Auf Safari in Simbabwe und Sambia

Was ein grobes Lachen in der Savanne bedeutet

Nachhaltiger Tourismus und das Verständnis für Natur und Wildtiere spielen in Simbabwe und Sambia eine immer größere Rolle
03.02.2020, 14:15
Lesedauer: 8 Min
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Von Marie-Chantal Tajdel
Was ein grobes Lachen in der Savanne bedeutet

In Sambia gibt es nur noch zehn frei lebende Nashörner.

Frank Arens

Hwange. Dieser Lärm ist starker Tobak. Dieses Brüllen, Kollern, Keckern, Jaulen, Knurren, Fauchen, Grunzen – und dann ist da ganz dicht am Zelt auch noch so ein grobes Lachen zu hören. Was ist das bloß? Der Blick durch das Gaze-Fenster zeigt nichts, nur Dunkelheit.

Wer das erste Mal auf Safari ist und nachts nur von einer dünnen, durchscheinenden Zeltwand von der Tierwelt Afrikas getrennt ist, kriegt möglicherweise kein Auge zu.
„African Nightmare“, nennt Guide Causemore Dzvene aus Simbabwe das am nächsten Morgen grinsend. Afrikanische Albträume. Er hat die Gäste um 5 Uhr geweckt. An Ausschlafen ist im Safari-Urlaub nicht zu denken. Der Tag folgt einem beinahe strengen Ablauf. Boot-camp, sagt ein anderer Gast augenzwinkernd: Um 5 Uhr Wecken, um 5.30 Uhr frühstücken, um 6 Uhr geht es los zur Morgensafari, und so weiter und so fort bis zum Dinner um 20 Uhr. Die Regelung aber hat einen wichtigen Grund: der glühenden Mittagshitze aus dem Weg zu gehen. Außerdem haben die Gäste so die Möglichkeit, die Tiere zu unterschiedlichen Tageszeiten zu beobachten.

Gleich am nächsten Morgen will Causemore die Gäste von ihren Albträumen befreien und erklärt während der Fahrt auch die Tierlaute der Savanne. Im dürren Gebüsch blicken Impalas auf, als der Geländewagen über die Sandpisten holpert. Sie sind ständige Begleiter der Safarifahrten. Überhaupt gibt es kaum Momente, in denen die Urlauber in der Wilderness Safaris-Lodge Chikwenya in Simbabwe keine Tiere sehen: Mal sind es Paviane und Gazellen, dann Wildhunde oder Flusspferde; plötzlich traben Zebras ganz in der Nähe des Flusses, der bunte Bienenfresser, der seine Nester in die Ufer des Sambesi baut, flattert vorbei – und natürlich stehen immer mal wieder Elefanten am Wegesrand. Causemore ist besorgt, als er eine Elefantenkuh mit ihrem Kalb sieht. „Die Kuh ist viel zu dünn“, sagt er und deutet auf die Knochen, die sich ganz deutlich unter der grauen Haut abdrücken. Es habe lange nicht mehr geregnet in Simbabwe, auch im vergangenen Jahr sei die Regenzeit sehr kurz gewesen, erzählt er. Bäume, Büsche und Gräser seien nicht so nachgewachsen wie normalerweise. Darunter litten besonders die Elefanten, die täglich bis zu 200 Kilogramm Grünzeug fressen. Weil sie in der Trockenzeit immer weniger finden, fressen sie beispielsweise auch die Rinde der Akazien. Allerdings bedeutet das vermutlich das Ende des typischen afrikanischen Baums in der Region. Denn wenn die Akazie erst einmal abgestorben ist, wächst sie nicht nach.

Am Flussufer des Sambesi auf der Insel Chikwenya grasen eine Elefantenkuh und ihr Kalb. Die Tiere schwimmen durch den Fluss, um zu den guten Futtergründen zu kommen.

Am Flussufer des Sambesi auf der Insel Chikwenya grasen eine Elefantenkuh und ihr Kalb. Die Tiere schwimmen durch den Fluss, um zu den guten Futtergründen zu kommen.

Foto: Frank Arens

Plötzlich stoppt der Safariführer den Wagen, steigt aus und bückt sich. Er hat eine Spur gefunden: Hyänen. Sie haben in der Nacht in der Nähe des Camps so grob gelacht. „Die Hyänen hier sind scheu, mal schauen, ob wir sie finden“, sagt er. Doch sie bleiben in Deckung. Da knackt es in Causemores Funkgerät: Gleich vor dem Camp läuft ein Rudel Wildhunde vorbei. Causemore wirft den Motor wieder an und fährt zurück zum Camp. Und tatsächlich trabt dort ein Rudel vorbei. Es ist das Einzige, das momentan in der Region lebt. Früher gab es dort viele Wildhunde.

Wilderness Safaris ist nicht nur ein Unternehmen, das luxuriösen Ökotourismus betreibt, es ist auch eine Umweltorganisation, die Wildnis, Wildtiere und die Einbindung der Menschen miteinander verbinden will. Das funktioniert unter anderem auch über Projekte. So wird in Chikwenya ein Rudel Wildhunde aufgepäppelt. Wenn es alles gut läuft, wird es bald ausgewildert.

Am Abend schlägt Causemore vor, am nächsten Tag eine Kanutour auf dem Sambesi zu machen. Soll es dort nicht nur so wimmeln vor Krokodilen? Der Guide erläutert, dass Krokodile nichts angreifen, was größer ist als sie. „Außerdem sollst Du dein Bein ja nicht über Bord hängen“, sagt er grinsend.

Das Kanu gleitet am Nachmittag durch die Fluten. Am Horizont liegen die Berge Sambias im Dunst. Es ist bis auf das leichte Plätschern der Paddel ruhig. Nur ab und zu grunzt ein Nilpferd. Die Kanuten umgibt nur die Stille der Nachmittagshitze. Causemore dirigiert das Kanu geschickt um die große Gruppe der Flusspferde. „Den Hippus darf man sich bei ihrem Gang ins Wasser nie in den Weg stellen“, sagt er. Denn so passieren die meisten tödlichen Unfälle an den Flüssen Afrikas; und nicht etwa durch Angriffe von Krokodilen.

Während die Sonne untergeht, versammeln sich Geier auf einem Baum. Ganz in der Nähe haben Löwen Beute gemacht.

Während die Sonne untergeht, versammeln sich Geier auf einem Baum. Ganz in der Nähe haben Löwen Beute gemacht.

Foto: Marie-Chantal Tajdel

Während das kleine Boot sanft durchs Wasser gleitet, bewerfen sich am Ufer der Flussinsel Chikwenya Elefanten mit Sand. Sie glitzern in der Sonne, weil darin Mineralien enthalten sind. Sie nutzen den Sand als Sonnenschutz. Wieder am Ufer sagt Causemore, dass auf dem Rückweg vielleicht Löwen zu sehen sein werden. Und tatsächlich, im Schein seiner Lampe liegt ein Weibchen mit seinem Jungen. Die ersten Löwen, die nur einige Meter entfernt vom Geländewagen im hohen Gras liegen – was für ein Gefühl!

Am nächsten Morgen verlässt der Buschflieger das Camp Richtung Nationalpark Hwange. Schon aus der Luft sieht man Tierherden, die an den Wasserlöchern trinken. Guide Elias Chiga erwartet die Gäste und nutzt den Weg zum Camp Little Makololo für eine erste Safari. Hwange ist bekannt für seine Elefantenherden, denn es gibt viele Wasserquellen, an denen sie trinken können. Für Tierliebhaber ist das ein Paradies.

Am nächsten Wasserloch drängen sich die Elefanten um den sprudelnden Quellstrahl. „Da trinken nur die Elefanten, denn sie wissen, dass das Frischwasser ist“, erläutert der Guide. „Elefanten sind intelligent.“ Umso drolliger ist es, die jungen Kälber zu beobachten, die versuchen, sich an den Großen vorbeizudrängeln, wieder weggeschubst werden und ungeschickt mit ihren Rüsseln hin- und herwedeln. „Ein Elefant hat 50 000 Muskeln im Rüssel, aber die Kleinen wissen noch nicht, wie sie damit umgehen sollen“, erzählt Elias.

1935 gab es schon mal eine Dürre in der Region. „Damals haben die Briten entschieden, dass Wasser für die Tiere hochgepumpt werden soll“, sagt Arnoldt Winston Tshipa. Er ist Geologe bei Wilderness Safaris und forscht zusammen mit anderen, woher das Wasser genau kommt. Aus einem unterirdischen Fluss vielleicht oder einem See? „Das haben wir noch nicht herausgefunden“, sagt er. Aber er weiß, wie wichtig es für die Region ist. Denn wenn die Quellen einmal versiegen sollten, bedeutet es das Ende vom Leben in Hwange – für Tiere und Menschen. Aber möglicherweise werden die Quellen auch dauerhaft gespeist, sagt er.

An einem Wasserloch hält Elias und erzählt beim Sinken der Sonnen vom Zebu, seinen mächtigen Hörner, der schönen Zeichnung und dass es das Wappentier Simbabwes ist. Da schreitet direkt vor dem Wagen eine Giraffe vorüber. Sie zögert und schaut immer wieder in die Richtung, in der zwei Löwen liegen, die vor einigen Stunden ein verwaistes Elefantenbaby gerissen haben. „Die Giraffe ist beim Trinken sehr verletzlich“, erläutert der Guide. Denn wenn sie sich hinunterbeugt, kommt sie nicht so schnell wieder hoch. Das Risiko ist der Giraffendame deshalb wohl zu hoch, sie wendet sich um und schreitet mit wiegenden Schritten davon.

Nur wenige Kilometer von der Szene entfernt ist die Grenze des Nationalparks, und gleich dahinter liegt das Dorf Ngamo. Dort empfängt Sue Goatley die Gäste. Sie koordiniert die sozialen Programme für Wilderness Safaris in der Sambesi Region. Hilfe zur Selbsthilfe. Die Frauen weben Körbe aus Gräsern und Plastikmüllresten. Die Männer stellen Bachsteine aus Flusssand und Altglas her. Eine weitere Gruppe züchtet Ziegen, um das Fleisch zu verkaufen. „Eine Familie hat vorher etwa neun Dollar im Monat verdient, mittlerweile sind es 100“, sagt sie. Das helfe, das Leben im Dorf zu verbessern. Es gibt einen kleinen Supermarkt und eine Wasserquelle. Die geräumigen Lehmhütten sind eingezäunt, in den Gärten wird Gemüse angebaut. Und die Kinder können für eine geringe Gebühr zur Schule geschickt werden. Bürgermeister Johnson Ncube hofft außerdem, dass er einige touristische Projekte im Dorf anschieben kann, und lädt zu einer kleinen Rundtour über den Markt ein. Zu Fuß natürlich.

An der Grundschule Ngamo werden unter anderem eine Öko-Klasse und der Schulgarten von Wilderness Safaris unterstützt.

An der Grundschule Ngamo werden unter anderem eine Öko-Klasse und der Schulgarten von Wilderness Safaris unterstützt.

Foto: Frank Arens

Bei Safaris dürfen die Gäste die Geländewagen dagegen nicht verlassen. Es sei denn, es geht auf Walking Safari. Zu Fuß im Busch. Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte sie unbedingt wahrnehmen. Der Blick richtet sich nicht auf die großen Tiere, sondern auf die kleinen Dinge. Besonders faszinierend sind Termiten, die ihre Hügel immer so bauen, dass sie nach Westen ausgerichtet sind, um den Bau zu kühlen. Termiten verlassen ihre Hügel eigentlich nicht freiwillig, sondern graben sich bis zu ihrer Mahlzeit – etwa Elefantenkot – durch. Die kleinen Vegetarier bedecken ihren Fund mit Sand und fressen sich dann gemütlich vor der Sonne geschützt satt.

Am nächsten Tag geht es gemeinsam mit Sue Goetley nach Vic Falls und von dort aus weiter über die sambische Grenze nach Toka Leya, ebenfalls am Sambesi gelegen. Wer die Region besucht, sollte auf alle Fälle wieder aus dem Wagen steigen – zu einem Rhino Walk. In Sambia leben die einzigen überlebenden Nashörner im Mosi-oa-Tunya Nationalpark. Die letzten zehn verbliebenen Breitmaulnashörner Sambias werden streng von bewaffneten Rangern bewacht: sieben Tage, 24 Stunden. Nur im Park kann ihr Überleben gesichert werden. Das Abschneiden der Hörner, um Wilderer fernzuhalten, hat sich nicht bewährt. Denn die Nashörner werden verletzlich, weil sie sich nicht mehr wehren können. Und manchmal blutet die Wunde auch und entzündet sich tödlich. „Wenn die Wilderer die Nashörner ohne Horn vorfinden, töten sie sie trotzdem, um ihre Zeit nicht mit der Suche nach Nashörnern ohne Horn zu verschwenden“, sagt einer der Ranger. Trotzdem entwickelt sich die Gruppe in Sambia gut, mittlerweile gibt es drei Junge. Wenn die Nashorn-Gruppe weiter wächst, gibt es sogar die Überlegung, einen Bullen aus einer anderen Region im Nationalpark auszuwildern.

In direkter Nähe zu den Victoria Fällen gibt es viel Grün.

In direkter Nähe zu den Victoria Fällen gibt es viel Grün.

Foto: Marie-Chantal Tajdel

In Toka Leya können Urlauber übrigens wieder ruhig schlafen. Dort gibt es keine Raubtiere, dafür in der Nähe der berühmten Victoria Fälle wieder mehr Menschen als in der Savanne. Obwohl der Sambesi momentan wenig Wasser führt und nicht so mächtig an den Felsen hinunter rauscht, sind die Victoria Fälle beeindruckend, wenn auch von Touristen überlaufen. Trotzdem sind sie ein guter Abschluss für eine Safari. Sie erleichtern die Rückkehr in den Alltag.

Die Reise wurde von Wilderness Safaris unterstützt.

Info

Zur Sache

Safari in Simbabwe und Sambia

Anreise: Von Bremen geht es beispielsweise mit KLM über Amsterdam und Nairobi bis nach
Harare. Von dort fliegen Gäste in kleinen Fliegern bis zu den Camps und Lodges.

Beste Reisezeit: in der Trockenzeit von April bis November.

Visum: Urlauber erhalten ein Visum bei der Ankunft in Simbabwe. Es kostet 55 Euro. Das
Visum nach Sambia kann ebenfalls an der Grenze beantragt werden. Die 50 US-Dollar müssen bar bezahlt werden.

Übernachtung: Wer in Harare ankommt, sollte auf alle Fälle die Möglichkeit nutzen, die Hauptstadt Simbabwes ein wenig zu erkunden. Eine Übernachtung bietet sich im Fünfsternehotel Meikles an, das es bereits seit 1915 gibt. Es ist zentral gelegen und kümmert sich etwa auch um die Flughafentransfers. Der Aufenthalt ist außerdem ideal, um sich an das Klima im südlichen Afrika zu gewöhnen. Informationen unter www.meikles.com.

Wilderness Safaris ist eine Umweltschutzorganisation und zugleich Unternehmen für nachhaltigen Safari-Tourismus. Das Unternehmen betreibt circa 50 Camps und Safaris in Namibia, Botswana, Simbabwe, Sambia, Kenia, Ruanda, Südafrika und setzt seit 1983 auf die Kombination von sanftem Tourismus und Naturschutz.

Informationen gibt es auf der deutschsprachigen Webseite de.wilderness-safaris.com.

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