Industriestadt wird Trend

Von der Motor-City an den Lake Michigan

Szeneviertel, Craft-Beer-Brauereien und Hotspots rund um das Automobil machen Detroit zur Trenddestination
30.04.2021, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Brigitte Bonder

Die 13 Sonnenliegen auf dem schmalen Rasenstreifen hinter dem Kinderkarussell sind heiß begehrt. Kaum erhebt sich jemand von einem der hellgrünen Sitzmöbel, rauscht schon der nächste Erholungssuchende herbei und sichert sich einen aussichtsreichen Platz am Fluss. Schnellboote sausen über den breiten Strom, am anderen Ufer weht eine riesige Flagge Kanadas. Auf der Promenade hinter den Liegen ist an diesem sonnigen Tag viel los. Hauptsächlich Einheimische joggen, skaten oder radeln über den breiten Weg, gönnen aber den Hochhäusern des Renaissance-Centers keinen Blick. Nur eine Handvoll Urlauber fotografiert das Hauptquartier von General Motors und macht Selfies vor den Graffiti-Rennwagen am Fuß der Türme. Es ist ein normaler Sommertag – noch vor der Pandemie.

Die Motor-City liegt im Südosten Michigans direkt an der Grenze zu Kanada. Detroit hat die amerikanische Kultur geprägt, dort wurde der legendäre Motown-Sound geboren und dank Henry Ford die ersten Autos am Fließband gefertigt. Nach der schweren Wirtschaftskrise, während der ein Großteil der Bewohner die Stadt verließ, erfand sich Detroit wieder neu und hat es bei den Lonely Planet Reiseempfehlungen für 2018 sogar auf Platz 2 geschafft. „Detroit ist jetzt absolut eine Reise wert, hier gibt es jeden Tag etwas Neues zu entdecken“, verspricht Deanna Majchrzak vom örtlichen Tourismusbüro.

Künstler, Designer und andere Kreative sorgen für einen Neustart der Szene in Downtown, auch in Midtown entstehen aufgrund der noch niedrigen Mieten in alten Industriegebäuden moderne Shops, Mikrobrauereien oder Galerien. Dort hat Detroits Vorzeigemarke Shinola ihren Flagship-Store, nebenan kann man bei Third Man Records beim Pressen der Schallplatten zuschauen, gegenüber im Biergarten gibt es gute Pizzen und Bier bei der Motor Brewing Company. Im Zentrum zieht die neue Hockey- und Basketballarena Sportinteressierte an, die frisch eröffnete Q-Line-Straßenbahn verbindet einige Hotspots und auch mit dem fahrerlosen „People Mover“ lässt sich Downtown gut erkunden.

Autofans haben in und um Detroit viel zu tun, schließlich war der Pionier der Automobilindustrie dort zu Hause. „Zu den Highlights zählt das Henry-Ford-Museum in Dearborn“, empfiehlt Deanna Majchrzak einen Abstecher in den eine halbe Autostunde entfernten Ort. Neben Kutschen, Limousinen der Präsidenten und Fahrzeugen aller Generationen sind dort auch historische Eisenbahnen, Flugzeuge oder Dampfmaschinen zu sehen. Nebenan im Greenfield Village ist eine Fahrt mit dem berühmten Modell T aus dem Hause Ford ein Muss. Erstaunlich gemütlich schaukeln Urlauber mit den knapp 100 Jahre alten Fahrzeugen durch das Freilichtmuseum, in dem unter anderem das Originallabor von Thomas Alva Edison, Erfinder der Glühbirnen, und das Wohnhaus der Brüder Wright, Pioniere der US-amerikanischen Luftfahrt, zu besichtigen sind. Der Produktion des Pickups F-150 von Ford können Gäste wenig weiter in der Ford Rouge Fabrik zuschauen.

Wer nach so vielen Eindrücken noch ein paar Tage am Strand relaxen möchte, fährt an den knapp drei Autostunden entfernten Lake Michigan, einen der fünf großen Seen im Nordosten der USA. Das ist Tradition in Michigan. Denn zwischen Memorial Day Ende Mai und Labor Day Anfang September verbringen viele Einheimische ihre freie Zeit am Strand. Kilometerlange Sandstrände, salzfreies Seewasser und leuchtend rote Leuchttürme kennzeichnen die Küste, überall locken gemütliche Badeorte mit freundlichen Holzhotels und Craft-Beer-Brauereien. Ein guter Ausgangspunkt ist Grand Haven. In der kleinen Fußgängerzone locken Drachengeschäfte, Boutiquen und Schokoladenmanufakturen. Über die Promenade am Fluss ist der breite Sandstrand in wenigen Minuten erreicht. Abends lockt das tägliche Springbrunnenspektakel „Musical Fountain“. Den Absacker bestellt man in einer der Mikrobrauereien.

Die Strandtour führt entlang der weiten Dünenlandschaften gen Süden zum Künstlerort Saugatuck, wo auch die Weinstraße von Lake Michigan beginnt. Bereits vor mehr als 100 Jahren gründete das Chicagoer Kunstinstitut dort seine Ox-Bow-Schule. „Seither haben zahlreiche Maler kleine Galerien eröffnet und locken Urlauber aus aller Welt an“, erzählt Josh Albrecht vom Tourismusbüro der Stadt.

Während der Sommersaison geht es tagsüber mit der historischen Fähre hinaus zum Oval Beach, laut Condé Nast einem der 25 schönsten Strände der Welt. Wer dort die Dünen überquert, wähnt sich am Meer. Der salzfreie See erstreckt sich bis zum Horizont, Kinder bauen Sandburgen und planschen im flachen Wasser. Sonnenstühle gibt es dort zwar nicht, doch den Sommer über sind wie am Detroit River die Liegeplätze heiß begehrt.

Die Reise wurde unterstützt von Michigan Tourismus.

Info

Zur Sache

Detroit und Lake Michigan

Anreise: Von Frankfurt fliegt Lufthansa nonstop nach Detroit ab 700 Euro. Infos unter www.lufthansa.com. United, Air France und Delta bieten ähnliche Konditionen. Vom Flughafen geht es nach Detroit Downtown mit dem neuen Fast-Bus (60 Minuten, zwei Dollar). Teurer ist die Fahrt mit dem Taxi. In der Stadt bewegt man sich zu Fuß, mit dem führerlosen „People Mover“ (0,75 Dollar pro Fahrt), mit der Straßenbahn (Fahrt 1,50, Tageskarte drei Dollar) oder mit dem Leihfahrrad (Mogo, acht Dollar pro 24 Stunden).

Übernachten: im Detroit Foundation Hotel, 250 W Larned Street, weitere Infos unter www.detroitfoundationhotel.com. Die ehemalige Feuerwache in Downtown wurde in ein modernes Hotel mit stylishen Zimmern umgewandelt. Wo früher Feuerwehrfahrzeuge standen, serviert heute im Apparatus Room der mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Küchenchef Thomas Lents amerikanische Küche. Doppelzimmer ab 199 Dollar. 2018 eröffnet hat das zentral gelegene The Siren, 509 Broadway Street, Infos unter www.thesirenhotel.com. Doppelzimmer ab 159 Dollar.

Essen und Trinken: Typisch für Michigan sind die Coney Island Restaurants, in denen sich alles um Hotdogs dreht. Zu den ersten und bekanntesten zählen Lafayette Coney Island, 118 W Lafayette Blvd, und American Coney Island (www.americanconeyisland.com) in Downtown Detroit. Klassische Burger serviert etwa das Townhouse, 500 Woodward Ave, www.eatattownhouse.com. Super Barbecue gibt es bei Slows Bar BQ im Szeneviertel Corktown, www.slowsbarbq.com.

Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten: Historische Fahrzeuge, Eisenbahnen, Präsidentenlimousinen, amerikanische Erfindungen und vieles mehr erwartet die Besucher täglich von 9.30 bis 17 Uhr im Henry-Ford-Museum. Nebenan im Greenfield Village lockt Sehenswertes aus der Gründerzeit Amerikas, wie das Labor von Thomas Edison. Das Freilichtmuseum hat im Sommer täglich von 9.30 bis 17 Uhr geöffnet. Einen Einblick in die moderne Autoproduktion ermöglicht die Ford Rouge Factory Tour jeweils montags bis sonnabends von 9.30 bis 17 Uhr. Adresse: 20900 Oakwood Boulevard, Dearborn, Info im Internet: www.thehenryford.org. Musikfans tauchen im Motown Museum in die Erfolgsgeschichte des legendären Sounds ein. Adresse: 2648 West Grand Boulevard, Detroit. Infos im Internet: www.motownmuseum.org

Allgemeine Auskünfte erteilt das Tourismusbüro Michigan unter www.michigan.org. Infomaterial gibt es telefonisch unter 02 11 / 86 84 25 87 oder per E-Mail unter michigan@travelmarketing.de.

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