Hamburg

Tiefseebergbau birgt erhebliche Umweltrisiken

Hamburg (wk). Rohstoffe im Meer rücken zunehmend ins Visier von Staaten und Konzernen. Künftig könnten „Erze in Form von Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfiden in bis zu 4000 Meter Tiefe abgebaut werden“, heißt es im „World Ocean Review III – Rohstoffe aus dem Meer“, der gestern in Hamburg vorgestellt wurde.
21.02.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von WESER-KURIER
Tiefseebergbau birgt erhebliche Umweltrisiken

Manganknollen sind wegen der darin enthaltenen wertvollen Metalle Nickel, Kupfer und Kobalt von wirtschaftlichem Interesse.

Caroline Seidel, dpa

Rohstoffe im Meer rücken zunehmend ins Visier von Staaten und Konzernen. Künftig könnten „Erze in Form von Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfiden in bis zu 4000 Meter Tiefe abgebaut werden“, heißt es im „World Ocean Review III – Rohstoffe aus dem Meer“, der gestern in Hamburg vorgestellt wurde. Darin haben Wissenschaftler Fakten zu Öl- und Gasvorkommen sowie mineralischen Ressourcen zusammengetragen. Gleichzeitig warnen sie vor Risiken für die Umwelt.

Gold und Silber, Kupfer und Zink: Diese und weitere Metalle sind heiß begehrt. Bisher werden sie an Land abgebaut, doch der weltweite Hunger nach Rohstoffen und die daraus resultierenden hohen Preise rücken auch Lagerstätten in der Tiefsee ins Blickfeld. „Rohstoffe im Meer haben großes Potenzial“, sagt der Sprecher des Forschungsverbundes „Ozean der Zukunft“, Professor Martin Visbeck. Trotz der steigenden Metallpreise sei derzeit allerdings noch niemand bereit, sehr viel Geld für den Tiefseebergbau auszugeben.

Andererseits findet sich zum Beispiel im „Nationalen Masterplan Maritime Technologien“ des Bundeswirtschaftsministeriums diese Aussage: „Die wirtschaftliche Nutzung mariner mineralischer Rohstoffe rückt angesichts des Anstiegs der Rohstoffpreise und globaler Verknappungsszenarien bei bestimmten Rohstoffen immer mehr in den Fokus und könnte mittelfristig eine größere Bedeutung erlangen.“ Auch Unternehmen zeigen Interesse an den mineralischen Schätzen der Ozeane.

Weltweit gibt es bisher noch keinen kommerziellen Tiefseebergbau mit dem Ziel, Metalle zu gewinnen. Allerdings stehen schon einige Staaten, darunter auch Deutschland, und private Firmen in den Startlöchern und machen Erkundungsbohrungen oder haben Lizenzen dafür beantragt. Es sei sinnvoll, diese Pilotvorhaben wissenschaftlich zu begleiten und Umweltaspekte zu berücksichtigen, erklärt Visbeck. Ein Abbau sei immer mit Risiken und Umweltbelastungen verbunden; darüber müsse diskutiert werden, betont der Kieler Ozeanograph.

Dem „World Ocean Review“ zufolge sind sich die Wissenschaftler darin einig, „dass der Abbau von Manganknollen einen erheblichen Eingriff in den Lebensraum Meer darstellt“. Der Lärm und die Vibrationen, die beim Abbau, Herauspumpen und Reinigen der Knollen entstünden, könnten Delfine und Wale stören. Im durchpflügten Bereich würden alle Tiere sterben, die nicht schnell genug fliehen könnten, etwa Würmer, Schnecken und Seegurken.

Manganknollen sind kartoffelförmige Klumpen, die am Grund des Meeres entstehen, und zwar, indem sich chemische Elemente aus dem Meerwasser oder dem Porenwasser von Sedimenten um einen Kristallisationskeim herum anlagern. Das Mangan selbst ist nur von untergeordnetem wirtschaftlichen Interesse. Als wichtig gelten vielmehr die wertvollen Metalle Nickel, Kupfer und Kobalt, die in den Knollen enthalten sind.

Ein Urteil darüber, ob Tiefseebergbau betrieben werden sollte oder nicht, fällen die Autoren des „World Ocean Review“ nicht. „Wir wollten Hintergründe und Fakten bündeln und auf den Tisch legen“, sagt Visbeck. Auf dieser Grundlage könnten alle Beteiligten in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft sachlich diskutieren, ob und in welcher Form der Tiefseebergbau gewünscht sei.

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