Rechtzeitig über Infektionskrankheiten informieren / Für Impfungen vor dem Urlaub genügend Zeit einplanen Vor möglichen Risiken schützen

Der Sommer ist da, der langersehnte Urlaub gebucht. In Gedanken hat man bereits den Koffer gepackt.
15.07.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Bianca Kläner

Der Sommer ist da, der langersehnte Urlaub gebucht. In Gedanken hat man bereits den Koffer gepackt. Auch wenn man vermeintlich an alles gedacht hat, gibt es doch eine wichtige Angelegenheit, die manch Reisender vergisst: Impfungen.

Während der wohlverdienten Auszeit vom Alltag krank zu werden, ist für Urlauber eine unangenehme Vorstellung. Einigen Erkrankungen kann man mit Impfungen vorbeugen. Daher gilt es, sich genau über das Reisegebiet zu informieren.

Viele Urlauber fahren etwa gern in die Türkei. „Als Reiseimpfungen werden Hepatitis A, bei Langzeitaufenthalt oder besonderer Exposition auch Hepatitis B und Tollwut sowie Typhus, je nach Region, empfohlen“, sagt Jörn Hons, Pressesprecher der AOK Bremen/Bremerhaven. Das Land sei eigentlich malariafrei, vor allem in den typischen Urlaubsregionen.

Nicht gegen alle Erkrankungen ist eine Impfung möglich. Das sollten etwa diejenigen berücksichtigen, die die beliebten Seychellen bereisen. Urlauber müssen laut Hons beachten, dass es weder eine Impfung beziehungsweise Chemoprophylaxe noch eine spezifische Therapie gegen Dengue- und

Chikungunya-Fieber (mückenübertragbare Erkrankungen) gibt. Persönliche Maßnahmen zur Minimierung von Mückenstichen seien die einzige Möglichkeit zur Vermeidung dieser Virusinfektionen. Aufgrund der mückengebundenen Infektionsrisiken empfehle er allen Reisenden, körperbedeckende helle Kleidung wie lange Hosen und Hemden zu tragen, tagsüber und in den Abendstunden Insektenschutzmittel auf alle freien Körperstellen wiederholt aufzutragen und selbst am Tag stets unter einem Moskitonetz zu schlafen.

Experten zurate ziehen

Auch wer in afrikanischen Ländern Ferien machen möchte, sollte sich ausgiebig informieren. So ist etwa Angola laut Weltgesundheitsorganisation WHO Gelbfieber-

Infektionsgebiet. „Eine gültige Impfung gegen Gelbfieber ist für alle Reisenden vorgeschrieben“, sagt Hons. Als Reiseimpfungen würden Hepatitis A und Typhus empfohlen, bei Langzeitaufenthalt

oder besonderer Exposition zusätzlich Hepatitis B, Tollwut und Meningitis.

„In Angola besteht ganzjährig und landesweit ein hohes Malariarisiko, auch in den Städten. Die Übertragung erfolgt durch den Stich blutsaugender nachtaktiver Anopheles-Mücken“, sagt der AOK-Sprecher. Unbehandelt verlaufe insbesondere die gefährliche Malaria tropica bei nicht-immunen Europäern häufig tödlich. Auch noch Wochen bis Monate nach dem Aufenthalt könne die Erkrankung ausbrechen. Für die Malariaprophylaxe seien verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente auf dem deutschen Markt erhältlich. Die Auswahl und persönliche Anpassung sowie Nebenwirkungen beziehungsweise Unverträglichkeiten mit anderen Medikamenten müsse der Urlauber unbedingt vor der Einnahme mit einem Tropen- oder Reisemediziner besprechen.

„Die meisten Reiseimpfungen kann auch der Hausarzt durchführen, die Konsultation eines tropen- oder reisemedizinisch weitergebildeten Arztes kann bei längeren Aufenthalten oder bei speziellen Reisebedingungen sinnvoll sein“, sagt Hons. Die Gelbfieberimpfung sei nur in autorisierten Zentren, den Gelbfieberimpfstellen, möglich. Im Bremer Raum sind das das Gesundheitsamt Bremen, die Praxis Dr. Zöhl in Achim sowie in Bremerhaven der Hafenärztliche Dienst.

Bei den Kassen erkundigen

Mit dem Thema Impfungen muss man sich rechtzeitig auseinandersetzen. „Häufig ist schon mehr als ein Arztbesuch notwendig, da nur mehrere Dosen eines Impfstoffes, gegeben in zeitlichen Abständen, für einen ausreichenden Impfschutz sorgen, zum Beispiel

Hepatitis B“, sagt Hons. Hinzu komme, dass einige Impfungen auch nicht gleichzeitig miteinander verabreicht werden dürften, weshalb es sich empfehle, optimalerweise mit dem Arzt rechtzeitig etwa acht Wochen vor der Reise einen Impfplan aufzustellen.

In Sachen Kostenübernahme gibt es laut Hons Unterschiede zwischen den Kassen, sodass sich gesetzlich Versicherte stets bei ihrem Gesundheitsversorger erkundigen müssen. Die AOK Bremen/Bremerhaven etwa biete im Rahmen eines Programms für zusätzliche Gesundheitsleistungen an, 80 Prozent der Kosten für erforderliche Impfungen bei Auslandsreisen zu übernehmen, soweit sie nicht beruflich bedingt seien. Dies beziehe sich auf Cholera, FSME / Frühsommer-Meningoenzephalitis (Zecken), Gelbfieber, Hepatitis A, Hepatitis B, Influenza, Meningokokken, Tollwut, Typhus, Malariaprophylaxe und Japanische Enzephalitis, soweit die Indikation in der Schutzimpfungsrichtlinien für Reisende beschrieben und im Zielland ebenfalls öffentlich empfohlen sei.

Reisende können sich auch online informieren, zum Beispiel auf der Internetseite des Bernhard-Nocht-Institutes für Tropenmedizin. Die Einrichtung bietet eine alphabetisch gegliederte Länderliste an, auf der Details zum Klima des Reiseziels sowie zu Impfvorschriften und -empfehlungen zu finden sind.

Zudem gibt es Tipps für die Reiseapotheke. Die Datenbank ist unter www.bnitm.de/reisen-impfen/reisemedizinische-beratung zu finden. Der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes bietet zu verbreiteten Infektionskrankheiten digitale Merkblätter, die man unter www.goo.gl/Q5zKvW herunterladen kann.

BK

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