Erneuerbare Energie Woran erkennt man Ökostrom?

Bremen. Ein Kühlschrank brummt immer gleich, egal, ob er mit Öko- oder anderem Strom betrieben wird. Woher weiß der Besitzer also, dass er guten Gewissens seine Speisen kühlt?
07.11.2013, 17:40
Lesedauer: 2 Min
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Bremen. Ökostrom unterscheidet sich in der Glühbirne nicht vom Strom aus dem Kohlekraftwerk. Die Glühbirne leuchtet nicht grün, es kommt „auch keine grüne Leitung aus der Wand“, wie Angela Dittmer von der SWB-Gruppe sagt. Woher weiß der Stromkunde also, dass er tatsächlich Ökostrom bekommt, wenn er diesen per Vertrag zu 100 Prozent bei seinem Anbieter bestellt hat?

Zum Teil ist es Vertrauenssache, denn nachprüfen kann der Kunde den Weg des Stroms vom Kraftwerk bis zur Steckdose nicht. Das können auch die Physiker und Elektrotechniker der Stromanbieter nicht. „Unmöglich“, sagt Henrik Düker von Greenpeace Energy, „der Strom nimmt immer den Weg des geringsten Widerstands. Das ist ein physikalisches Gesetz. “

Vielmehr müsse man sich das gesamte Stromnetz als einen riesigen See vorstellen, so Dittmer. In diesem See mischt sich sauberer Strom aus regenerativen Quellen wie Windkraft und Solaranlagen mit dem herkömmlichen Strom aus rußenden Kohlekraftwerken und gefährlichen Kernkraftwerken. Jede Quelle speist den von ihr produzierten Strom ein und hält so den Strompegel im See konstant hoch. Das muss so sein, denn die Verbraucher saugen ständig Strom ab. Der muss wieder aufgefüllt werden – auf einen genauen Wert, weil zu wenig Strom im Netz irgendwo Stromausfälle verursacht, weil andererseits zu viel Strom die Netze überlastet. Es gibt also eine Höchstmenge, der Anteil der Stromarten daran variiert.

Der Mix macht’s

Möchte ein Kunde also nur Ökostrom verbrauchen, kann er das lediglich in der Theorie. Denn tatsächlich kann niemand dafür sorgen, dass exakt der Strom, welcher aus der Leitung der Windkraftanlage nebenan gehüpft ist, den Toaster auf dem Küchentisch zum Glühen bringt. Der Strom fließt in das Stromnetz, sucht sich dann seinen Weg (des geringsten Widerstandes) und kommt unvorhersagbar irgendwo wieder aus der Steckdose.

Gut für die Umwelt ist es dennoch, wenn sich Verbraucher bei ihrer Vertragsauswahl für Strom aus regenerativen Quellen entscheiden. Denn dadurch verpflichten sie den Stromanbieter, genau die Menge an Ökostrom von Produzenten zu kaufen und in das Stromnetz einzuspeisen, die der Kunde verbraucht. Sie erhöhen dadurch den Anteil sauberer Energie im Stromsee.

Die Stromanbieter lassen sich von Dritten dabei kontrollieren, dass sie auch wirklich ihrer Verpflichtung nachkommen. Machen sie Fehler, kaufen sie etwa zu wenig Ökostrom, dann erhalten sie die nötigen Zertifikate nicht, um den Strom als sauber und ökologisch verkaufen zu dürfen. „Uns überprüft der TÜV Nord“, sagt Dittmer. Gleiches gilt für Greenpeace Energy. Allein auf die Stromanbieter müssen die Verbraucher also nicht vertrauen.

(bam)

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