Wachsender Bedarf an Pflanzen übersteigt die Möglichkeiten der Erde / Forscher fordern besseres Management

Wenn das Land knapp wird

Die Erde hat eine Oberfläche von etwas mehr als einer halben Milliarde Quadratkilometern. Gut 70 Prozent des Planeten sind von Wasser bedeckt. Von der Landfläche lassen sich große Teile, etwa Wüsten, gar nicht oder kaum wirtschaftlich nutzen. Schon heute ist es schwierig, mit dem zur Verfügung stehenden Land alle Bedürfnisse zu befriedigen. Wissenschaftler plädieren deshalb für einen anderen Umgang mit dieser lebensnotwendigen natürlichen Ressource.
28.11.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Wenn das Land knapp wird
Von Jürgen Wendler

Die Erde hat eine Oberfläche von etwas mehr als einer halben Milliarde Quadratkilometern. Gut 70 Prozent des Planeten sind von Wasser bedeckt. Von der Landfläche lassen sich große Teile, etwa Wüsten, gar nicht oder kaum wirtschaftlich nutzen. Schon heute ist es schwierig, mit dem zur Verfügung stehenden Land alle Bedürfnisse zu befriedigen. Wissenschaftler plädieren deshalb für einen anderen Umgang mit dieser lebensnotwendigen natürlichen Ressource.

An die herausragende Bedeutung der Landflächen erinnert unter anderem Jahr für Jahr der Weltbodentag am 5. Dezember. Als Boden wird der obere Bereich der Erdkruste bezeichnet – ein Grenzraum, der von der Luft ebenso beeinflusst wird wie vom Wasser und von Lebewesen, seien es Würmer, Bakterien oder andere Organismen. Böden entstehen dadurch, dass Überreste von Lebewesen wie Pflanzen zersetzt werden und Gestein verwittert, das heißt: Unter dem Einfluss von Wind und Regen sowie aufgrund des Wechselspiels von Kälte und Wärme werden mineralische Bestandteile aus dem Gestein herausgelöst.

Böden liefern nicht nur die Nährstoffe, die Pflanzen für ihr Wachstum benötigen, sondern speichern darüber hinaus Wasser und Kohlenstoff. Auf diese Weise tragen sie auch dazu bei, Überschwemmungen zu verhindern und die Menge an Treibhausgasen in der Atmosphäre in Grenzen zu halten. Als Filter sorgen Böden dafür, dass viele Schadstoffe in der Regel nicht bis ins Grundwasser gelangen.

Menschen nutzen das Land unter anderem, um Nahrungsmittel zu gewinnen, ihren Holzbedarf zu decken und Pflanzen wie Ölpalmen, Zuckerrohr oder Raps anzubauen, die sich auch zur Herstellung von Biokraftstoff verwenden lassen. Weil Pflanzen das Treibhausgas Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnehmen und für die Herstellung von neuem pflanzlichen Material nutzen, helfen sie, die globale Erwärmung einzudämmen. Auch deshalb sind Landflächen wichtig. Wie Professor Ernst-Detlef Schulze vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena und sein australischer Kollege Josep Canadell erklären, wäre jedoch das Drei- bis Siebenfache der vorhandenen Fläche nötig, um allen Ansprüchen gerecht zu werden: von der Ernährung bis zur Eindämmung der globalen Erwärmung. Vor diesem Hintergrund plädieren die Forscher im Fachjournal „Nature Communications“ dafür, Praktiken der Landnutzung zu verändern beziehungsweise ein nachhaltiges Landmanagement zu betreiben. Wichtig sei zum Beispiel ein kontrollierter Einsatz von Düngemitteln. Der Grund: Wenn Pflanzen als Dünger eingesetzten Stickstoff nicht ausreichend verwerten, wird Lachgas – eine Verbindung aus Stickstoff und Sauerstoff – freigesetzt. Lachgas ist ein Treibhausgas, kann also zur Erwärmung der Erde beitragen. Den Anbau von Pflanzen zur Energiegewinnung beurteilen Schulze und Canadell nicht nur wegen des Düngemitteleinsatzes kritisch. Oft würden Wälder gerodet, um solche Pflanzen anbauen zu können. Wälder aber seien wichtig, weil sie viel Kohlendioxid aufnähmen.

Sorge bereitet Experten neben dem hohen Bedarf an Flächen auch die Tatsache, dass die Bodenqualität vielerorts abnimmt. So wies zum Beispiel die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe vor wenigen Monaten darauf hin, dass die Schicht mit neuem Boden, die in einem Jahr entsteht, nur etwa einen Zehntelmillimeter dick ist. Auf intensiv genutzten Ackerflächen gingen in Deutschland pro Jahr jedoch zwei Millimeter durch Erosion verloren. Von Erosion sprechen Fachleute, wenn Wind und Wasser Bodenmaterial forttragen. Mit dem Material gehen zugleich Nährstoffe verloren. Das bedeutet: Erosion ist eine große Gefahr für die Fruchtbarkeit des Bodens.

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