Wandern und Wein trinken

Roter Stein, roter Wein

Unterwegs auf dem Fränkischen Rotwein-Wanderweg – Von Großwallstadt nach Bürgstadt
19.08.2020, 15:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Brigitte Bonder
Roter Stein, roter Wein

Der Fränkische Rotwein-Wanderweg, hier mit Blick auf Klingenberg, erstreckt sich von der Winzergemeinde Großwallstadt bis nach Bürgstadt – eine Hochburg brillanter Spätburgunder. Winzer Friedrich Herkert empfängt
Interessierte unterwegs für eine Verkostung.

Thomas Sbikowski

Die Sonne scheint von einem fast wolkenlosen Himmel auf den roten Buntsandstein des Erlenbacher Hochbergs hinab. Eine Gruppe bunt gekleideter Wanderer erklimmt die steilen Steintreppen zwischen den Spätburgunder-Rebstöcken und folgt der vierten Etappe des Fränkischen Rotwein-Wanderwegs zu einer Picknickplattform mit Holzliegen. Dort lässt sich die Aussicht genießen.

Wenig weiter leuchtet das blauweiße Karohemd von Friedrich Herkert im Weinberg. Der Winzer bringt seine Reben in Form, schneidet hier und da etwas zurück. Fröhlich begrüßt der Mittsechziger die Gruppe, greift in eine blaue Kühlbox und öffnet eine Flasche seines Klingenberger Spätburgunders. Mit Blick auf den gleichnamigen Weinort am Main genießen die Wanderer den roten Rebsaft und lassen sich von dem pensionierten Standesbeamten in die Geheimnisse des Weinbaus einweihen.

Seit dem Jahr 1990 verbindet der Fränkische Rotwein-Wanderweg die Weinlagen Churfrankens. Die Region liegt zwischen Odenwald und Spessart und ist von Frankfurt aus schnell erreicht. Ab Aschaffenburg geht es über das sogenannte lange Handtuch, die gut ausgebaute Bundesstraße 469, in 30 Minuten zum Hauptort Miltenberg. Für die malerische Altstadt sollten sich Urlauber übrigens Zeit nehmen. Das schmucke Städtchen am Main lockt mit historischen Fachwerkhäusern, der ältesten Fürstenherberge Deutschlands und Craftbeer-Verkostungen in der Familienbrauerei Faust.

Der Rotwein-Wanderweg beginnt weiter nördlich in Großwallstadt und führt über Elsenfeld, Erlenbach, Klingenberg und Großheubach nach Miltenberg. Sein Endpunkt nach rund 79 Kilometern ist das bekannte Weindorf Bürgstadt, wo Spitzenwinzer Rudolf Fürst für seine Spätburgunder eine Auszeichnung nach der nächsten einheimst.

Die Wandergruppe hat die ersten, waldreichen Abschnitte hinter sich gelassen und spaziert oberhalb von Elsenfeld durch die Rebhänge des „Rücker Schalk“. Hier wachsen neben den weißen Rebsorten Müller Thurgau und Bacchus hauptsächlich rote Sorten wie Portugieser, Spätburgunder und Dornfelder. Mittags kehren die Genusswanderer im Weindorf Rück in die gemütliche Häckerwirtschaft Schalkhaus von Jürgen Hefner ein und stärken sich mit einem traditionellen Vesper. Dann geht es weiter über den Rückbesinnungsweg zum ehemaligen Zisterzienserkloster Himmelthal. „Die verschiedenen Kunstwerke entlang des fünf Kilometer langen Rundwegs symbolisieren Werte wie Achtsamkeit, Hoffnung oder Dankbarkeit und laden ein, neue Wege zu gehen“, erläutert Marga Hartig. Die Gästeführerin hat auch einen Schlüssel zur sehenswerten Klosterkirche und verrät, wo der Künstler seine barbusige Muse in den Fresken verewigt hat.

Die nächste Etappe zählt zu den schönsten und aussichtsreichsten des Fränkischen Rotwein-Wanderwegs. Ab Erlenbach spazieren die Wanderer entlang der rund einhundert Weinterrassen, die sich vom Main hinauf zum Waldrand erstrecken. Am Ortseingang des Etappenziels Klingenberg lohnt das angenehm kühle, canyonartige Seltenbachtal mit seinen über 100 Jahre alten Felsenkellern einen Abstecher. Der Ort blickt auf 300 Jahre Tonbergbaugeschichte zurück, erst 2011 wurde das Bergwerk geschlossen. Heute lockt das hübsche Fachwerkdorf mit zahlreichen Ateliers regionaler Künstler, den alljährlich stattfindenden Burgfestspielen und dem Alten Gewürzamt des ehemaligen Sternekochs Ingo Holland.

Auf der letzten Tagesetappe von Großheubach nach Bürgstadt wartet Hobby-Winzer Walter Schnall auf die Wandergruppe. Der Gästeführer erklärt entlang des Großheubacher Weinlehrpfades die verschiedenen Rebsorten und kennt zu jeder Pflanze am Wegesrand Namen und Heilkraft. „Der Weinbau in unseren Steillagen ist sehr aufwendig“, sagt Schnall. „Winzer müssen für die Bewirtschaftung etwa doppelt so viel Zeit aufbringen wie für einen flacheren Weinberg.“ Plötzlich verschwindet er zwischen den Rebstöcken, kommt mit einer blauen Kühlbox zurück, verteilt Gläser und schenkt ein. Natürlich einen Spätburgunder aus der Region. Leichten Fußes legt die Wandergruppe die letzten Kilometer zurück, überquert den Main in Miltenberg und umrundet die berühmte Weinlage Bürgstädter Centgrafenberg. Und auch dort leuchtet wieder eine Kühlbox im Weinberg. Die ist aber für eine andere Gruppe bestimmt.

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Unterwegs in Churfranken

Zahlreiche Tipps, außergewöhnliche Entdeckungstouren, eine Reisekarte und ausgewählte Lieblingsorte bietet das Reise-Taschenbuch Franken auf 296 Seiten. 17, 80 Euro, Dumont Reiseverlag.

Unterkunft: Hotel Weinhaus Stern, Hauptstraße 23/25, 63927 Bürgstadt, Doppelzimmer mit Frühstück ab 90 Euro. Weitere Informationen unter www.hotel-weinhaus-stern.de.

Genusstipps: Das Sortiment der Churfranken Vinothek umfasst mehr als 100 Weine verschiedener Churfranken-Winzer, Hauptstraße 2, 63927 Bürgstadt, weitere Informationen unter www.churfrankenvinothek.de. Im Alten Gewürzamt bietet der ehemalige Sternekoch Ingo Holland eine große Auswahl an qualitativ hochwertigen Gewürzen.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.frankentourismus.de und www.churfranken.de.

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