Bremer Experten vermessen Bauwerk in Westafrika / Längere Nutzungsdauer wahrscheinlich Wie viele Jahre hält eine Eisenbahnbrücke?

Lomé·Bremen (wk). Bremer Wissenschaftler helfen im westafrikanischen Togo bei der Sanierung der Infrastruktur. Sie kümmerten sich nach eigenen Angaben um den Erhalt einer wichtigen Eisenbahnbrücke.
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Von WESER-KURIER

Bremer Wissenschaftler helfen im westafrikanischen Togo bei der Sanierung der Infrastruktur. Sie kümmerten sich nach eigenen Angaben um den Erhalt einer wichtigen Eisenbahnbrücke. Vor kurzem sind deshalb Marc Gutermann und Werner Malgut vom Institut für Experimentelle Statik (IFES) der Hochschule Bremen nach Afrika gereist, um dort durch spezielle Messungen die tatsächlich mögliche Nutzungsdauer der stählernen Eisenbahnbrücke über den Lac Togo in der Nähe der Hauptstadt Lomé zu ermitteln. Das teilte das Institut jetzt mit.

Aus dem Landesinneren wird Phosphat per Güterzug in offenen Waggons zur Küste transportiert. Dieses Phosphat hat an der stählernen Fachwerkbrücke seine Spuren hinterlassen: Einzelne Fachwerkstäbe seien so stark korrodiert, dass die Brücke nach den Berechnungen bald ersetzt werden müsste.

„Um Tragwerke statisch berechnen zu können, werden sie in ein vereinfachtes Rechenmodell umgewandelt, das immer auf der sicheren Seite liegen muss,“ erklärt Marc Gutermann, Leiter des IFES. So würde dann in der Regel eine geringere Tragfähigkeit errechnet, als tatsächlich vorhanden ist. „Unsere Erfahrungen aus mehr als 60 Brückenmessungen haben gezeigt, dass die Bauwerke trotz ihres Alters oder etwaiger Schäden meist besser sind als zuvor errechnet.“

Diese Hoffnung bestand auch bei der mehr als 77 Meter langen Stahlfachwerkbrücke, die den Lac Togo mit insgesamt 19 Einzelfeldern von jeweils knapp 40 Metern Länge überquert. Sie wurde 1960 im Auftrag des „Office Togolais des Phosphates“ (O.T.P) erbaut und soll noch möglichst lange in Betrieb bleiben.

An vier Tagen wurden für die Messungen der Bremer IFES-Wissenschaftler insgesamt 44 spezielle Sensoren installiert. Sie erfassten das Tragverhalten der Brücke während des normalen Eisenbahnbetriebs. Die Ergebnisse zeigten, dass tatsächlich nahezu alle realen Belastungswerte geringer waren als zuvor berechnet.

„Im Zuge der Sanierungsplanung werden die Messwerte nun verwendet, um das Rechenmodell anzupassen. Wir gehen davon aus, dass sich die Restnutzungsdauer deutlich verlängern lässt“, fasst Gutermann die Ergebnisse zusammen. Sollten Verstärkungen erforderlich sein, würden sich diese auf einzelne Stäbe beschränken können. Für den Erhalt der Infrastruktur des wirtschaftlich schwachen Togo sind die Messergebnisse nach Ansicht der Bremer Experten von enormer Bedeutung.

Geografisch liege der Tätigkeitsschwerpunkt des IFES zwar in Deutschland, jedoch würden hin und wieder Messungen auch in europäischen Nachbarländern vorgenommen, hieß es vonseiten des Instituts. Neben einem Auftrag in China sei die Arbeit in Togo die zweite Messaufgabe außerhalb Europas gewesen.

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