Wie Tiere Energie sparen

Antwort: Vögel haben zwar ein schützendes Gefieder, doch dies allein reicht nicht aus, um einen zu großen Energieverlust zu vermeiden. So lässt sich in besonders kalten Nächten ein allzu starkes Absinken des Temperaturniveaus nur dadurch verhindern, dass viel Körperfett verbrannt wird.
11.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Wie Tiere Energie sparen
Von Jürgen Wendler

Antwort: Vögel haben zwar ein schützendes Gefieder, doch dies allein reicht nicht aus, um einen zu großen Energieverlust zu vermeiden. So lässt sich in besonders kalten Nächten ein allzu starkes Absinken des Temperaturniveaus nur dadurch verhindern, dass viel Körperfett verbrannt wird. Um die Energieverluste ausgleichen zu können, sind die Tiere auf ausreichend Nahrung angewiesen. Wie Forscher festgestellt haben, bevorzugen Vögel, die im Winter unter Nahrungsknappheit leiden, fetthaltiges Futter. Dies erklärt auch, warum Meisenknödel, die unter anderem Fett enthalten, oft ganze Scharen von Vögeln anziehen. Hilfreich können für die Tiere auch Nistkästen sein. Sönke Hofmann vom Landesverband Bremen des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) hat darauf hingewiesen, dass sich Zaunkönige in Nistkästen gegenseitig wärmten. Auch Meisen, Rotschwänze und andere Vögel wüssten solche geschützten Orte zu schätzen.

Möglichkeiten, Energie zu sparen, bieten Winterschlaf und Winterruhe. Von Igeln ist bekannt, dass sie den Winter gern unter aufgeschichteten Laubhaufen verbringen. Ebenso wie zum Beispiel Murmeltiere und Siebenschläfer halten sie einen Winterschlaf. Weil in der kalten Jahreszeit weniger Insekten und Würmer als Nahrung zur Verfügung stehen, wäre es für die Igel kaum möglich, ihre Körpertemperatur auf dem für warme Phasen typischen Niveau zu halten. In der Zeit des Winterschlafs sinkt ihre Körpertemperatur bis auf wenige Grad ab. Der Ausdruck Winterschlaf bezeichnet einen extremen Zustand. Die Stoffwechselraten können dabei mehrere Hundert Mal niedriger sein als in Zeiten, in denen die Tiere aktiv sind. Puls und Atmung sind verlangsamt.

Von Winterruhe sprechen Biologen zum Beispiel bei Eichhörnchen, Dachsen und Bibern. Sie halten sich zwar während des Winters viel in ihren Nestern, Bauten und Höhlen auf, verlassen diese aber manchmal, um auf Nahrungssuche zu gehen und Vorräte aufzustocken. Eichhörnchen nutzen unter anderem Nüsse, die sie gesammelt und im Herbst vergraben haben. Bei Kälte halten sie sich gern in ihrem aus Reisig und Moos gebauten Nest auf, dem sogenannten Kobel. Bei der Winterruhe fällt die Körpertemperatur nur wenig ab; dies ist ein wesentlicher Unterschied zum Winterschlaf.

Als einen Sonderfall betrachten Biologen die Art, in der Eis-, Schwarz- und Braunbären überwintern. Die Körpertemperatur dieser Tiere sinkt zwar nur wenig, aber was die Aktivität angeht, kommt ihr Zustand dem Winterschlaf näher als der Winterruhe.

Maulwürfe halten keinen Winterschlaf. Wie die Deutsche Wildtier Stiftung erklärt, sind sie allerdings bei Kälte weniger aktiv. Atemfrequenz und Körpertemperatur gingen zurück. Bei Frost verlagern die Tiere ihre Aktivitäten den Expertenangaben zufolge in tiefere Bodenschichten. Während sie bei normalen Bodenverhältnissen ihre Gänge in zehn bis 20 Zentimetern Tiefe anlegten, hielten sie sich bei Frost zum Teil in Bereichen von mehr als einem halben Meter auf. Ernähren könnten sie sich dort mithilfe von Vorräten, etwa Regenwürmern, die sie in einer eigens angelegten Nahrungskammer horteten.

Vor der Notwendigkeit, wegen eines geringeren Nahrungsangebots ihren Energiebedarf zu senken, stehen auch große Tiere wie die hierzulande heimischen Rothirsche. Diese fahren deshalb im Winter ihren Stoffwechsel herunter. Auch bei ihnen sinken Körpertemperatur und Atemfrequenz.

Frösche und Kröten nutzen nach Darstellung der Deutschen Wildtier Stiftung unter anderem lockeren Boden, um sich einzugraben, oder überwintern am Grund von Gartenteichen. Im Zusammenhang mit dem Zustand von Reptilien wie Schlangen und Eidechsen oder Amphibien wie Kröten und Fröschen sprechen Experten von einer Kältestarre. Dabei ist die Körpertemperatur an die Umgebungstemperatur angepasst, und alle Lebensvorgänge werden fast vollständig heruntergefahren.

Bei Säugetieren liegt die Körpertemperatur in der Regel zwischen 36 und 38 Grad Celsius, bei Vögeln zwischen 40 und 42 Grad. Damit unterscheiden sich diese Tiere deutlich von anderen wie beispielsweise Schlangen, deren Körpertemperatur etwa der Temperatur in ihrer Umgebung entspricht. Weil die Körpertemperatur von Säugetieren und Vögeln zumeist weit über der Umgebungstemperatur liegt und Wärme stets von wärmeren an kältere Objekte abgegeben wird, mussten die Tiere Wege finden, Wärme zu erzeugen, Wärmeverluste zu vermeiden und besonders kalte Phasen wie den Winter zu überstehen. Wie schaffen sie das?

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