Ernteroboter schütteln Mostäpfel im Akkord / Saftproduzent investiert in Mecklenburg-Vorpommern Vom Apfelbaum in den Tetrapak

Dodow. Tau liegt auf Wiesen und Blättern, die Sonne dringt langsam durch den Morgennebel. In der Region um Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern hat die Apfelernte begonnen.
14.09.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Grit Büttner

Tau liegt auf Wiesen und Blättern, die Sonne dringt langsam durch den Morgennebel. In der Region um Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern hat die Apfelernte begonnen. Doch nicht romantisch mit Korb und Leiter rücken die Erntehelfer den Früchten zu Leibe. Rüttelmaschinen, gezogen von Traktoren, fahren die Reihen ab. Alle paar Minuten schütteln die Greifer ein Bäumchen durch. Tausende Äpfel prasseln auf Planen, Förderbänder transportieren sie in Anhänger, die schließlich aus der Plantage gezogen und umgehend zum neuen Werk des zur Riha Wesergold Getränke GmbH aus Rinteln gehörenden Saftproduzenten in Dodow gefahren werden.

Innerhalb weniger Stunden wandert jeder Apfel in die Presse, betont Michael Paul, Leiter des betriebseigenen Mostobstanbaus im nahen Schwechow. Menge und Qualität der Ernte von 560 Hektar Ertragsflächen könnten in diesem Jahr Spitzenwerte erreichen, sagt er. 25 000 Tonnen, davon zehn Prozent Bio-Äpfel, sollen die Plantagen abwerfen und damit das Gros der gesamten Landesernte Mecklenburg-Vorpommerns von insgesamt 32 000 Tonnen.

Angesichts des überfüllten europäischen Marktes und des russischen Importverbots seien die Preise aber im Keller und lägen für die Obstbauern bei nur noch sechs Cent je Kilogramm, schränkt Paul ein. In der sogenannten Griesen Gegend Südwestmecklenburgs dauert die Saison von September bis Ende November. In einem der größten deutschen Apfelanbaugebiete kommen seit 2001 Maschinen für das Einholen der Mostäpfel zum Einsatz. Die „stählernen Erntehelfer“ wurden extra für den ostdeutschen Standort konstruiert. Jeder schüttelt pro Tag 1500 bis 2000 Bäume leer.

Um der jährlich wachsenden Apfelflut Herr zu werden, hat der ostdeutsche Saftriese nun kräftig investiert. In den letzten zwölf Monaten flossen 15 Millionen Euro in ein komplett neues Werk mit nun vier statt vormals zwei automatischen Saftpressen. Allein die Technik kostete acht Millionen Euro. In dem gerade eingefahrenen Neubau könnten biologisch und konventionell erzeugte Früchte nunmehr erstmals parallel vermostet werden, erklärt Jehring.

Im Herbst liefen die vollautomatisch gesteuerten Pressen rund um die Uhr. Jede könne stündlich bis zu zehn Tonnen Obst verarbeiten. Insgesamt sollen pro Jahr 50 000 Tonnen Äpfel zu Saft gepresst werden, darunter auch zugekaufte süßere Früchte aus Süddeutschland und Obst aus dem Alten Land. Allerdings ist der Saftkonsum in Deutschland derzeit leicht rückläufig. Der Export sei dagegen stabil.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+