Während anderswo Menschen hungern, landen hierzulande viele Lebensmittel im Müll / Forscher legen Studie vor Wertvolle Nahrung wird verschwendet

Gründe, sich über die Nahrungsversorgung Sorgen zu machen, gibt es viele. Die Zahl der Menschen wächst und liegt inzwischen bei mehr als sieben Milliarden, doch die Fläche, die landwirtschaftlich genutzt werden kann, ist begrenzt. Hinzu kommt, dass eine allzu intensive Nutzung von Flächen und klimatische Veränderungen dazu führen, dass vielerorts fruchtbares Bodenmaterial verloren geht. Umso wichtiger ist der Umgang mit Lebensmitteln. Der aber lässt zu wünschen übrig.
23.01.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Wertvolle Nahrung wird verschwendet
Von Jürgen Wendler

Gründe, sich über die Nahrungsversorgung Sorgen zu machen, gibt es viele. Die Zahl der Menschen wächst und liegt inzwischen bei mehr als sieben Milliarden, doch die Fläche, die landwirtschaftlich genutzt werden kann, ist begrenzt. Hinzu kommt, dass eine allzu intensive Nutzung von Flächen und klimatische Veränderungen dazu führen, dass vielerorts fruchtbares Bodenmaterial verloren geht. Umso wichtiger ist der Umgang mit Lebensmitteln. Der aber lässt zu wünschen übrig.

Nach Angaben der Fraunhofer-Gesellschaft gibt es Schätzungen, nach denen weltweit etwa ein Drittel der Lebensmittel nicht verbraucht, sondern ungenutzt entsorgt wird. Vor allem in den reichen Industrieländern landeten große Mengen an Lebensmitteln im Müll. Um sich einen Überblick zu verschaffen, haben Forscher der Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie in Alzenau (Bayern) und der Universität Gießen im Rahmen einer Studie fünf Tonnen Restmüll unter die Lupe genommen. Die Wissenschaftler wollten wissen, wie hoch der Anteil an tierischem und pflanzlichem Material ist.

Beim Sortieren des Mülls stellten die Forscher zunächst fest, dass sogenanntes biogenes Material einen Anteil von rund 30 Prozent am Gesamtgewicht hatte. Zu diesem Material biologischen Ursprungs gehörten aber nicht nur Lebensmittel, sondern auch Grünschnitt. Außerdem gab es Lebensmittelreste wie Schalen und Knochen. Aber: Bei etwa der Hälfte des biogenen Abfalls handelte es sich um Lebensmittel, die zum Zeitpunkt der Entsorgung noch hätten verzehrt werden können. Gewichtsmäßig den höchsten Anteil an diesen Lebensmitteln hatten mit 28 Prozent Obst und Gemüse. Der Anteil der Backwaren lag bei 20 Prozent, der von Fleisch und Wurstwaren bei elf, der von Milchprodukten bei zehn und der von zubereiteten Speisen und Tellerresten bei 14 Prozent. Hinzu kamen noch weitere Bestandteile, so etwa Süßwaren.

Um zu verhindern, dass weiterhin so viele Lebensmittel weggeworfen werden, bedarf es nach Ansicht der Forscher unter anderem besserer Verbraucherinformationen über die richtige Lagerung von Frischprodukten und die Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums. Ob es Konservendosen sind oder Kekspackungen: Wer sich die Verpackungen genau ansieht, findet dort Daten. Ist der angegebene Termin verstrichen, werfen viele Menschen die Produkte einfach weg. Dabei handelt es sich beim Mindesthaltbarkeitsdatum lediglich um den Hinweis, dass bei richtiger Lagerung Eigenschaften wie Aussehen oder Konsistenz mindestens bis zu diesem Datum erhalten bleiben. In vielen Fällen können Lebensmittel auch nach diesem Datum weiterhin verzehrt werden. Wichtig ist nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, dass kein Schimmel zu sehen ist und das Lebensmittel normal riecht und schmeckt.

Unterschiedliches Verhalten

Bei ihrer Studie haben die Forscher der Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie sowie der Universität Gießen auch festgestellt, dass in Einfamilienhäusern grundsätzlich weniger Lebensmittel über den Restmüll entsorgt werden als beispielsweise in Mehrfamilienhäusern oder Wohnblöcken. Dies lasse auf einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln schließen.

Der Umgang mit Nahrung ist eine Sache, die Produktion eine andere. Kürzlich haben Wissenschaftler im Fachjournal „Agricultural Economics“ erklärt, dass infolge des Klimawandels in den nächsten Jahrzehnten mit einem starken Rückgang der Erträge bei Reis, Weizen, Mais, Sojabohnen und Erdnüssen zu rechnen sei, also bei Nutzpflanzen, die für die Ernährung der Weltbevölkerung eine besonders wichtige Rolle spielten. In die Kritik geraten ist in den letzten Jahren die Praxis, Flächen für den Anbau von Pflanzen zu nutzen, die nicht der Ernährung, sondern der Produktion von Biokraftstoffen dienen. Auch dies, so hieß es, könne dazu beitragen, dass nicht mehr genügend Nahrungsmittel zur Verfügung gestellt werden könnten. Eine Wissenschaftlergruppe um Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ist jedoch in einer neuen Studie zu dem Schluss gekommen, dass sich die Nachfrage nach Bioenergie voraussichtlich weit weniger stark auf die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise auswirken wird als der Klimawandel.

Die Forscher begründen ihre Einschätzung damit, dass Biokraftstoffe der zweiten Generation zunehmend an Bedeutung gewönnen. Biokraftstoffe der ersten Generation werden aus Pflanzen wie Raps oder Zuckerrohr hergestellt, die auch für die Ernährung von Menschen und als Tierfutter eine Rolle spielen. Von Biokraftstoffen der zweiten Generation ist hingegen die Rede, wenn zur Herstellung Reststoffe wie beispielsweise Holzabfälle genutzt werden.

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