Bremerhaven

Umfangreiches Forschungsprojekt zur Sicherheit der Offshore-Windenergie

Bremerhaven. In Offshore-Windparks sicher und auf große Schäden angemessen reagieren – wie das möglich sein soll, wird jetzt in einem groß angelegten Forschungsprojekt ermittelt. In dem auf drei Jahre angelegten Programm mit dem Namen OWiSS sollen neue Konzepte und Verfahren entwickelt werden.
06.02.2015, 00:00
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Von Frank Miener

In Offshore-Windparks sicher und auf große Schäden angemessen reagieren – wie das möglich sein soll, wird jetzt in einem groß angelegten Forschungsprojekt ermittelt. In dem auf drei Jahre angelegten Programm mit dem Namen OWiSS sollen neue Konzepte und Verfahren entwickelt werden.

„Es gibt eine Menge Einflussfaktoren auf die Windparks“, sagt Wolfgang Schwanebeck vom Institute for Safety and Security Studies an der Hochschule Bremerhaven, die einer der fünf Projektpartner für OWiSS ist. Dazu gehören mit dem FK Wind der Hochschule, dem Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL), dem Fraunhofer Institut IFAM sowie DOC Deutsche Offshore Consult und dem Institut für Seevölkerrecht namhafte Akteure. Das mit 2,5 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt ist dabei das größte, das in diesem Bereich bislang aufgelegt worden ist. Projektträger ist das VDI Technologiezentrum aus Düsseldorf.

„Die Auswirkungen der bisher noch schwer abschätzbaren Risiken können mit zunehmenden Ausbau der Offshore-Windenergie an Bedeutung gewinnen“, sagt Schwanebeck. Als Beispiel nannte er ges-tern beim offiziellen Projektstart auch eine massive Störung in der Warenlieferung oder der Gesundheitsversorgung, falls eine sogenannte Großschadenslage einen oder sogar mehrere Windparks ausfallen lässt – und damit die Stromversorgung gefährdet ist.

Immerhin sollen im Jahr 2020 bis zu 35 Prozent, 30 Jahre später sogar 80 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen stammen. Offshore Wind ist dabei ein großer Baustein – vor Kurzem hatte die Leistung der Parks bereits Spitzenwerte erreicht, die sogar die Kohleenergie überflügelten. Daraus ergebe sich aber eben auch eine mögliche Gefährdung der Versorgungssicherheit, so die Forscher. Schäden können dabei auf vielfältige Weise entstehen, sagt Schwanebeck. Neben natürlichen Einflüssen könnten auch Katastrophen wie zum Beispiel Schiffskollisionen mit Windparks oder aber menschliche Eingriffe solche Lagen auslösen. „Denkbar sind zum Beispiel Angriffe auf die Software im Rahmen eines Cyber Wars“, nennt Matthias Dreyer vom ISL als ein Szenario.

Welche Situation es geben könnte, wie man vorbeugt und auch welche Gegenmaßnahmen man ergreifen kann, steht neben vielen anderen Fragen wie etwa der rechtlichen Komponente im Mittelpunkt des Forschungsprojekts, in dem interdisziplinär gearbeitet wird und unter anderem Ingenieure sowie Sicherheitsfachleute, Logistiker und Juristen tätig sind. „Wir wollen Konzepte entwickeln und am Ende möglichst als Standard etablieren“, sagt Koordinator Henry Seifert vom FK Wind.

Das soll zunächst im Labor entwickelt und dann getestet werden. Dazu wollen die Fachleute auf das Führungs- und Lagezentrum der Hochschule zurückgreifen, das vor einigen Jahren im Haus T auf dem Campus eingerichtet wurde und das auch als Reserve für den Katastrophenschutz dient. „Damit haben wir eine sehr gute Möglichkeit, Lagen zu simulieren und ausgearbeitete Verfahren zu überprüfen“, sagt Schwanebeck. Daraus könnten Leitfäden, Checklisten und verbindliche Vorgaben entstehen.

Noch ist eine solche Lage nicht eingetreten, doch das Risiko schätzen die Fachleute als nicht gering ein. „Wir gehen davon aus, dass die bisher entwickelten Maßnahmen und Konzepte eben nicht reichen“, sagt Schwanebeck. „Ich bin jetzt schon neugierig auf das, was am Ende stehen wird“, sagt er. Auch wenn man jetzt noch nicht genau abschätzen könne, wie genau das aussieht. Aber das sei ja auch das Spannende.

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