Golf-Schnupperkurs Zisch, plopp, klackerdiklack

Bremen. Golf ist was für alte Männer. Golf ist verdammt teuer. Golf ist elitär. Vorurteile über den Golfsport gibt es reichlich. Doch stimmen Sie wirklich? Unser Redakteur Timo Sczuplinski hat den unerschrockenen Selbstversuch unternommen.
09.07.2015, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Zisch, plopp, klackerdiklack
Von Timo Sczuplinski

Bremen. Noch liegt der Ball auf seinem Platz. Auf einem gelben Gummistöpsel – dem Tee, wie die Golfer sagen. Doch gleich soll er fliegen. Am besten ganz weit weg, im hohen Bogen, weiter als alle anderen. Also die Füße in Stellung bringen. Den Blick auf den Ball. Und den Schläger ordentlich schwingen. Einmal nach hinten, dann mit Wucht nach vorn. Plopp. Getroffen. Der Blick geht nach oben. Doch am Himmel ist kein Ball. Jedenfalls nicht meiner. Wo ist das Ding nur? „Da isser“, sagt mein Nebenmann mit leicht mitleidigem Blick und zeigt mit dem Finger auf die Rasenfläche vor unseren Füßen. Der Ball hört gerade auf zu trullern. Die letzten Zuckungen, dann bleibt er liegen. Nicht mal 1,50 Meter weit statt der erhofften 150. Der war nicht gut, denke ich.

„Der war nicht gut“, sagt Tobias Wegmann. Nicht zu mir, sondern zu sich selbst. Auch sein Versuch ging etwas daneben. Nur nicht so schlimm. Nach 100 Metern fällt der Ball auf den Boden. Doch die Flugkurve war ihm zu flach. Das kann er besser, findet Wegmann, und legt im zweiten Versuch gleich noch gute 40 Meter drauf. Tobias Wegmann, der Pro, ist auf der GolfRange in der Bremer Vahr gerade mit einem Schnupperkurs unterwegs. Zwei Stunden ausprobieren. Und meine acht Schnupperkollegen und ich staunen, wie unser Golflehrer es fertigbringt, den Ball überhaupt zwei Mal hintereinander so zu treffen, dass er nicht bloß über den Rasen kullert, sondern im hohen Bogen durch die Luft segelt.

Sternstunde beim Minigolf

Minigolf – mehr hat mein Lebenslauf in der Sache nicht zu bieten. Bei den anderen in der Gruppe sieht es kaum anders aus. Mein bisheriger golferischer Höhepunkt: ein Sieg beim Kindergeburtstag eines Kumpels 1995. Als Zehnjähriger wurde ich damals Tagesbester auf der Minigolfanlage unseres Vertrauens – 31 Schläge bei 18 Löchern, Probeversuche nicht mitgezählt. Eine Sternstunde.

Nun ist alles einige Nummern größer. Nun stehen wir auf der Bremer Galopprennbahn, wo sonst die Pferde immer im Kreis laufen. In der Mitte des Ovals erstreckt sich eine hübsche Golflandschaft. Einige Bunker, ein paar kleine Gewässer, viele Fähnchen und noch mehr Menschen, die ihre Golfwägelchen hinter sich herziehen.

Einige bleiben doch gleich vorne an der Driving Range, der Übungsanlage, stehen. Dort, wo man die ganz langen Abschläge proben kann, wenn sie einem denn gelingen. Plopp macht es hier alle paar Sekunden, wenn wieder jemand die kleine weiße Kugel weggedroschen hat. Kurz vorm Plopp zischt es, wenn der Schläger die Luft durchschneidet. Und immer wieder mischt sich aus dem Hintergrund ein dumpfes Klackerdiklack in die Geräuschkulisse. Immer dann, wenn sich jemand neue Bälle zieht. Aus den Automaten klackern sie dann dutzendweise in die Eimerchen, wie das Wechselgeld am Parkautomaten. Der Vorrat für die Abschläge.

Langsam läuft‘s besser. Wilson, mein Siebener Eisen, macht endlich einigermaßen das, was es machen soll: Die Bälle weiter wegschlagen als 1,50 Meter. Das fühlt sich gut an, wenn es klappt. Wenn der Ball tatsächlich mal im hohen Bogen fliegt. Und es wurmt mich umso mehr, wenn er beim nächsten Versuch doch wieder nur faul auf seinem Tee liegen bleibt. Es dauert nicht lange und ich werde wütend auf mich. Warum geht das denn nicht?

Der Schwung soll aus den Schultern kommen, sagt Profi Wegmann. „Nicht aus den Armen“, sagt er und schlackert mit ihnen durch die Gegend, als wären sie aus Gummi. Den linken Arm solle man durchstrecken, sagt Wegmann, damit die Entfernung zum Ball trotz Schwingens immer gleich bleibt und man so den Ball sicherer trifft. Und noch ein Rat: Beide Hände untereinander an den Schlägergriff! Der Zeigefinger der linken soll den kleinen Finger der rechten berühren. „Oder ineinander verschlingen. So macht der Tiger das auch“, sagt Wegmann.

Ich kann's!

Der Tiger ist Tiger Woods, der Superstar, bei dem klappt‘s doch ziemlich gut (auch wenn der Tiger schon bessere Tage hatte als zuletzt). So falsch kann das trotzdem nicht sein. Also schlingen, zielen, schwingen, treffen. Plopp. Dieses Mal wirklich. Der Ball fliegt. Und landet immerhin schon mal bei 50 Metern. Ich glaube, ich kann‘s.

„Ich kann‘s“, sagt Profi Wegmann. Genauso gehe der kürzeste Golfer-Witz überhaupt. Sei man sich zu sicher, gehe es beim nächsten Mal meist schief. Die Technik könne man noch so gut beherrschen, ohne die nötige Konzentration klappe kaum was. Golf sei eine der technisch schwierigsten Sportarten überhaupt, wenn nicht sogar die schwierigste, findet Wegmann.

Die Situation vor einem Abschlag ist besonders intensiv. Während ich so dastehe und peile, versuche ich jetzt mal alles andere auszublenden. Rein in den Tunnel. Nur ich, der Ball und mein Schläger. Je länger ich auf den Ball starre, desto stärker glaube ich, dass Wilson ihn gleich schon treffen wird. Das Konzentrieren auf diesen einen Moment hat sogar etwas Meditatives. Alles, was drum herum passiert, das ständige Zisch, Plopp, Klackerdiklack blende ich aus. Den Ball zu treffen und am besten noch möglichst gut, ist jetzt in diesem Moment das Allerwichtigste auf der Welt. Und dann, ja dann, dann fliegt er wirklich mal. Und landet erst bei 70 Metern wieder auf dem Boden und fast sogar in einem dieser Auffangnetze, die so aussehen wie das Ziel auf einer Minigolfbahn – nur viel größer.

Minigolf ist ein gutes Stichwort, sagt Wegmann. Schließlich könne man noch so toll abschlagen. „Das hilft dir alles nicht, wenn du den Ball am Ende nicht einlochst“, sagt er. Womit wir beim Putten wären. Green statt Driving Range. Also genau der Bereich rund um das Loch, in dem der Rasen bloß wenige Millimeter kurz ist und der Weg zum Loch nicht mehr weit.

Auseinandersetzung mit sich selbst

Würde der Rasen nicht so echt riechen, man könnte glauben, man stehe auf einer Gummimatte. Keine Macken, sattes Grün und natürlich hochempfindlich. Wegmanns Rat: Besser nicht mit den Knien über den Rasen rutschen, wenn man beim Putten gleich treffen sollte. Eine leicht geballte Becker-Faust muss pro Erfolgserlebnis reichen.

Aber erst einmal einlochen. Schläger Wilson wird gegen Putter Longride getauscht. Er sieht aus wie ein Minigolfschläger, wiegt spürbar mehr als das Abschlag-Eisen. Und statt lang und hoch soll‘s nun flach und kurz zugehen. So makellos der Rasen ist, so uneben ist das Gelände. Kleine und große Schwierigkeiten sind auf dem Übungsgrün eingebaut. Einige Senken, leichte Schrägen. Einfach nur geradeaus zu schlagen, hilft nicht weiter. Wer ins Loch treffen will, muss die Neigungswinkel berechnen. Ein Geduldsspiel.

Jeder Millimeter, den man den Schläger in einem anderen Winkel hält, kann einem nun das Einlochen vermasseln. Ich fühle mich wie beim Pool-Billard. Statt Stoßen mit dem Kö, nun aber Schwingen mit dem Putter. Aus einem halben Meter Entfernung. Wie früher beim Minigolf – und es klappt. Klack, klack, klack – die drei Übungsbälle liegen im Loch.

Wegmann ruft zum Shoot-Out. Ein spontaner Wettbewerb. Der Pro sucht den Putt-König in unserer Gruppe der Ahnungslosen. Sechs Meter bis zum Loch. Jeder hat einen Versuch. Wessen Ball am nächsten zum Loch rollt, gewinnt. Klack, klack, klack – so einfach geht es nun nicht mehr. Anspannung macht sich breit. Wettkampfatmosphäre. Ich bin dran. Konzentrieren, zielen, schwingen. Mist. Nichts. Zu schwach. Zwei Meter noch Luft bis zum Loch. Platz sieben nur von neun. Kein Tagessieg wie einst beim Kindergeburtstag.

In der nächsten Folge lesen Sie, warum Golf ein sehr gesunder Sport sein kann.

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