110 Jahre Dodenhof Stetig gewachsen

110 Jahre ist es her, dass Hermann Dodenhof sen. ein kleines Gemischtwarengeschäft eröffnet hat. Seitdem ist sehr viel passiert. Dodenhof in Posthausen ist zu einem Shoppingcenter der Superlative gewachsen.
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Stetig gewachsen
Von Marius Merle

Posthausen. Das Einkaufszentrum Dodenhof wirbt gerne damit, die „größte Shopping- und Erlebniswelt des Nordens“ zu bieten. Rund fünf Millionen Besucher kommen jedes Jahr in die kleine Ortschaft Posthausen, um auf einer Fläche von 120 000 Quadratmetern zu flanieren. Dimensionen, von denen der Tischler Hermann Dodenhof sen. vor 110 Jahren wohl nicht einmal zu träumen gewagt hätte, als er 1910 in Stellenfelde einen kleinen Gemischtwarenladen eröffnete. Der damals 23-Jährige legte damit den Grundstein für ein in den folgenden elf Jahrzehnten konsequent wachsendes Unternehmen. Ein entscheidender Schritt dabei: 1925 kaufte Dodenhof ein Geschäftshaus im benachbarten Posthausen und verlagerte den Laden an den jetzigen Standort.

Fernab der großen Städte gelang es dem Geschäftsmann und seiner Familie, den Betrieb in den nicht zuletzt aufgrund der Weltkriege harten Zeiten zu etablieren und die Menschen mit Grundprodukten des täglichen Lebens zu versorgen. In den 50er-Jahren wurde ein mobiles Servicenetz eingerichtet: Bis der erste Lkw dafür angeschafft werden konnte, versorgte Dodenhof die Kunden zunächst noch per Fahrrad, Sackkarre und Pferdekutsche. In neue Einkaufsdimensionen stieß die Familie kurz nach dem 50-jährigen Jubiläum 1961 vor, als das erste Warenhaus in Posthausen mit Damen- und Herrenkonfektion, Parfümerie- und Porzellanabteilung eröffnet wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren bei Dodenhof bereits 150 Mitarbeiter beschäftigt.

Eigene Autobahnabfahrt

Vier Jahre später übernahm Hermann Dodenhof, Enkel des Firmengründers, die Geschicke des Familienunternehmens und sollte die nächsten Jahrzehnte des Einkaufszentrums gemeinsam mit seiner Ehefrau Gloria Dodenhof entscheidend prägen und für rasantes Wachstum sorgen. Sein Credo dabei stets: „Der Mensch steht im Mittelpunkt all unseres Handelns.“ Dazu passte auch, dass 1968 eine eigene Ausbildungsabteilung eingerichtet wurde. Der Schwerpunkt Ausbildung wurde in der Folge eine der Säulen der Mitarbeiterpolitik. Bis heute kommt es dabei nicht selten vor, dass die Eltern oder Großeltern der neuen Azubis auch schon bei Dodenhof arbeiten oder gearbeitet haben.

In der Folge wuchs die selbst ernannte „Einkaufsstadt, die alles hat“ immer weiter an. Auf 10 000 Quadratmetern entstand 1975 das Einrichtungshaus, zwei Jahre später folgte das Abhollager für Möbel. In den 80er-Jahren gab es weitere Meilensteine zu feiern: 1983 eröffnete bei Dodenhof der erste eigenständige Supermarkt, 1988 wurde die Tankstelle auf dem Gelände in Betrieb genommen. Und damit die Kunden von außerhalb mit ihren Fahrzeugen noch einfacher ans Ziel kommen, konnte ab 1989 an der A 1 die Autobahnabfahrt „Posthausen“ genutzt werden. Für diese „eigene“ Ausfahrt hatte das Unternehmen lange kämpfen müssen. In den 1990er-Jahren waren es vor allem zwei Großprojekte, die die Familie Dodenhof beschäftigten. 1994 erfolgte der Neubau des Modehauses auf 20 000 Quadratmetern, das nach eigenen Angaben „bis dato ehrgeizigste Bauprojekt der Unternehmensgeschichte“. 1998 übertrug Hermann Dodenhof das Geschäftsmodell dann nach Schleswig-Holstein, wo er in Kaltenkirchen den zweiten Dodenhof-Standort realisierte. 2004 musste er sich dann aus gesundheitlichen Gründen aus der Unternehmensleitung zurückziehen. Doch mit seinen Söhnen Ralph und Kai stand schon die vierte Generation in den Startlöchern für die Geschäftsführung.

„Großartiges Lebenswerk“

Hermann Dodenhof, der für sein unternehmerisches Engagement mit dem Goldenen Zuckerhut und dem Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland – welches im Übrigen auch seine Frau erhielt – ausgezeichnet wurde, starb im März 2017. Von einem „großartigen Lebenswerk“ sprach der damalige niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies und würdigte damit wie so viele andere das Schaffen von Hermann Dodenhof.

Lies’ Vorgängerin Johanna Wanka hatte 2010 zum 100-jährigen Jubiläum schon lobende Worte für den Weg vom kleinen Gemischtwarenladen zum Shoppingcenter der Superlative gefunden: „Es gibt kaum ein Unternehmen in Deutschland, das in 100 Jahren so dynamisch gewachsen und innovativ geblieben ist.“ Und auch in den folgenden zehn Jahren bis heute blieb die Familie Dodenhof dieser Linie treu. Einige Beispiele: Seit 2012 verbindet die „Shop-Mall“ alle Häuser miteinander, ein eigenes Outlet für Mode und Sport entstand 2014 und zahlreiche Umbauarbeiten sorgten für ein zeitgemäßes äußeres Erscheinungsbild.

„Vermutlich würde heute niemand auf die Idee kommen, hier ein solch großes Center zu bauen. Dass es dennoch so gut funktioniert, ist sicherlich dem stetigen organischen Wachstum über die vielen Jahrzehnte und der konsequenten Anpassung des Angebotes an die sich wandelnden Kundenwünsche zu verdanken“, sagt Ralph Dodenhof, der das Unternehmen mit seinen rund 2000 Beschäftigten heute führt, angesichts einer nun 110-jährigen Erfolgsgeschichte.

Es sei gelungen, Dodenhof als Marke zu etablieren und Posthausen weit über die Region hinaus bekannt zu machen. „Wenn meine Urgroßeltern sehen könnten, was aus dem einstigen Gemischtwarenladen hier gewachsen ist, würde es sie sicher mit ebensolchem Stolz erfüllen wie mich und meine Familie heute.“

Aufgrund der Corona-Pandemie sind große Feierlichkeiten zum 110-jährigen Bestehen dieses Jahr nicht möglich. „Wir hoffen aber, dass wir diese im nächsten Jahr mit unseren Mitarbeitern und Kunden nachholen können“, heißt es von Dodenhof. Das Unternehmen hat eine 40-seitige Jubiläums-Broschüre herausgebracht. Diese ist gegen eine Spende für die Jugendabteilung des TSV Posthausen vor Ort an der Center-Information erhältlich.

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