Simbabwe: Gäste sollen endlich wiederkommen

„Wir werden die Wildnis weiter beschützen“

Nachhaltigkeitsmanager Neil Midlane über die aktuelle Situation für Menschen und Tiere im südlichen Afrika
26.05.2020, 12:53
Lesedauer: 5 Min
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Von Marie-Chantal Tajdel
„Wir werden die Wildnis weiter beschützen“

In Chikwenya am Sambesi in Simbabwe lebt ein Rudel Wildhunde im Gehege. Momentan ist ein Weibchen trächtig. Danach werden die Tiere in der Region ausgewildert.

WildernessSafaris/Dana Allen

Wie sieht die momentane Situation in Ländern wie Simbabwe oder Sambia aus?

Neil Midlane: Simbabwe befindet sich momentan in einem kompletten Lockdown, aber Umweltschutzprojekte oder Konzepte, um die Wilderei einzudämmen, sind zu systemrelevanten Diensten erklärt worden, um Flora und Fauna beschützen zu können. Sambia ist nicht im Lockdown, aber verlangt von allen Einreisenden, die aus Ländern kommen, in denen es Covid-19-Fälle gibt, eine 14-tägige Quarantäne. Dort beobachten wir deshalb dauerhaft unsere Umweltprojekte, um sicherzustellen, dass wir unsere Arbeit auch in diesen Zeiten weiterführen können.

Wie geht es den Mitarbeitern, die in den Camps arbeiten? Sind sie nach Hause geschickt worden?
Neil Midlane ist Nachhaltigkeitsmanager bei dem Öko-Safari-Unternehmen Wilderness Safaris

Neil Midlane ist Nachhaltigkeitsmanager bei dem Öko-Safari-Unternehmen Wilderness Safaris

Foto: Wilderness Safaris

Der Großteil unser Mitarbeiter von den Lodges ist zu Hause bei ihren Familien, abgesehen von den kleinen Teams, die nach den Camps und den Gebieten von Wilderness Safaris schauen. Wir sind ununterbrochen im Austausch mit den unterschiedlichen Teams, – auch per SMS oder anderen Medien, wenn WLAN vorhanden ist – um sicher zu gehen, dass unsere Mitarbeiter auch in diesen Zeiten positiv bleiben. Aber sie freuen sich unheimlich darauf, wieder in die Camps zurückzukehren, um so bald wie möglich wieder unsere Gäste zu empfangen.

Erhalten Ihre Mitarbeiter eigentlich eine Lohnfortzahlung oder gibt es in den Ländern, in denen Wilderness Safaris arbeitet, Formen von Kurzarbeit?

Wilderness Safaris beschäftigt knapp 2700 Menschen, der Großteil kommt aus den ländlichen afrikanischen Gemeinschaften. Während auch wir von den momentanen Ereignissen und den Reisebeschränkungen, die unsere Tourismusindustrie stark trifft, betroffen sind, versuchen wir alles, was wir können, um sicherzustellen, dass unsere Mitarbeiter weiterhin ihre Gehälter bekommen – besonders weil wir wissen, dass oft etwa zehn Menschen von dem Gehalt eines Familienmitglieds leben müssen. Unsere Gesellschafter und das Management-Team sind aber auch der Zukunft unseres Unternehmens verpflichtet. Wir arbeiten mit den Anteilseigner hart daran, das Unternehmen durch diese herausfordernden Zeiten zu navigieren.

Die Lodges von Wilderness Safaris sind meist an entlegenen Orten. Was passiert dort nun?

In jedem Camp ist ein Team aus wenigen Mitarbeitern verblieben, die nach dem Rechten sehen, sauber machen sowie die Anlagen warten und pflegen, damit alles in dem gewohnten Zustand ist, wenn die Gäste wiederkommen. Außerdem fahren die Guides über unsere Gebiete, um Präsenz zu zeigen, die Wildbestände zu kontrollieren und die Wasserstände an den Wasserlöchern zu überprüfen. (Das passiert vor allem im Hwange Nationalpark in Simbabwe, denn dort werden die Wasserlöcher aus unterirdischen Quellen gespeist. Das Wasser wird über Pumpensysteme an die Oberfläche befördert. Anmerkung der Redaktion).

Wilderness Safaris unterstützt zahlreiche lokale Projekte, etwa eine Auffangstation für Wildhunde in Chikwenya am Sambesi, eine Anti-Wilderer-Einheit im Hwange Nationalpark in Simbabwe oder die Überwachung der verbliebenen Nashörner im Mosi-oa-Tunya Nationalpark in Sambia. Was passiert jetzt mit diesen Projekten?

Selbst in diesen noch nie da gewesenen Zeiten behält Wilderness Safaris den Fokus auf sein wertvollstes Kapital: Die Menschen – damit meine ich unsere Belegschaft sowie die lokale Bevölkerung – und unsere Tierwelt. Mit Unterstützung unserer gemeinnützigen Partner, der Wilderness Wildlife Stiftung, sowie unserem unternehmenseigenen Nachhaltigkeitskapital, haben wir Mittel beigesteuert, um unsere zahlreichen Umweltschutzbemühungen zu unterstützen. Das betrifft auch die Scorpion Anti-Wilderer-Einheit, die wir im Hwange Nationalpark in Simbabwe weiterhin aufrechterhalten sowie die Beobachtung der Nashörner, etwa im Okavango Delta in Botswana.

Diese Löwen im Nationalpark Hwange in Simbabwe sind satt und leben weit entfernt von größeren Siedlungen. In anderen afrikanischen Ländern, etwa in Namibia, gibt es immer wieder Probleme zwischen Löwen und Menschen. Wilderness Safaris unterstützt Projekte wie ein Löwen-Frühwarnsystem, um die Situation zu entschärfen.

Diese Löwen im Nationalpark Hwange in Simbabwe sind satt und leben weit entfernt von größeren Siedlungen. In anderen afrikanischen Ländern, etwa in Namibia, gibt es immer wieder Probleme zwischen Löwen und Menschen. Wilderness Safaris unterstützt Projekte wie ein Löwen-Frühwarnsystem, um die Situation zu entschärfen.

Foto: Frank Arens

Auf unseren Gebieten in Namibia bleibt der Konflikt zwischen Mensch und Tierwelt aber die größere Bedrohung für die Tiere als die Wilderei. Wir versuchen weiterhin in diesen Gebieten, die Situation zu entschärfen, indem unsere Stiftung das Desert Lion Conservation Project finanziell dabei unterstützt, ein innovatives Löwen-Frühwarnsystem zu installieren, und sie fördert Löwen-Ranger-Teams.

Die Stiftung hat außerdem einen weiteren Zuschuss genehmigt, um die Wildhunde im Wildgehege in Chikwenya in Simbabwe bis August weiterhin füttern zu können. Sie sollten eigentlich im April ausgewildert werden, aber das Alpha-Weibchen ist trächtig. Unser Partner in dem Projekt, Painted Dog Conservation, muss sie deshalb zunächst in dem Gehege lassen.

Sind die Mitarbeiter, die sich um die Projekte kümmern, weiter vor Ort?

Ja, vor allem die Mitarbeiter, die unsere kritischen Nachhaltigkeitsprojekte leiten, führen ihre Arbeit weiter fort.

Glauben Sie denn, dass die Wilderei wieder zunehmen wird?
Im Okavango-Delta in Botswana beobachten die Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation Wilderness Safaris Nashörner.

Im Okavango-Delta in Botswana beobachten die Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation Wilderness Safaris Nashörner.

Foto: Wilderness Safaris/Russel Friedman

Wir erwarten, dass kommerzielle Wilderer-Syndikate sich die momentane Lage zunutze machen, und ihre Bemühungen ausdehnen, um etwa Elfenbein, das Horn der Nashörner oder Buschfleisch zu bekommen. Allerdings leiden die Menschen in den ländlichen Gegenden auch sehr unter den reduzierten Einkommen, und deshalb ist es wahrscheinlich, dass es zu einem Anstieg der Wilderei kommt, vor allem beim Buschfleisch. Vieles hängt auch davon ab, wie lange diese Situation noch anhält: Je schneller die Touristen und ihre hochgeschätzten Dollar zurückkehren, umso besser. Da wir aber nicht wissen, wie bald das passieren wird, haben wir die Alternativen, die ich zuvor beschrieben habe, entwickelt. Nur so können wir die Wildnis auf unseren Gebieten und deren unbezahlbares Kapital weiterhin beschützen. Außerdem werden wir eng mit den lokalen Behörden zusammen arbeiten, um die notwendigen Patrouillen weiterführen zu können – gerade, weil es momentan keinen normalen Alltag gibt.

Das Gespräch führte Marie-Chantal Tajdel.

Info

Zur Person

Neil Midlane

ist Nachhaltigkeitsmanager bei Wilderness Safari. Er hat Finanzwesen und Umweltmanagement studiert. Midlane ist Mitglied in zahlreichen Initiativen zum Schutz von Löwen.

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Zur Sache

Wilderness Safaris

Wilderness Safaris ist eine Umweltschutzorganisation und zugleich ein Unternehmen für nachhaltigen Safari-Tourismus. Das Unternehmen betreibt circa 50 Camps und Safaris in
Namibia, Botswana, Simbabwe, Sambia, Kenia, Ruanda, Südafrika und setzt seit 1983 auf die Kombination von sanftem Tourismus und Naturschutz.

Informationen gibt es auf der deutschsprachigen Webseite de.wilderness-safaris.com.

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