Forscher untersuchen Einfluss der Bodenbearbeitung auf die Speicherung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre Was das Pflügen mit dem Klima zu tun hat

Böden enthalten Nährstoffe, speichern Wasser und Kohlenstoff. Damit liefern sie die Voraussetzung für das Wachstum von Pflanzen und helfen, Überschwemmungen zu verhindern und die Menge an Treibhausgasen in Grenzen zu halten. Als Filter sorgen sie zudem dafür, dass viele Schadstoffe nicht ins Grundwasser gelangen. Forscher gehen jetzt der Frage nach, ob eine alte Technik, nämlich das Tiefpflügen, helfen kann, die besonderen Eigenschaften von Böden besser zu nutzen.
05.02.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Was das Pflügen mit dem Klima zu tun hat
Von Jürgen Wendler

Böden enthalten Nährstoffe, speichern Wasser und Kohlenstoff. Damit liefern sie die Voraussetzung für das Wachstum von Pflanzen und helfen, Überschwemmungen zu verhindern und die Menge an Treibhausgasen in Grenzen zu halten. Als Filter sorgen sie zudem dafür, dass viele Schadstoffe nicht ins Grundwasser gelangen. Forscher gehen jetzt der Frage nach, ob eine alte Technik, nämlich das Tiefpflügen, helfen kann, die besonderen Eigenschaften von Böden besser zu nutzen.

Wenn Fachleute von Boden sprechen, meinen sie damit den oberen Bereich der Erdkruste, einen Grenzraum, der von der Luft ebenso beeinflusst wird wie vom Wasser und von Lebewesen, seien es Würmer, Bakterien oder andere Organismen. Böden entstehen dadurch, dass Überreste von Lebewesen wie Pflanzen zersetzt werden und Gestein verwittert, das heißt: Unter dem Einfluss von Wind und Regen sowie aufgrund des Wechselspiels von Kälte und Wärme werden mineralische Bestandteile aus dem Gestein herausgelöst.

Weil Gesteine, Vegetation und Klima nicht überall gleich sind, sind auch die Böden sehr unterschiedlich. Glücklich können sich Menschen dort schätzen, wo der Boden besonders fruchtbar ist. Ein Beispiel hierfür liefert die Magdeburger Börde mit ihrer Schwarzerde, die einen hohen Gehalt an Humusstoffen aufweist. Humus entsteht, wenn winzige Organismen im Boden die kohlenstoffhaltigen Überreste von Pflanzen und Tieren zersetzen.

Knapp ein Drittel der Fläche in Deutschland ist mit Wald bedeckt. Mehr als die Hälfte wird landwirtschaftlich genutzt. Noch in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg war es nach Angaben des Johann Heinrich von Thünen-Instituts, des Bundesforschungsinstituts für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, vielerorts in Nordwestdeutschland üblich, Ackerböden mit riesigen, fast drei Meter hohen Pflügen zu wenden. Dies habe helfen sollen, Nährstoffe und Wasser aus tiefen Bodenschichten für Pflanzen verfügbar zu machen. Wäre die Pflugschar nicht 90 Zentimeter oder noch tiefer durch den Boden gezogen worden, so das Institut, hätten verhärtete Schichten und Steine die Wurzeln der Pflanzen daran gehindert, in tiefere Bereiche zu gelangen. In den Siebzigerjahren sei das Tiefpflügen aus der Mode gekommen.

Zurzeit untersuchen Wissenschaftler des Braunschweiger Thünen-Instituts für Agrarklimaschutz und der Technischen Universität Braunschweig im Rahmen eines Forschungsprojekts, ob durch das Tiefpflügen vermehrt kohlenstoffhaltiges Material über lange Zeit im Boden gespeichert wird. Dazu sollen in den nächsten Monaten in vielen Gebieten Deutschlands Proben von Böden analysiert werden, die vor Jahrzehnten tief gepflügt worden waren. Erste Ergebnisse gibt es nach den Angaben der Experten von einer Fläche in Salzgitter. Dort sei die gespeicherte Humusmenge fast 50 Jahre nach dem Tiefpflügen knapp 30 Prozent höher als auf einer nicht in dieser Weise bearbeiteten Vergleichsfläche.

Die Forscher um Axel Don vom Thünen-Institut für Agrarklimaschutz möchten auch wissen, welche Auswirkungen das Tiefpflügen auf die Bodenfunktionen und den Ernteertrag hat. Ein hoher Humusgehalt könnte nach ihren Angaben helfen, die Erderwärmung einzudämmen. Bei der Verbrennung von Energieträgern wie Erdöl oder Kohle wird das kohlenstoffhaltige Treibhausgas Kohlendioxid freigesetzt. Allein im vergangenen Jahr betrug der vom Menschen verursachte Kohlendioxidausstoß rund 36 Milliarden Tonnen. Meere, Pflanzen und Böden nehmen einen Teil des freigesetzten Kohlendioxids auf. Aus Sicht von Klimaforschern ist es von Vorteil, wenn der darin enthaltene Kohlenstoff lange im Boden bleibt. So könnte verhindert werden, dass er als Bestandteil von Treibhausgasen zur Erwärmung beiträgt.

Was mit dem Kohlenstoff im Boden geschieht, ist eine Frage, mit der sich in jüngster Zeit unter anderem Wissenschaftler der Technischen Universität München beschäftigt haben. Eine Gruppe um die Professorin Ingrid Kögel-Knabner hat kürzlich im Fachjournal „Nature Communications“ eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass sich der Kohlenstoff nicht gleichmäßig im Boden verteilt. „Der Kohlenstoff bindet an Minerale, die wenige tausendstel Millimeter groß sind – und lagert sich dort fast ausschließlich an raue und kantige Flächen an“, erklärt Ingrid Kögel-Knabner. Vermutlich seien die rauen Mineraloberflächen ein bevorzugter Lebensraum von Mikroorganismen. Diese wandelten den Kohlenstoff um und seien daran beteiligt, dass er an Minerale gebunden werde.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+