ihre Hunde (weil die Stadt kein guter Platz für Vierbeiner ist) in spezielle Dog-Cafés aus oder bummeln über einen der zahllosen Märkte des Landes. Im alten Zentrum von Seoul beispielsweise, wo Tausende kleiner Geschäfte um die Gunst der Kunden buhlen.

Beliebt sind die Märkte auch bei Touristen, denen die südkoreanische Tourismusbehörde Einkaufsgutscheine für 20 000 Won (umgerechnet etwa 15 Euro) in die Hand drückt. Der Bonus soll kleinen Händlern helfen, halbwegs gegen die Kaufhausriesen des Landes bestehen zu können. Tatsächlich ist die Konkurrenz übermächtig: Seoul etwa hat mit dem Shinsegae die flächenmäßig größte Shopping Mall der Welt bekommen.

Kimchi ist eine Art Sauerkraut aus Chinakohl.

Kimchi ist eine Art Sauerkraut aus Chinakohl.

Foto: Joachim Hauck

Gutscheine und Geld wird man in den engen Gassen des Markts von Namdaemun blitzschnell los, und ohne ein paar Pfund mehr auf den Rippen kommt man selten heraus. Aus Hunderten Garküchen, Grillständen und Imbissständen dampft, raucht und riecht es. Über 100 Sorten Kimchi (eine Art Sauerkraut aus Chinakohl), jede Menge Mandu (asiatische Maultaschen), Bulgogi (auf offenem Feuer gebratenes Schweine- oder Rindfleisch) und natürlich Bibimbap (das Nationalgericht aus Reis, Gemüse und roter Chilipaste) gehen über die Theken. Gegessen wird auf engen Bänken in und vor den Küchen, dazu gibt es ein Gläschen Reiswein oder -schnaps.

Und dann ist da noch ein trauriges Stück Moderne: die Grenze zu Nordkorea. Am Ende des Koreakrieges entlang des 38. Breitengrades gezogen, markiert die entmilitarisierte Zone die 248 Kilometer lange Waffenstillstandslinie von 1953. Schätzungsweise eine Million Soldaten stehen sich diesseits und jenseits der Zone gegenüber, mitunter kommt es auch heute noch zu ernsten Zwischenfällen und Schießereien.

An der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea stehen sich auch heutzutage noch eine Million Soldaten an der Grenze gegenüber.

An der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea stehen sich auch heutzutage noch eine Million Soldaten an der Grenze gegenüber.

Foto: Joachim Hauck

Die Nachbarschaft von Wachtürmen, Panzersperren und Stacheldraht ist bedrückend, doch im Besucherzentrum Imjingak lassen es die Südkoreaner betont entspannt zugehen: Einen kleinen Freizeitpark mit Karussells und Souvenirshops haben sie gebaut, dazu eine Seilbahn, die über Niemandsland hinweg in eine alte US-Kaserne am Todesstreifen führt. In den engen „Tunnel Nummer 3“, durch den einst nordkoreanische Soldaten in den Süden vordringen sollten, geht es bequem per Elektrobahn. Ein Familienausflug in den Kalten Krieg – Südkorea macht auch das möglich.

Die Reise wurde unterstützt von Gebeco.

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Pauschalreisen: Die Reiseveranstalter Gebeco sowie Dr. Tigges bieten mehrere Reisen nach Korea an: Zum Beispiel 15 Tage durch Südkorea ab 3765 Euro oder eine 16-Tage-Tour durch Nord- und Südkorea ab 3995 Euro.

Flüge: Korean Air fliegt regelmäßig von Frankfurt nach Seoul. Unterwegs ist man etwa zehn Stunden, doch der Flug ist durchaus komfortabel. Die Economy Class der Gesellschaft zählt, was Beinfreiheit und Service angeht, zu den besten der Welt.

Land und Leute: Jahreszeiten und Temperaturen in Südkorea ähneln denen in Europa, der Zeitunterschied beträgt acht Stunden. Hotellerie, Gastronomie, Gesundheitswesen und touristische Infrastruktur entsprechen deutschen Standards.

Geld: Währung ist der koreanische Won. Ein Euro entspricht etwa 1300 KRW. Gängige Kreditkarten werden fast überall akzeptiert, mit ihnen kann auch Bargeld abgehoben werden. Mit deutschen Maestro-Karten kann es Probleme geben.

Auskünfte gibt es im Internet bei www.gebeco.de und dem südkoreanischen Verkehrsamt www.visitkorea.or.kr. Informationen über Aufenthalte in buddhistischen Klöstern sind zu finden unter eng.templestay.com.

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