Eick von Ruschkowski will als künftiger Leiter der Alfred Toepfer Akademie Naturschutz neue Akzente setzen Vom Trecker in die Akademie

Ob der Großonkel wohl wusste, was er tat, als er Eick von Ruschkowski vor gut 30 Jahren ein zerfleddertes Buch zur Vogelbestimmung in die Hand drückte? „Jedenfalls hat mich das Thema dann nicht mehr losgelassen“, erzählt der 42-Jährige aus Sehnde. Ruschkowski wurde mit elf Jahren Mitglied im damaligen Deutschen Bund für Vogelschutz, der 1990 zum Naturschutzbund Deutschland (Nabu) umfirmierte.
19.02.2017, 00:00
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Vom Trecker in die Akademie
Von Martin Wein

Ob der Großonkel wohl wusste, was er tat, als er Eick von Ruschkowski vor gut 30 Jahren ein zerfleddertes Buch zur Vogelbestimmung in die Hand drückte? „Jedenfalls hat mich das Thema dann nicht mehr losgelassen“, erzählt der 42-Jährige aus Sehnde. Ruschkowski wurde mit elf Jahren Mitglied im damaligen Deutschen Bund für Vogelschutz, der 1990 zum Naturschutzbund Deutschland (Nabu) umfirmierte. Mit Feldstecher und dem Bestimmungsbuch zählten Ruschkowski und sein Bruder Goldammern und Zaunkönige. Die Begeisterung mag auch dadurch gefördert worden sein, dass die Jungen bei solchen Gelegenheiten häufig auf dem Trecker mitfahren durften.

Nach dem Abitur machte der Niedersachse das Hobby zum Beruf. Er studierte Umweltwissenschaften in Lüneburg, arbeitete zwei Jahre lang als Redakteur für die Wissenschaftszeitschrift „Science“ in den USA und promovierte schließlich als Stipendiat der Deutschen Stiftung Umweltschutz am Institut für Umweltplanung der Universität Hannover. Für seine Doktorarbeit forschte er über die Akzeptanz von Nationalparks in der Bevölkerung – ein Thema, das ihn heute noch umtreibt.

Bis Ende Februar arbeitet Ruschkowski als Fachbereichsleiter für Umweltpolitik und Mitglied der Geschäftsleitung in der Bundesgeschäftsstelle des Nabu in Berlin. Am 1. März übernimmt er von Johann Schreiner die Leitung der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz des Landes Niedersachsen in Schneverdingen.

Die Arbeit der Naturschützer sieht Ruschkowski durchaus selbstkritisch. „Wir müssen uns schon fragen, warum wir in den letzten 30, 40 Jahren insgesamt so wenig erreicht haben.“ Es gebe zwar immer wieder Meldungen zur Rettung einzelner Arten vor dem akuten Aussterben. „Aber die Gesamtprobleme löst das nicht. Wir leben als Menschheit weit über unsere Verhältnisse und verbrauchen viel mehr Ressourcen, als die Erde bereitstellen kann.“ Zwar sei es gut, statt einzelner Arten ganze Lebensräume zu bewahren. Mehr Erfolg verspricht aus Ruschkowskis Sicht aber, bei den Faktoren anzusetzen, die zum Verlust der Lebensräume führen.

Auch in Niedersachsen speziell fehlten ihm neue Ansätze zur Konfliktlösung in den Hauptproblemfeldern Verkehr, Landwirtschaft und Siedlungsbau. „Wir bewegen uns dabei zu sehr auf ausgetretenen Pfaden.“ Das habe allerdings auch mit Altlasten der schwarz-gelben Vor-gängerregierung im Land zu tun, die viele funktionierende Strukturen im Natur- und Umweltschutz zerschlagen habe. An diesen Punkten möchte Ruschkowski gerne neue Akzente setzen. In Schne-­verdingen ist er dabei an der richtigen Stelle. Zu den Aufgaben der Alfred Toepfer Akademie gehören Bildung, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit im Naturschutz sowie die Organisation des Freiwilligen Ökologischen Jahres in Niedersachsen.

Nachdem Ruschkowski seinen Schreibtisch in Berlin bereits geräumt hat, wird er sich in der kommenden Woche bereits einem aktuellen Hauptkonflikt zwischen Artenschutz und Bevölkerung in Niedersachsen widmen – wenn auch einige Tausend Kilometer entfernt. Bei einer Fachkonferenz der West Virginia University in Morgantown an der US-Ostküste erhofft sich Ruschkowski wertvolle Hinweise zum konfliktarmen Zusammenleben von Wolf und Mensch.

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