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Teilen und herrschen – auch Raben machen Politik

Wien. Lateinschüler stoßen in der Regel früher oder später auch auf diese Formulierung: „divide et impera“, auf Deutsch: teile und herrsche. Hinter ihr steckt die Einsicht, dass es leichter ist, andere zu beherrschen oder zu besiegen, wenn sie keine Bündnisse bilden können, sondern gezwungen sind, als Einzelne zu handeln.
18.11.2014, 00:00
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Teilen und herrschen – auch Raben machen Politik
Von Jürgen Wendler

Lateinschüler stoßen in der Regel früher oder später auch auf diese Formulierung: „divide et impera“, auf Deutsch: teile und herrsche. Hinter ihr steckt die Einsicht, dass es leichter ist, andere zu beherrschen oder zu besiegen, wenn sie keine Bündnisse bilden können, sondern gezwungen sind, als Einzelne zu handeln. Diese Erkenntnis bestimmte zum Beispiel das außenpolitische Handeln der Machthaber im antiken Römischen Reich. Bei der Beobachtung von Kolkraben in den Alpen haben österreichische Wissenschaftler Hinweise gefunden, dass es vergleichbare Verhaltensweisen auch bei diesen Vögeln gibt.

Von Raben ist schon länger bekannt, dass sie Freunde, Verwandte und Partner haben und Hierarchien bilden. Erst vor einigen Monaten hatte eine Forschergruppe um Jorg J. M. Massen von der Universität Wien von Experimenten berichtet, die Hinweise liefern, dass Kolkraben fähig sind, die Beziehungen anderer Raben zueinander einzuschätzen. Das Wissen um die Beziehungen anderer ist eine wichtige Voraussetzung, um sich klug verhalten zu können. In einer neuen Studie, deren Ergebnisse kürzlich im Fachjournal „Current Biology“ veröffentlicht worden sind, kommen Wissenschaftler um Massen und seinen Wiener Kollegen Thomas Bugnyar zu dem Schluss, dass Raben versuchen, strategisch in die Beziehungen von Artgenossen einzugreifen, indem sie deren Miteinander gezielt stören.

Wie die Forscher erklären, knüpfen bestimmte Vögel durch gegenseitiges Kraulen Beziehungen. Diese Allianzen seien dann später für sie bei Konflikten hilfreich. Die österreichischen Wissenschaftler stellten aber auch fest, dass andere Raben immer wieder versuchen, Vögel, die sich gerade um ihre neue Beziehung bemühen, zu trennen. Dies gelinge in manchen Fällen, so die Forscher. In anderen werde das störende Tier gewaltsam vertrieben.

Wie sich gezeigt hat, mischen sich vor allem jene Vögel ein, die selbst über gute Beziehungen verfügen. „Weil gut in die Gruppe eingebundene Raben soziale Macht haben, können sie sich solche riskanten Manöver leisten“, erklärt Massen. Sie griffen gezielt bei jenen Vögeln ein, die für sie zu einer Konkurrenz werden könnten. Nach den Worten des Wissenschaftlers deutet vieles darauf hin, dass Raben ständig die Beziehungen von Artgenossen beobachten.

Kolkraben werden wie Krähen zur Gruppe der Rabenvögel gerechnet. Dass diese Tiere zu besonderen Leistungen fähig sind, ist schon länger bekannt. So hat sich zum Beispiel gezeigt, dass sie den Autoverkehr nutzen, um an den Inhalt von Nüssen zu gelangen. Sie lassen diese auf die Straße fallen, damit sie unter den Rädern der Fahrzeuge zerbrechen.

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