Kieler Meeresforscher: Flugzeug am wahrscheinlichsten vor Java abgestürzt Wissenschaftler suchen MH370

Kiel. Die verschollene malaysische Maschine mit der Flugnummer MH370 ist nach neuen Computer-Berechnungen von Kieler Meeresforschern möglicherweise 3500 Kilometer weiter nördlich als bisher vermutet abgestürzt. Am wahrscheinlichsten sei eine etwa 500 Kilometer mal 500 Kilometer große Absturzregion vor der Südküste der indonesischen Insel Java, erläuterten am Dienstag in Kiel die beiden Professoren Arne Biastoch und Jonathan Durgadoo vom Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung.
02.09.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Matthias Hoenig

Die verschollene malaysische Maschine mit der Flugnummer MH370 ist nach neuen Computer-Berechnungen von Kieler Meeresforschern möglicherweise 3500 Kilometer weiter nördlich als bisher vermutet abgestürzt. Am wahrscheinlichsten sei eine etwa 500 Kilometer mal 500 Kilometer große Absturzregion vor der Südküste der indonesischen Insel Java, erläuterten am Dienstag in Kiel die beiden Professoren Arne Biastoch und Jonathan Durgadoo vom Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung.

Die Forscher rechneten Strömungen und die mögliche Drift einer Ende Juli am Strand der Insel La Réunion vor Ostafrika gefundenen Flügelklappe einer Boeing 777 zurück. Sie betonten aber ausdrücklich, ihre bisherigen Daten reichten nicht aus, um der australischen Regierung bereits ein geändertes Suchgebiet zu empfehlen. „Unsere Berechnungen sind ein weiteres Puzzleteil, um das große Rätsel um MH370 zu lösen“, sagte Biastoch.

Am 8. März 2014 verschwand Flug MH370 von den Radarschirmen - wie vom Erdboden verschluckt. Bisher wird aufgrund von Satellitendaten angenommen, dass das Flugzeug mit 239 Menschen an Bord auf Höhe des 35. Breitengrades südlich des Äquators ins Meer stürzte – etwa 2000 Kilometer westlich von Australien.

Die Kieler Wissenschaftler sahen in der Flügelklappe einen Ansatzpunkt. Sie ließen sich von der französischen Forschungseinrichtung Mercator Ocean in Toulouse per Satellit und Messbojen erfasste Tagesdaten zu den Oberflächenströmungen im Indischen Ozean aus den vergangenen 16 Monaten schicken.

Um den Ursprungsort der Flügelklappe in einer Computersimulation zurückverfolgen zu können, setzten die Wissenschaftler fast zwei Millionen virtuelle Partikel an der Fundstelle aus und rechneten in die Vergangenheit. „Daraus habe wir dann einmal pro Monat die wahrscheinlichsten Aufenthaltsorte der Partikel berechnet“, erläuterte Durgadoo. Die Region im Indischen Ozean, in der 95 Prozent aller virtuellen Partikel auftauchten, ist fast halb so groß wie Australien – und nicht einmal zusammenhängend. Insgesamt aber liegt sie mindestens 1500 Kilometer nördlich vom bisherigen Suchgebiet westlich von Australien. Die einzige Region, in der die letzten Satellitenkontakte der Maschinen und eine Häufung von virtuellen Partikeln übereinstimmen, sei die Meeresregion vor Java, sagten die Wissenschaftler.

Bei den Berechnungen der Kieler Forscher wurde nur die Oberflächenströmung ausgewertet, Wind und Wellen blieben unberücksichtigt. „Der Wind dürfte keine große Rolle spielen, da das Wrackteil flach an der Oberfläche getrieben sein dürfte“, sagte Biastoch.

„Wir werden aber noch weitere Computerberechnungen machen, die dann auch die Wellen mit berücksichtigen. Sollten weitere Wrackteile entdeckt werden, wären deren Fundorte eine sehr große Hilfe, um das tatsächliche Absturzgebiet einzugrenzen“, sagte der Wissenschaftler.

Hilfreich wären auch Computer-Modellberechnungen anderer Forscher. Bisher sei ihm nicht bekannt, dass Ergebnisse solcher zurückgerechneten Strömungen zum vermuteten Wrackteil von Flug MH370 vorlägen.

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