Wie Gartenvögel Fettreserven für den Winter aufbauen

London (wk). „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, heißt es. Die Redensart drückt aus, dass derjenige am erfolgreichsten ist, der sich als Erster um eine Sache kümmert.
17.10.2013, 00:00
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Von WESER-KURIER

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“, heißt es. Die Redensart drückt aus, dass derjenige am erfolgreichsten ist, der sich als Erster um eine Sache kümmert. Wortwörtlich sollte man sie allerdings nicht nehmen, wie eine Studie britischer Forscher zeigt. Danach halten Gartenvögel im Winter zwar früh Ausschau nach Futter, sammeln die Funde aber oft erst am späten Nachmittag ein. Das Verhalten hänge vermutlich damit zusammen, dass ein voller Bauch die Vögel träge und zur leichten Beute für Räuber machen würde, schreiben die Wissenschaftler von der Universität Oxford in den „Biology Letters” der britischen Royal Society.

Nach Expertenangaben können kleine Singvögel wie Meisen in einer eisigen Winternacht bis zu zehn Prozent ihres Körpergewichts verlieren. Außerdem kann die Körpertemperatur um mehrere Grad Celsius sinken. Um Energieverluste ausgleichen zu können, sind die Tiere auf ausreichend Nahrung angewiesen. Sie müssen sich zudem Polster anfressen, gleichzeitig aber auf der Hut vor Fressfeinden wie etwa Sperbern sein. „Vögel müssen Körperfett einlagern, um in den kalten Winternächten nicht zu verhungern, aber das kann sie langsamer und unbeweglicher machen, sodass sie eher Räubern zum Opfer fallen”, sagt der Leiter der britischen Studie, Damien Farine.

Bereits frühere Studien hatten gezeigt, dass Vögel bei Gefahr ihr Mahl auf einen späteren Zeitpunkt am Tag verschieben. Für ihre neue Studie statteten die britischen Zoologen in einem Waldgebiet bei Oxford mehr als 2000 Vögel mit Funktranspondern aus: Kohl-, Blau-, Sumpf- und Tannenmeisen sowie Kleiber. An mehreren Orten legten die Forscher morgens oder nachmittags Futter aus und prüften genau, wann einer der Vögel es entdeckte.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Vögel morgens und nachmittags sehr unterschiedliche Muster der Futtersuche aufweisen”, sagt Farine. „Nachmittags wurden nur sehr wenige Futterquellen gefunden. Dagegen wurde jede Futterquelle, die wir morgens eingerichtet hatten, schnell entdeckt.” Dies stütze die Vorstellung vom „frühen Vogel“, der am frühen Morgen nach Futter suche. Geschlemmt werde meistens aber erst etwa zwei Stunden vor der Dämmerung. Diese Strategie maximiere die Chance, Räubern zu entgehen und dennoch nicht zu verhungern.

Vögel wie Meisen und Kleiber, die im Winter unter Nahrungsknappheit leiden, bevorzugen fetthaltiges Futter. Bei Meisenknödeln handelt es sich deshalb um ein Gemisch aus Fett und Samen. Kleiber suchen nach Bucheckern und Nüssen.

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