Natur und Tiere auf den Seychellen erleben

Viel mehr als das Klischee von Sonne und Strand

Auf den Seychellen können Urlauber an wunderschönen Stränden baden, aber eben auch einzigartige Tiere und Pflanzen entdecken
19.02.2019, 11:36
Lesedauer: 7 Min
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Von Marie-Chantal Tajdel
Viel mehr als das Klischee von Sonne und Strand

Ein Traumstrand auf der Insel Praslin.

Marie-Chantal Tajdel

Praslin. „Zimt“, sagt Shaun Larue und scheint das Wort förmlich auszuspucken. „Den könnt ihr gern mit nach Deutschland nehmen.“ Früher war Zimt ein beliebtes und teures Exportgut, doch das hat sich geändert – zumindest im Urwald vom Vallée du Mai. Dort habe die Pflanze nichts verloren, sagt er. Sie breite sich überall aus und nehme den heimischen Pflanzen ihren Lebensraum. „Zimt ist deshalb ein Problem“, sagt der 27-Jährige. Er führt Gruppen durch das Vallée du Mai auf der Granitinsel Praslin. Der Palmenurwald beheimatet den größten intakten Bestand der endemischen Seychellenpalme Coco de Mer und wurde 1983 deshalb in die Liste des Unesco-Weltnaturerbes aufgenommen.

Parkführer Shaun Larue mit zwei Kokosnüssen der Palme Coco de Mer.

Parkführer Shaun Larue mit zwei Kokosnüssen der Palme Coco de Mer.

Foto: MARIE-CHANTAL TAJDEL

„Der Palmenurwald ist 167 Millionen Jahre alt“, sagt Shaun Larue. Sechs unterschiedliche Palmenarten wachsen dort. Doch die bekannteste ist die Coco de Mer, von der es weibliche und männliche Pflanzen gibt. Früher glaubten die Menschen, dass sich die Palme in stürmischen Nächten vermehrten, wenn sich niemand in den Wald traute. Wie aber wirklich junge Palmen entstanden, war jahrzehntelang unbekannt. Schließlich fanden Forscher heraus, dass Geckos bei der Befruchtung helfen. Sie fressen den Nektar der männlichen Palmen und werden anschließend von den Blüten der weiblichen Pflanzen angezogen.

Für den 27-jährigen Naturführer ist die Coco de Mer so faszinierend, dass er dafür seinen ursprünglichen Job bei einer Bank aufgegeben hat. „Ich mache das hier leidenschaftlich gern“, sagt er und verweist gleich auf eine weitere Besonderheit der riesigen Palmen: Normale Kokosnüsse benötigen etwa zwei Wochen, bis sie ausgereift sind. Bei der Coco de Mer dauert der Reifeprozess dagegen sieben Jahre. „Island time“, nennt Shaun das und verweist damit darauf, dass auf den Seychellen alles ein wenig langsamer und entspannter ist. Das gilt übrigens nicht nur für Kokosnüsse. Auch sonst begegnet den Reisenden auf den Inseln immer wieder die „Island time“, wenn es mal irgendwo stockt.

Mehr als 20 Kilogramm wiegt eine Meereskokosnuss mit „ihrer Boxershorts“, wie Shaun sagt. Gemeint ist damit das grüne Fruchtfleisch, das alle Kokosnüsse im ersten Stadium noch umgibt. Drei Monate dauert es, bis sie ihre Boxershorts verliert.

Auch wenn die Frucht Meereskokosnuss heißt, breitet sie sich nicht mithilfe des Meeres aus. Sie sei zu schwer, falle einfach unter den Baum und entwickeln sich von dort aus, erläutert Shaun Larue. Bis zu acht Meter lang können die Samenstränge der Kokosnüsse werden. Ihren Namen hat sie aber trotzdem von einem Forscher, der sie im Meer hat schwimmen sehen. Vermutet wird, dass sie an Bord eines Schiffes war, das untergegangen ist. Irgendwann hat der Zersetzungsprozess eingesetzt und die Coco de Mer schwamm an der Oberfläche und wurde dort – übrigens in der Nähe der Malediven, wo sie nicht heimisch ist – entdeckt.

Viele seltene Tiere und Pflanzen

„Auch wenn die Nuss einen sehr schönen Namen hat, hätten wir ihr einen anderen gegeben“, sagt Shaun Larue und grinst. „Wir hätten sie Popo-Nuss genannt“. Denn im Kreolischen werde alles vereinfacht und exakt beschrieben. „Wir haben die einfachste Sprache der Welt“, ist er sich sicher.

Im Park L‘Union Estate auf La Digue werden in einer mechanischen Mühle (im Hintergrund) Kokosnüsse ausgepresst. So entsteht Kokosnussöl.

Im Park L‘Union Estate auf La Digue werden in einer mechanischen Mühle (im Hintergrund) Kokosnüsse ausgepresst. So entsteht Kokosnussöl.

Foto: Marie-Chantal Tajdel

Wenn man es genau nimmt, dann ist nicht nur die Sprache besonders, die Seychellen sind vielmehr ein einziges Naturwunder. Denn in keinem anderen Land der Welt leben so viele seltene Tiere und wachsen so einzigartige Pflanzen, Bäume und Blumen, wie auf den 115 Inseln im Indischen Ozean. So gibt es im Vallée du Mai etwa den Black Parrot. Der schwarze Papagei sieht aus wie eine Taube, nur mit einem gekrümmten Schnabel. Er lebt nur dort, wo es auch die Coco de Mer gibt. Denn die Vögel nisten ausschließlich in abgestorbenen Ästen der Palme. Lange Zeit war der Bestand stark gefährdet. Der größte Feind der seltenen Papageien sind aber ebenfalls eingeschleppte Arten: Ratten. Sie klettern in die Bäume und fressen die Eier. Vor zwei Jahren gab es auf den Seychellen nur noch etwa 500 bis 900 der Vögel. Mittlerweile hat sich der Bestand auf 1000 bis 1300 schwarze Papageien erholt, erzählt Shaun. „Das ist eine gute Entwicklung“. Einer der Gründe für diese Entwicklung ist, dass es keine Ratten auf den Inseln Aride und Cousin gibt. „Und das bleibt hoffentlich auch so“, sagt er.

Eine weitere seltene Art sind die Aldabra-Landschildkröten auf den Seychellen. Sie stammen vom Aldabra-Atoll, dass ebenfalls zu den Seychellen gehört, aber 1000 Kilometer von den Inneren Seychellen entfernt ist. Dort sollen 200 000 dieser Landschildkröten leben. Vermutlich sind sie vor Hunderttausenden von Jahren auf die anderen Inseln übergesiedelt. Damals war der Wasserspiegel niedriger, sodass Schildkröten die anderen Inseln erreichen konnten.

Eine Schildkröte zur Geburt

Touristenattraktion: Frei lebende Landschildkröte neben einer Straße auf La Digue.

Touristenattraktion: Frei lebende Landschildkröte neben einer Straße auf La Digue.

Foto: Marie-Chantal Tajdel

Um die Aldabra-Schildkröten zu beobachten, muss man aber nicht bis zu dem Atoll oder einen Park reisen. Wer etwa mit dem Fahrrad auf der fast autofreien Insel La Digue unterwegs ist, wird sie immer mal wieder am Straßenrand sehen; und manchmal auch auf den Straßen. Die 200 bis 300 Kilogramm schweren Tiere neben die Straße zu tragen, ist allerdings alles andere als leicht. „Man schafft es nur mit fünf Leuten, sie anzuheben“, sagt Stefan Lewis. Er ist Digital Marketing Manager im Resort Raffles Seychelles und begleitet immer mal wieder Gruppen bei Radtouren auf La Digue. Er erzählt, dass nur etwa 40 Prozent der jungen Schildkröten überleben, nachdem sie geschlüpft sind.

Die gemächlichen Tiere sind auf den Seychellen äußerst beliebt. „Früher war es Tradition, dass Väter ihren Kindern bei der Geburt eine Schildkröte geschenkt haben“, erzählt Stefan Lewis. Die älteste Schildkröte der Welt, Esmeralda, ist geschätzt 300 Jahre alt und lebt auf den Seychellen. Da Schildkröten so alt werden, aber längst nicht mehr alle Seychellois auf den Inseln bleiben, adoptiert das Raffles-Resort seit einiger Zeit die Tiere. Mittlerweile leben elf von ihnen in einem großen Gehege auf dem Hotelgelände.

La Digue ist aber nicht nur für seine Schildkröten und die fantastische Natur bekannt, sondern auch für seine schönen Strände. Bei der – durchaus anspruchsvollen – Radtour über die bergige Insel, landen die Radler unweigerlich an Orten am Meer, die als die schönsten oder meistfotografierten Strände der Welt gelten. Das Schöne: Dort tummeln sich meist nur einige wenige Touristen. Die Regierung der Seychellen überlegt allerdings seit einiger Zeit, den Tourismus auf den bisher exklusiven Inseln für Jedermann zu öffnen. Und obwohl das Seegebiet rund um die Seychellen als nicht gerade einfach befahrbar gilt und die Häfen eher klein sind, legen zunehmend Kreuzfahrtschiffe Kurs auf die Inseln an. Nicht allen Seychellois gefällt das.„Wir haben gesehen, dass der Massentourismus Urlaubsinseln zerstört“, sagt Shaun
Larue. Stattdessen solle man lieber auf einen selektiven Tourismus setzen, sagt er.

Denn dafür biete sich die Inselgruppe an: Die Seychellen sind längst mehr als das Klischee von Sonne, Strand und Luxus. Es gibt wenig Autoverkehr, deshalb kann man auf den Seychellen gut Radfahren. Außerdem bieten sich die grünen, hügeligen Inseln für ausgedehnte Wanderungen an. Ein weitere großer Vorteil: Auf den Seychellen gibt es keine giftigen Schlangen, Spinnen oder Raubtiere. Die Vielfalt an Land setzt sich außerdem unter Wasser fort. Taucher und Schnorchler können Wasserschildkröten, den Seychellen-Aal oder Walhaie beobachten. „Die sehen wir sogar manchmal, wenn wir auf Angeltour sind“, erzählt Stefan Lewis.

Auf den Seychellen wird in Plantagen auch Vanille angebaut.

Auf den Seychellen wird in Plantagen auch Vanille angebaut.

Foto: Marie-Chantal Tajdel

Viele Hotels und Resorts setzen außerdem zunehmend auf Nachhaltigkeit und unterstützen Projekte, bei denen Palmen aufgeforstet werden oder Teile der Natur und ihren Bewohnern überlassen werden. Zahlreiche Inseln sind außerdem unbewohnt, um Schildkröten, schwarzen Papageien und vielen anderen Tieren zu Lande und Wasser Ruhezonen zu bieten. Besucher sind dort meist willkommen, wie auf der Vogelinsel Cousin oder auf Curieuse, wo es eine Schildkrötenaufzuchtstation gibt.

Außerdem bauen kleine Farmen und zahlreiche Hotels mittlerweile zunehmend ihr eigenes Gemüse an. Denn obwohl die tropischen Inseln äußerst fruchtbar sind, wurden Lebensmittel jahrelang extrem billig importiert – außer die Gewürzpflanzen, die auf den Seychellen wachsen. Dazu gehört neben Vanille, Chillies, Muskatnüssen oder Zitronengras natürlich auch Zimt. Für Rakesh Puldee, Sous-Chef im Raffles, übrigens eine wichtige Zutat, um ein kreolisches Leibgericht zu zubereiten: Fledermaus-Curry.

Die Reise wurde unterstützt vom Raffles Seychelles und von Trauminselreisen.

Info

Zur Sache

Seychellen

Anreise: Von Deutschland bietet Condor zwei mal in der Woche Direktflüge von Frankfurt auf die Seychellen an. Qatar Airways fliegt nicht direkt von Frankfurt über Doha nach Mahé, auf die Hauptinsel der Seychellen. Emirates fliegt auch von Hamburg über Dubai nach Mahé. Von dort aus geht es mit einem kleinen Flieger in etwa 20 Minuten weiter bis nach Praslin. Andere Inseln erreicht man mit der Fähre.

Unterkunft: Luxuriös können Urlauber im Fünf-Sterne-Resort Raffles Seychelles nächtigen. Der Reiseveranstalter „Trauminselreisen“ bietet Reisen mit sieben Nächten ab 2589 Euro pro Person inklusive Frühstück sowie mit Transfer im Privatwagen mit Chauffeur ab/bis Flughafen Praslin Island an. Weitere Informationen unter www.trauminselreisen.de sowie zum Raffles Seychelles unter www.raffles.com/seychelles. Übernachten lässt es sich auf den Seychellen aber auch günstiger, etwa in familiären Gästehäusern. Informationen dazu unter www.seychelles.travel.

Eine beste Reisezeit gibt es aufgrund des tropischen Klimas auf den Seychellen nicht.

Reiseführer: Empfehlenswert ist der Reiseführer „Seychellen“ von Wolfgang Därr, der bei Dumont erschienen ist. Er informiert ausführlich über alle Inseln, Ausflüge, Hotels und darüber, was man sonst noch alles wissen muss.

La Digue ist die viertgrößte Insel der Seychellen. Dort fahren nur einige Busse und Lastwagen. Ein Besuch eignet sich deshalb gut für eine Fahrradtour. Die Insel erreichen Urlauber mit dem Boot. Direkt am Hafen gibt es auch mehrere Fahrradverleiher. Urlauber sollten ruhig ein sportliches Rad mit vielen Gängen ausleihen. Die Insel ist hügelig und die Radtour durchaus anspruchsvoll. Da La Digue als die Seychellen-Insel mit den meisten und meistfotografierten Traumstränden gilt, bieten sich zahlreiche Badestopps an. Wer zum Strand Anse Source d‘argent möchte, muss zuvor den Park L‘Union Estate durchqueren. Für den Park zahlt man einen Eintritt von 125 Rupien (etwa acht Euro, Stand 12. Februar 2019). Dort kann man eine Vanilleplantage besichtigen, Souvenirs wie Kokosnussöl, Vanillestangen oder Zimtrinde kaufen und durch Alleen von Kokosnusspalmen radeln.

Vallée du Mai: Der Palmenurwald gehört seit 1983 zum Unesco-Weltnaturerbe. Heute wird der Wald von der Seychelles Island Foundation verwaltet. Naturschutz, Umweltbildung und Forschung haben dort deshalb einen hohen Stellenwert. Der Park hat täglich von 8.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 25 Euro. Ratsam ist es, mit einem Guide durch den Palmenwald zu schlendern. Um 9 Uhr und um 14 Uhr werden öffentliche Führungen angeboten. Weitere Informationen auf der englischsprachigen Webseite unter www.sif.sc.

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